Wirtschaft

Streikende nur eine Pause?: GDL will weitermachen

Als "Versöhnungsgeste" beendet GDL-Chef Weselsky den Bahnstreik vorzeitig. Doch die Fahrgäste können nur kurz aufatmen: Denn seine Mitstreiter bei der GDL wollen erneut streiken, wenn sich die Deutsche Bahn nicht bewegt.

Die GDL präsentiert sich weiter kampfeslustig.
Die GDL präsentiert sich weiter kampfeslustig.(Foto: imago/IPON)

Kaum ist der Streik beendet, droht die Lokführer-Gewerkschaft GDL mit weiteren Ausständen. Der Bezirksvorsitzende der GDL Berlin-Sachsen-Brandenburg, Frank Nachtigall, sagte im rbb-Inforadio, bislang sei mit der Bahn "noch über nichts Inhaltliches geredet" worden. Die Bahn beharre immer noch auf der Position, dass die GDL nicht für alle Mitglieder Tarifabschlüsse aushandeln dürfe. Wenn die Bahn an der Stelle nicht einlenke "wird es tatsächlich wieder zu Ausständen kommen", sagte Nachtigall. GDL-Chef Claus Weselsky beschwichtigte dagegen: "Wir diskutieren jetzt erstmal nicht über Streiks. Wir warten auf Verhandlungen." Man erwarte eine Einladung durch die Bahn. Weselsky sagte, er sei bereit zu parallelen Verhandlungen der Bahn mit der GDL und der rivalisierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zur gleichen Zeit und am gleichen Ort.

Im Tarifstreit mit der Bahn hatten die GDL-Lokführer ihre Arbeit am Mittwoch im Güterverkehr niedergelegt und im Personenverkehr in der Nacht zu Donnerstag. Am Freitag gab die Gewerkschaft dann überraschend bekannt, dass sie ihren Streik schon am Samstag um 18.00 Uhr und nicht wie geplant am Montagmorgen um 04.00 Uhr beenden werde. Dies sei eine "Versöhnungsgeste", erklärte GDL-Chef Claus Weselsky. Zuvor war die Deutsche Bahn im zweiten und letzten Anlauf mit ihrem Versuch gescheitert, den Streik juristisch zu stoppen.

Bis aber alle Züge wieder normal fahren, wird es noch etwas dauern. Besonders im Fernverkehr müssen sich Fahrgäste auch am Sonntag noch auf Beeinträchtigungen einstellen. Die "komplexe Einsatzplanung" von Zügen und Personal werde einige Zeit in Anspruch nehmen und noch zu einem deutlich eingeschränkten Angebot führen, hieß es. Im Nahverkehr sollen dagegen im Laufe des Sonntags wieder deutlich mehr Züge fahren.

Streik kostet Millionen und Image

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Bahnchef Rüdiger Grube rechnet angesichts des Streiks der Lokführer mit einem Schaden in dreistelliger Millionenhöhe sowie einen Imageverlust für sein Unternehmen. "Der Schaden beträgt bislang mehr als 100 Millionen Euro und wird sich auch in dieser Größenordnung in unserer Jahresbilanz niederschlagen", sagte Grube der "Bild am Sonntag". "Vom Imageschaden und Vertrauensverlust der DB ganz zu schweigen."

Der Streik komme der Bahn teurer zu stehen als ihre Tarifforderung, hieß es dazu von der GDL. Hier wurden die Kosten der bisherigen Ausstände auf rund 200 Millionen Euro beziffert. Wie teuer ihre Tarifforderung ist, teilte die Gewerkschaft nicht mit. Der Verkehrsökonom Christian Böttger nannte "Focus Online" die Summe von 35 Millionen Euro pro Jahr, auch wenn der Knackpunkt der Tarifverhandlungen nicht die Frage ist, ob die Lokführer mehr Geld bekommen.

Politik gespalten

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel rief die Gewerkschaften zu einer Schlichtung auf. Das Streikrecht sei ein hohes Gut, mit dem die deutschen Gewerkschaften verantwortlich umgingen, sagte der SPD-Chef beim Landesparteitag der hessischen SPD in Hofheim am Taunus. Doch im aktuellen Konflikt gehe es nur am Rande um höhere Tariflöhne. Gestritten werde um den Einfluss der Gewerkschaften bei der Bahn, sagte er, ohne die Lokführergewerkschaft GDL und die Eisenbahnergewerkschaft EVG ausdrücklich zu nennen. Er erwarte aber, dass eine Gewerkschaft, die mit einem Streik auch volkswirtschaftlichen Schaden verursache, vorher einen Schlichtungsversuch unternehme.

Linke-Chef Bernd Riexinger sieht dagegen die Bahn in der Pflicht. Die Deutsche Bahn müsse ein "verhandlungsfähiges Angebot" vorlegen, sagte Riexinger. Es müsse dabei um bessere Löhne sowie bessere Arbeitsbedingungen der Lokführer gehen. Zudem müsse eine Regelung gefunden werden, die nicht eine Gewerkschaft zu einer "Kapitulation" dränge, sagte Riexinger.

GDL-Chef Claus Weselsky hatte der Bahn vorgeworfen, das Grundrecht auf Koalitionsfreiheit all ihrer Mitarbeiter infrage zu stellen. Der GDL solle ein "Verzicht auf das Streikrecht" diktiert werden, hatte Weselsky kritisiert.

Brandanschläge stören Zugverkehr

Neben dem Streik haben auch mehrere Brandanschläge am Samstag den Zugverkehr behindert. Unbekannte hatten in Bremen, Niedersachsen und Brandenburg Feuer in mehreren Kabelschächten gelegt. Die Bundespolizei schließt einen Zusammenhang zwischen den Taten nicht aus - zumal sie zur etwa gleichen Zeit verübt worden sind. Bei der Bahn fielen mehrere Stellwerke aus. Reisende müssen sich deshalb bis Sonntagabend auf Zugausfälle und Verspätungen in Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein einstellen.

"Die Auswirkungen sind erheblich", sagte eine Bahnsprecherin. Neben den defekten Stellwerken ist auch der Funkverkehr zu den Zügen ausgefallen. Die Lokführer müssen zum Teil auf Sicht fahren. Deshalb wird auch nach dem Ende des Streiks der Lokführergewerkschaft GDL am Samstagabend weiterhin der Ersatzfahrplan in Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein gelten.

Voraussichtlich erst ab Sonntagabend werden die Regional- und Fernzüge wieder normal rollen. Anschläge auf die Bahn gab es in der Vergangenheit immer wieder, zuletzt am 1. Mai auf der Strecke zwischen Berlin und Potsdam. Damals bekannten sich Linksextreme zu der Tat. Die Hintergründe der jüngsten Attacken auf die Bahn sind noch unklar. Die Bundespolizei in Hannover will einen Zusammenhang zwischen den Taten in Bremen und Niedersachsen zumindest nicht ausschließen. "Es wäre schon sehr merkwürdig, wenn die nicht zusammenhängen würden", sagte Sprecherin Sandra Perlebach.

Quelle: n-tv.de

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