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Lokführer warten auf Tarif-Angebot: GDL droht neue Streiks an

Bahnreisende müssen sich noch auf einiges gefasst machen. Die Gewerkschaft GDL will eine Urabstimmung für längere Streiks einleiten, wenn die Bahn kein besseres Tarifangebot vorlegt. Ein Warnstreik der Lokführer hatte den Zugverkehr am Morgen lahm gelegt.

Leere Gleise bei München.
Leere Gleise bei München.(Foto: dpa)

Ein Streik der Lokführer hat am Morgen den Zugverkehr in vielen Teilen Deutschlands zum Erliegen gebracht. Von dem dreistündigen Arbeitskampf, zu dem die Lokführergewerkschaft GDL aufgerufen hatte, waren der Nah- und Fernverkehr ebenso betroffen wie S-Bahnen und der Güterverkehr. Die Schwerpunkte lagen nach Angaben der Deutschen Bahn im Norden Deutschlands, in Berlin, in der Region Leipzig sowie punktuell in Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Einige Reisende mussten stundenlange Verspätungen in Kauf nehmen, mehrere Züge fielen komplett aus. Bei den Fernzügen würden die Auswirkungen noch den ganzen Tag zu spüren sein, sagte Bahn-Konzernsprecher Achim Stauß. Dies liege daran, dass abgestellte Züge erst wieder in den normalen Betriebsablauf integriert werden müssten. Die Auswirkungen der Streiks seien deutlich spürbar, sagte Stauß. Ein Chaos sei aber nicht entstanden, da kaum Berufspendler unterwegs seien.

Die Bahn versuchte eigenen Angaben zufolge mit Bus-Ersatzverkehren, die Auswirkungen für die Reisenden abzumildern. Das Servicepersonal sei verstärkt worden. Konnte die Reise nicht wie geplant angetreten werden, konnten Fahrgäste ihre Fahrkarten und Reservierungen kostenlos erstattet bekommen. Auch erlaubte die Bahn den Reisenden, ersatzweise teurere Zugverbindungen zu nutzen.

Wie im Berliner Hauptbahnhof bildeten sich Menschentrauben in den Bahnhofshallen und auf Bahnsteigen. Sämtliche Zugverbindungen auf der elektronischen Anzeigentafel waren in Berlin mit meist mehrstündiger Verspätung angezeigt. Betroffen waren beispielsweise Reisende, die um 6.46 Uhr einen Zug nach Budapest nehmen wollten, der jedoch erst drei Stunden später einfuhr. Der Zug war am Ende überfüllt, da er auch von weiteren Reisenden etwa in Richtung Dresden genutzt wurde.

Nach Angaben eines GDL-Sprechers waren von dem Streik 90 bis 95 Prozent aller Züge betroffen. Zur Arbeitsniederlegung waren Lok- und Rangierführer sowie Zugbegleiter aufgerufen. Auch Urlauber, die sich zum Ende der Schulferien in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland auf Rückreise befanden, mussten sich in Geduld üben.

Neue Eskalationsstufe angedroht

Die GDL fordert Lohnerhöhungen und Arbeitszeitverkürzungen nicht nur für die Lokführer, sondern auch für das Begleitpersonal. Sie drohte mit einer Verschärfung der Streiks, wenn die Bahn kein Entgegenkommen zeige. "Die nächste Eskalationsstufe wird dann sein, dass wir eine Urabstimmung machen und die Mitglieder dann entscheiden, ob wir in einen unbefristeten Streik treten oder nicht", sagte der Bezirksleiter der GDL Frankfurt, Karl de Andrade-Huber, der Nachrichtenagentur Reuters. Ähnlich äußerte sich der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky. "Wenn die Bahn nicht mit uns verhandelt, haben wir kein anderes Mittel", sagte er im WDR. Der Bahn warf er eine Blockadehaltung vor.

Die Bahn will jedoch keine neue Offerte unterbreiten. Es liege ein Angebot auf dem Tisch. Darüber müsse nun zunächst mal verhandelt werden, sagte Konzernsprecher Stauß.

Bei der Lufthansa lief der Flugbetrieb am Samstag nach dem Streik am Freitagabend wieder störungsfrei. Der Flugbetrieb sei reibungslos angelaufen, teilte die Fluggesellschaft mit. Beeinträchtigungen gebe es lediglich auf Strecken von und nach Italien wegen eines Streiks der dortigen Fluglotsen. Zwölf Hin- und Rückflüge müssten annulliert werden.

Quelle: n-tv.de

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