Wirtschaft

Geringerer Verlust als erwartetGM überrascht positiv

16.11.2009, 15:55 Uhr

General Motors legt erstmals seit seiner Wiederauferstehung als "New GM" Zahlen vor - und bleibt tief im roten Bereich: Über die vergangenen drei Monaten häuft der Konzern einen Verlust von knapp 1,2 Mrd. Dollar auf. Viele Experten hatten allerdings mit einem dickeren Minus gerechnet.

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Im kommenden Jahr soll die Rückkehr an die Börse erfolgen. (Foto: REUTERS)

Der Opel-Mutterkonzern General Motors sieht nach seinem Neustart wieder Licht am Ende des Tunnels. Der größte US-Autobauer verringerte nach seinem Insolvenzverfahren die Milliardenverluste und startet viel schneller als erwartet den Schuldenabbau. Für die Opel-Sanierung will GM-Chef Fritz Henderson weiterhin Staatshilfen haben.

GM schrieb im dritten Quartal zwar noch immer ein Minus von 1,2 Mrd. Dollar (802 Mio. Euro). Der Verlust war aber kleiner als von vielen Experten geschätzt. Ein Jahr zuvor sei das Minus mehr als doppelt so hoch gewesen.

Der Umsatz lag im dritten Quartal bei 28 Mrd. Dollar. Das waren fünf Mrd. Dollar mehr als im zweiten Quartal. Die ersten Zahlen nach dem im Juli beendeten Insolvenzverfahren sind nur schwer mit früheren Ergebnissen vergleichbar und basieren nicht komplett auf gängigen Bilanzregeln. Der von GM genannte "betriebswirtschaftliche" Verlust könnte zudem noch bestimmte Sondereffekte ausklammern.

Rückzahlung der Schulden in Raten

"Wir haben noch viel mehr Arbeit vor uns", räumte GM-Chef Fritz Henderson am Konzernsitz in Detroit (Michigan) ein. "Aber die Ergebnisse beweisen das solide Fundament, das wir für den neuen GM-Konzern legen." Trotz gerade überstandener Insolvenz will der Autokonzern laut Henderson zurück an die Börse. Dies solle im zweiten Halbjahr 2010 geschehen. Allerdings wackelt Hendersons Stuhl laut Experten wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Verwaltungsrat.

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Hat Fritz Henderson eine Chance auf eine längere Amtsperiode als GM-Chef? (Foto: REUTERS)

Noch zum Jahresende will GM eine erste Rate von 1,2 Mrd. Dollar Schulden an die USA und Kanada zurückzahlen und die Hilfen dann jeweils quartalsweise abstottern. Eigentlich hatte GM bis 2015 Zeit. Allerdings nutzt GM andere Darlehen zum Abbau dieser Schulden.

GM wiederholte die Ankündigung, den Opel-Überbrückungskredit von Bund und Ländern bis Ende November zurückzuzahlen. Offen sind noch rund 400 Mio. von 900 Mio. Euro. Für die Sanierung will Henderson aber neues Geld. GM sei zwar grundsätzlich in der Lage, das Europa-Geschäft allein zu finanzieren. "Wir würden aber bevorzugen, um Unterstützung für das Europa-Geschäft zu bitten", sagte Henderson.

Rote Zahlen in den USA

Seit Anfang 2005 hatte GM konzernweit Verluste von mindestens rund 90 Mrd. Dollar angehäuft. Der Konzern war mit Staatshilfen von mehr als 50 Mrd. Dollar vor dem Untergang gerettet worden.

Allerdings werden davon nur 6,7 Mrd. Dollar als direkter Kredit geführt. Für den Großteil der Hilfen bekam die US-Regierung den Mehrheitsanteil von 60 Prozent an GM. Sie will die Beteiligung schrittweise nach einem erneuten Börsengang abstoßen.

Das Geschäft außerhalb Nordamerikas schrieb im dritten Quartal vor Zinslasten, Steuern und Sonderfaktoren schwarze Zahlen - auf dem Heimatmarkt war GM erneut rot. Anders als früher weist der der Konzern sein Europageschäft nicht mehr gesondert aus.

Zehntausende Stellen abgebaut

Dem Autobauer gelang es, im operativen Geschäft seine Kassen wieder um mehr als drei Mrd. Dollar aufzufüllen. Allerdings befürchtet GM, im vierten Quartal erneut Bargeld zu "verbrennen". Zuletzt hatte GM 42,6 Mrd. Dollar in der Kasse.

Der globale Marktanteil des einst weltgrößten Autobauers stieg seit Jahresmitte leicht auf 11,9 Prozent. Dazu habe unter anderem der Astra von Opel beigetragen. Weltweit setzte GM im dritten Quartal 1,97 Mio. Autos ab nach mehr als 2,11 ein Jahr zuvor. Opel und die britische Schwester Vauxhall verkauften 306.000 Wagen - das waren rund zehn Prozent weniger.

Für seine Sanierung baute GM weltweit bereits Zehntausende Jobs ab. Zum 30. September beschäftigte der Konzern noch 209.000 Mitarbeiter im Vergleich zu 243.000 zum Jahresende 2008.

Quelle: wne/dpa/AFP