Wirtschaft
Wegen der Zündschloss-Affäre hat GM-Chefin Mary Barra nun auch noch eine Mega-Sammelklage am Hals.
Wegen der Zündschloss-Affäre hat GM-Chefin Mary Barra nun auch noch eine Mega-Sammelklage am Hals.(Foto: picture alliance / dpa)

Skandal um defekte Zündschlösser: GM soll zehn Milliarden Dollar zahlen

Schon die Entschädigungen wegen der Zündschloss-Defekte dürften für General Motors teuer werden. Nun hat der Autobauer auch noch eine Mega-Sammelklage am Hals. Womöglich ist noch ein anderer Autobauer von den gleichen Mängeln betroffen.

General Motors ist in den USA auf Zahlung von zehn Milliarden Dollar Schadenersatz verklagt worden, weil wegen der vielen Rückrufe der Wiederverkaufswert von GM-Gebrauchtwagen gesunken sein soll. GM habe Defekte verschleiert und Kosteneinsparungen seien dem Konzern wichtiger als die Sicherheit der Fahrzeuge gewesen, erklärte die Kanzlei Hagens Berman Sobol Shapiro, die die Klage vor einem kalifornischen Gericht eingereicht hat.

GM hat allein in diesem Jahr rund 20 Millionen Autos im Rahmen von mehr als 40 Rückrufen in die Werkstätten gerufen. Das habe zu einem Wertverfall der Marke GM geführt, argumentieren die Kläger. Besitzer der Autos müssten daher beim Verkauf ihrer Fahrzeuge je nach Typ und Baujahr Preisabschläge zwischen 500 und 2600 Dollar hinnehmen. Das treffe Millionen Autobesitzer und die müsse GM entschädigen.

Die Rückrufe erfolgten vor allem wegen defekter Zündschlösser, durch die sich Motor und elektrische Systeme wie Airbags auch bei hohem Tempo plötzlich abschalten können. Mindestens 13 Menschen sind deshalb ums Leben gekommen. Verbraucherschützer gehen von einer viel höheren Zahl von Toten aus. Skandalös ist die Affäre, weil die Probleme im Unternehmen seit mehr als zehn Jahren bekannt waren, GM aber erst im Februar 2014 mit dem Rückruf begann. Dies hat diverse Untersuchungen von den Behörden ausgelöst.

Der Klage können sich alle Autobesitzer anschließen, die zwischen Mitte 2009 und Anfang 2014 ein Auto von GM gekauft oder geleast haben oder ihr Auto bereits mit Abschlägen verkauft haben. GM wollte sich nicht zu der Klage äußern. Ein Sprecher sagte aber, Analysten und Verbraucher würden der Marke weiter vertrauen und das habe zu steigenden Verkaufszahlen geführt. Tatsächlich hat GM im Mai so viele Autos auf seinem Heimatmarkt verkauft wie seit Mitte 2008 nicht mehr.

Kongress geißelt GM-Chefin

Schon ohne die Sammelklage könnte die Affäre um defekte Zündschlösser für den US-Autobauer äußerst teuer werden. So will GM ab dem 1. August mit der Bearbeitung von eingegangenen Entschädigungsanträgen beginnen. GM-Chefin Mary Barra erklärte bei einem erneuten Auftritt vor einem Untersuchungsausschuss des US-Kongresses, dass das Unternehmen Fortschritte bei der Einrichtung eines Entschädigungsfonds mache. Der von GM beauftragte Staranwalt Kenneth Feinberg soll den Angaben zufolge Ende des Monats die Kriterien für Entschädigungsansprüche vorlegen.

Barra bekräftigte, ihr Unternehmen nehme alle Sicherheitsbedenken sehr ernst und Fehler der Vergangenheit würden sich nicht wiederholen. Trotzdem gingen die Abgeordneten hart mit GM ins Gericht. Der Republikaner Tim Murphy kritisierte den internen Umgang mit Fehlern scharf. "Wenn Angestellte nicht die Charakterstärke haben, das Richtige zu tun, und nicht das Bewusstsein haben, Fehler zu erkennen, dann muss die Antwort sein, entweder die Leute auszutauschen oder die Firmenkultur zu ändern", sagte er. Die Demokratin Diana DeGette nannte es "verstörend", dass der Konzern "unsichere Fahrzeuge" länger als ein Jahrzehnt auf den Straßen gelassen habe.

Ähnliche Probleme bei Chrysler?

Womöglich ist GM nicht der einzige Autobauer, der von dem Problem betroffen ist. Die US-Behörden ermitteln wegen möglicher Zündschloss-Probleme nun auch wieder bei Chrysler. Insgesamt gehe es um 1,25 Millionen Fahrzeuge, bei denen der Zündschlüssel unvermittelt aus der Fahrt-Position springen und so etwa den Airbag deaktivieren könne, erklärte die Verkehrsaufsicht NHTSA. Es gebe Beschwerden von Autofahrern, denen man jetzt nachgehe. Die Fiat-Tochter hatte im Frühjahr 2011 schon einmal 700.000 Fahrzeuge wegen eines ähnlichen Problems zurückgerufen. Die Behörden untersuchen derzeit, ob der Defekt bei den damaligen Reparaturen möglicherweise nicht behoben wurde.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen