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Auch der Chevrolet Impala ist von den Zündschloss-Problemen betroffen.
Auch der Chevrolet Impala ist von den Zündschloss-Problemen betroffen.(Foto: Reuters)

Weitere Informationen angekündigt: GM bezog marode Zündschlösser aus China

Mitte Juni ruft der US-Autobauer General Motors mehr als drei Millionen Pkw nach teils tödlichen Unfällen in die Werkstatt. Der Schaden geht in die Milliarden. Der Grund sitzt in Fernost. Mit den Opfern will der Konzern Gerichtsschlachten vermeiden.

Die defekten Zündschlösser, die zum jüngsten Rückruf von mehr als drei Millionen Fahrzeugen von General Motors (GM) geführt haben, stammen aus China. Die Opel-Mutter gab bekannt, dass die Zündschlösser von der Firma Dalian Alps Electronics hergestellt worden seien. In einer Mitteilung an die Verkehrsaufsicht erklärte GM, weitere Details dazu bis zum 3. Juli vorlegen zu wollen.

Der US-Autobauer hatte Mitte Juni 3,4 Millionen Pkw wegen der Probleme zurückgerufen. Betroffen waren unter anderem die Modelle Buick LaCrosse, Chevrolet Impala und Cadillac DeVille. Damit beorderte GM allein im ersten Halbjahr mit 20 Millionen Fahrzeugen mehr als doppelt so viele Wagen in die Werkstätten, wie der Konzern 2013 weltweit verkauft hat.

Umgerechnet zwei Jahresproduktionen zurückbeordert

Die jüngsten Probleme bei den Zündschlössern haben nach Konzernangaben mindestens zu acht Unfällen mit sechs Verletzten geführt. Ein ähnlicher Rückruf von 2,6 Millionen Autos Anfang des Jahres wird mit mindestens 13 Todesfällen in Verbindung gebracht. Verbraucherschützer sprechen von bis zu 300 Toten durch den Defekt, bei dem sich der Motor und elektrische Systeme wie Airbags auch bei hohem Tempo unvermittelt abschalten können.

Der Luxussportwagenbauer Aston Martin musste im Februar den Großteil seiner seit Ende 2007 gebauten Autos in die Werkstätten bestellen. Hintergrund war, dass ein chinesischer Zulieferer für ein Bauteil einen minderwertigen Kunststoff von seinem eigenen Lieferanten bekommen und dies statt des Originalmaterials verwendet haben soll.

Insolvenz schützt vor Haftungsansprüchen

Unterdessen strebt GM Unfallopfer, die es im Zusammenhang mit defekten Zündschlössern und in der Folge nicht auslösenden Airbags gegeben hat,  aus einem speziell eingerichteten Fonds außergerichtlich entschädigt. Verwalter des Fonds soll von Kenneth Feinberg sein, der bereits die Abfindungen der Opfer des Terroranschlags vom 11. September 2001 geregelt hat. Er soll frühstens in der kommenden Woche die Details des Fonds erklären. Wie viel Geld er insgesamt über den Fonds auszahlen könnte, steht laut GM noch nicht fest.

Wegen der Pannenserie können auf das Unternehmen Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe zukommen. Diesen Forderungen will GM nun offenbar teilweise aus dem Weg gehen. Denn die Familien der Geschädigten, die eine Zahlung aus dem Fonds annehmen, würden gleichzeitig auf ihr Klagerecht gegen den Autobauer verzichten. Die anderen müssten versuchen, sich ihren Schadensersatz vor Gericht zu erstreiten.

General Motors hat dabei jedoch einen Vorteil: Der Konzern ist für Ansprüche aus Unfällen, Verletzungen oder Todesfällen, die vor dem 1. Juni 2009 passiert sind, geschützt. Denn als GM 2009 während der Finanzkrise in Schieflage geriet, sprang die Regierung ein. Diese staatlich-finanzierte Insolvenz sichert den Konzern nun vor Produkthaftungsklagen ab.

Zuletzt hatte sich deshalb sogar GM-Chefin Mary Barra vor einem Untersuchungsausschuss des US-Kongresses für das Missmanagement beim Rückruf älterer Fahrzeugmodelle verantworten müssen.

Quelle: n-tv.de

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