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Schwächerer Außenhandel: Gabriel sorgt sich um den Wohlstand

Deutschlands Wirtschaft wird immer stärker von den Verbrauchern getragen. Dazu trägt vor allem ein weiter vor Kraft strotzender Arbeitsmarkt bei. Langfristige Chancen sieht das Ministerium in der Zuwanderung. Doch in einem Punkt ist dringend Änderung geraten.

Deutschland muss sich nach Ansicht von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel dringend reformieren. Andernfalls ist der aktuelle Wohlstand in Gefahr. Die wirtschaftliche Stärke Deutschlands sei "kein Garant für künftigen Wohlstand", warnte Gabriel in Berlin. "Wir müssen jetzt die Weichen für die Zukunft stellen, damit Deutschland auch in zehn Jahren ein leistungsfähiger, global führender Wirtschafts- und Industriestandort ist." Dazu müsse die Wirtschaft modernisiert "und auf einen höheren Pfad von privaten und öffentlichen Investitionen" gebracht werden.

Für das laufende Jahre reduziert die Bundesregierung ihre Wachstumserwartung leicht auf 1,7 Prozent. Damit ist sie auf Linie mit dem Internationalen Währungfsonds. Deutschland befindet sich weiter "auf einem soliden Wachstumskurs". Mit Blick auf den Arbeitsmarkt heißt es, dass der anhaltende Flüchtlingszuzug zunächst zu keinen Belastungen führen werde. "Die hohe Zuwanderung ... dürfte sich in den ersten Monaten des Jahres nur wenig auf den Arbeitsmarkt auswirken", geht aus dem am Jahreswirtschaftsbericht hervor. Eine verstärkte Zuwanderung von Fachkräften und die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen können die Folgen des demografischen Wandels sogar abmildern - aber nicht umkehren. Allerdings sei die Integration eine gewaltige Aufgabe. Trotz der Kosten zur Unterbringung und Integration der Flüchtlinge kann der Bund seine Schuldenquote unter die Marke von 70 Prozent der Wirtschaftsleistung drücken.

Auf dem Arbeitsmarkt ist im vergangenen Jahr mit rund 43 Millionen Erwerbstätigen zum neunten Mal in Folge ein Beschäftigungsrekord erreicht worden. Für das laufende Jahr rechnet die Bundesregierung mit einem weiteren Anstieg um 0,9 Prozent - das wäre sogar nach etwas mehr als 2015. Die Arbeitslosenquote stagniere bei 6,4 Prozent. Etwas schwächer wird nach Auffassung der Bundesregierung indes der Anstieg der Bruttolöhne und -gehälter ausfallen. Hier rechnet Gabriel nach einem Plus um 2,9 Prozent im vergangenen Jahr mit einer Zunahme um 2,6 Prozent.

Die weiter erfreuliche Entwicklung rund um den Arbeitsmarkt bleibt einer der Treiber des Wachstums. Weitere Impulse erwarten die Experten von privaten Wohnungsbauinvestitionen. Während in Summe die Inlandsnachfrage um 2,3 Prozent steigen werde, kommen vom Außenhandel weniger Impulse.

Allerdings wollen sich nicht alle Experten dem Optimismus der Bundesregierung anschließen: So erwartet etwa die Commerzbank nur 1,3 Prozent Wachstum in diesem Jahr - ebenso wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag. Dessen Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben äußerte sich skeptisch: "Die Zuversicht der Bundesregierung in Ehren - doch für ein Wachstum von 1,7 Prozent müsste 2016 schon einiges glatt laufen." Aber leider blieben die geopolitischen Krisenherde heiß, und selbst innerhalb Europas werde inzwischen wieder über Grenzkontrollen diskutiert. "Auf sinkende Ölpreise als Konjunkturstütze zu setzen, ist auf Dauer zu wenig."

Quelle: n-tv.de

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