Wirtschaft
Glitzernde Welt in Sydney: Die G20 sind optimistisch.
Glitzernde Welt in Sydney: Die G20 sind optimistisch.(Foto: dpa)

Sind die Zeiten der Krise vorbei?: G20 peilen schnelles Wachstum an

Eigentlich war ein Schlagabtausch zwischen Schwellen- und Industrieländern über die US-Geldpolitik erwartet worden. Doch beim Treffen der G20 in Sydney bleibt dieser überraschenderweise aus. Stattdessen einigen sich die Länder auf höchst ehrgeizige Ziele.

Die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) wollen die Weltwirtschaft in den kommenden Jahren auf ein höheres Wachstumsniveau bringen und damit für mehr Jobs sorgen. Im Abschlusskommuniqué eines Treffens der G20-Finanzminister und -Notenbankchefs ist von einer Wachstumsbeschleunigung von mindestens zwei Prozent die Rede, die über einen Zeitraum von fünf Jahren erreicht werden kann, wie aus Teilnehmerkreisen verlautete.

Mächtige Frauen: US-Notenbankchefin Yellen (l) mit IWF-Chefin Christine Lagarde in Sydney.
Mächtige Frauen: US-Notenbankchefin Yellen (l) mit IWF-Chefin Christine Lagarde in Sydney.(Foto: AP)

Voraussetzung dafür seien allerdings ehrgeizige Reformen in den einzelnen Ländern, etwa am Arbeitsmarkt, beim Abbau von Handelshürden oder bessere Bedingungen für Investitionen. Mit den Beschlüssen signalisieren die G20, dass für sie die Zeiten der Krise überwunden sind.

Das geplante Ziel von zwei Prozent mehr Wachstum sei allerdings nicht als Planzahl zu verstehen, sondern als Ansporn, hieß es in G20-Kreisen. Derzeit wächst die Weltwirtschaft nach den Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) um 3,7 Prozent in diesem und 4 Prozent im nächsten Jahr. Das liegt bereits am oberen Rand der Durchschnittswerte in den letzten Jahren. Eine Wachstumsbeschleunigung um weitere mehr als 2 Prozent stellt damit ein höchst ehrgeiziges Ziel dar. Die Zahl stammt aus Analysen des IWF, der mögliche Wachstumsauswirkungen einer konsequenten Reformpolitik in der Welt errechnet hatte.

Schlagabtausch findet nicht statt

Der im Vorfeld erwartete Schlagabtausch zwischen Schwellen- und Industrieländern über negative Folgen der US-Geldpolitik blieb offenbar aus. Es habe bei den Beratungen der Minister und Notenbankchefs keinerlei Kritik der Schwellenländer am schrittweisen Zurückfahren der lange Zeit hochexpansiven US-Geldpolitik gegeben, hieß es in G20-Kreisen. Forderungen nach einem anderen Vorgehen der USA seien nicht aufgekommen.

Fed-Chefin Janet Yellen habe in den Beratungen deutlich gemacht, dass die US-Notenbank bei ihren Entscheidungen die Auswirkungen auf andere Länder durchaus im Auge habe. Die Kurswende der Fed, den milliardenschweren Aufkauf von Staatsanleihen schrittweise zurückzufahren, hatte einen massiven Abfluss von ausländischem Kapital zur Folge und die Finanzmärkte in einzelnen Schwellenländern in Turbulenzen gestürzt.

In ihrer Abschlusserklärung kommen die G20 den Kreisen zufolge zu dem Schluss, dass in den meisten Industrieländern eine konjunkturfördernde Geldpolitik weiter nötig ist. Die Notenbanken sollten die Kriterien für ihr Handeln transparent und angemessen kommunizieren, so dass extreme Kursbewegungen an den Finanzmärkten möglichst vermieden werden. Dabei müssten auch Nebenwirkungen auf andere Länder bedacht werden.

Die G20-Länder kritisierten, dass die schon vor längerem vereinbarte IWF-Quoten- und Strukturreform immer noch nicht auf den Weg gebracht wurde. Die Reform soll den erstarkten Schwellenländern mehr Einfluss und Gewicht im IWF geben, dem weltweit wichtigsten Krisenhelfer. Bislang schaffte es die US-Regierung noch nicht, die notwendige Zustimmung des US-Kongresses zu den entsprechenden Beschlüssen zu erhalten. Damit fehlt die erforderliche Mehrheit im IWF für die Umsetzung der Reform.

Quelle: n-tv.de

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