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Ist das letzte Wort wirklich gesprochen? Die Erdgasbranche will das Fracking-Verbot so nicht stehen lassen.
Ist das letzte Wort wirklich gesprochen? Die Erdgasbranche will das Fracking-Verbot so nicht stehen lassen.(Foto: picture alliance / dpa)
Sonntag, 16. Juli 2017

Streit um Schiefergas-Förderung: Gasbranche rüttelt am Fracking-Verbot

Deutschland hätte genug Gas, um sich 30 Jahre lang selbst zu versorgen. Aber der größte Teil des Rohstoffs liegt dort, wo die Industrie das Gas nur mit der umstrittenen Fracking-Methode fördern könnte. Die Branche appelliert an die Politik.

Es ist verhext: Menschen heizen mit Gas, Volkswagen setzt auf Erdgas als alternativen Kraftstoff, Gaskraftwerke sollen bei der Energiewende helfen, um Schwankungen der erneuerbaren Energie aus Wind oder Sonne auszugleichen. Aber Erdgas im eigenen Land fördern? Da kommen Ängste ins Spiel.

Rund 95 Prozent der deutschen Erdgasvorkommen befinden sich in Niedersachsen. Berichte über Gift im Trinkwasser und über Krebserkrankungen in der Nähe von Förderstätten haben nicht nur die Menschen im niedersächsischen Landkreis Rotenburg skeptisch werden lassen. Vor allem der Streit über die sogenannte Fracking-Methode  - bei der mit Quarzsand und Chemikalien vermischtes Wasser unter hohem Druck ins Gestein gepresst wird – sorgt für Widerstand. Geht Deutschland deshalb nun das Erdgas aus, trotz großer Reserven?

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Tatsächlich sinkt die Förderung seit Jahren: 2006 holten die Förderer noch 20 Milliarden Kubikmeter aus dem Boden. 2015 waren es 8,6 Milliarden Kubikmeter, im vorigen Jahr dann nur noch 7,9 Milliarden Kubikmeter. Der Anteil des deutschen Erdgases liege nur noch bei acht Prozent - vor zehn Jahren seien es noch 20 Prozent gewesen, sagt Miriam Ahrens, Sprecherin des Bundesverbands Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG).

Auf dem Weg in die Abhängigkeit

Bleibt es beim Fracking-Verbot, ist der Weg in die vollständige Abhängigkeit von Importen innerhalb weniger Jahre vorgezeichnet. Dabei würden Deutschlands Reserven theoretisch für 30 Jahre Vollversorgung reichen, betont Ritva Westendorf-Lahouse, Sprecherin von ExxonMobil - ein Unternehmen, das allein für etwa drei Viertel der deutschen Erdgasförderung verantwortlich ist. Es gehe nicht ohne Fracking-Schiefergas in sogenannten unkonventionellen Lagerstätten, erklärt sie. Auch wenn die konventionelle Förderung noch "etwas Potenzial in Deutschland" habe.

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Auf Fracking in Schiefergestein setzen vor allem die USA - auch, um von Erdöl- und Erdgaslieferungen aus dem Ausland unabhängiger zu werden. Gegner befürchten allerdings eine Vergiftung des Grundwassers und andere Umweltgefahren wie Erdbeben. In Deutschland ist die kommerzielle Förderung von Schiefergas mit der umstrittenen Fracking-Methode deshalb tabu.

"Wir haben vernünftige gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen", meint Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies. Zu wissenschaftlichen Zwecken darf es danach zwar Probebohrungen geben, um die Folgen für die Natur zu erkunden - aber nur, wenn die betroffenen Bundesländer zustimmen. Darin sehen Kritiker eine Hintertür, um dieses bei Umweltschützern besonders gefürchtete Verfahren doch noch zuzulassen. Der SPD-Politiker sieht diese Gefahr nicht: "Fracking in unkonventionellen Lagerstätten schließen wir aus."

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Die Industrie jedoch macht Druck: Eine Investitionsentscheidung sei noch nicht gefallen, aber "wir werden weiter dafür werben, dass Deutschland die eigenen Chancen nutzt. Wir wollen die Tür nicht zuschlagen", sagt ExxonMobil-Sprecherin Westendorf-Lahouse. Hier steckt Konfliktpotenzial: "Uns ist völlig klar, dass wir das nur gemeinsam mit der Politik und den Menschen vor Ort auf die Beine stellen können. Und da müssen wir noch Überzeugungsarbeit leisten", sagt die Sprecherin.

Konventionelles Gas - ein Auslaufmodell

Das Land setze sich für die Förderung - in konventionellen Lagerstätten - ein, erwarte auch eine Reihe von Anträgen, erklärt der niedersächsische Wirtschaftsminister. Er kritisiert jedoch, in der Vergangenheit habe es zu wenig Transparenz in der Industrie gegeben - was Vertrauen gekostet habe.

ExxonMobil erwartet indes keine großen neuen Funde in konventionellen Schichten. Anders als im Schiefergestein - dennoch bleibe der Markt interessant: "Wir setzen alles daran, neue Projekte konventionell voranzubringen", sagt Sprecher Klaus Torp. Denn: Auch mit konventioneller Förderung sei es möglich, langfristig 10 bis 20 Prozent des Erdgasbedarfs in Deutschland zu decken, meinte BVEG-Vorstandschef Martin Bachmann erst unlängst.

Nach mehrjähriger Anlaufzeit seien drei bis vier neue Förderprojekte pro Jahr denkbar. Das hat Auswirkungen auf die Arbeitsplätze: Insgesamt beschäftigten die BVEG-Mitgliedunternehmen 2016 knapp 8700 Menschen - nach rund 9800 ein Jahr zuvor. Und aus einem weiteren Grund sei die heimische Förderung so wichtig, erklärt Wintershall-Sprecher Mark Krümpel - nur mit dem entsprechenden Wissen erhielten die Unternehmen Zugang zu internationalen Energiequellen.

Quelle: n-tv.de

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