Wirtschaft
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Anleger greifen bei Auktionen beherzt zu: Geldsegen für Spanien und Italien

Mit Bravour überstehen Spanien und Italien ihre ersten Anleihe-Emissionen des Jahres. Die Auktionen bringen mehr Geld als geplant. Italien muss für neue Schulden so wenig bezahlen wie seit drei Jahren nicht mehr. Die EZB habe ganze Arbeit geleistet, loben Händler. Das Vertrauen der Anleger in die Peripherie sei zurück.

Spanien hat seine erste Auktion 2013 problemlos über die Bühne gebracht. Alle Indikatoren - Rendite, Nachfrage, Volumen - zeigen, dass das Land aktuell zumindest viel Anlegervertrauen genießt. Auch Italien genießt wieder größeres Vertrauen bei den Investoren.

Seitdem die EZB im September den Kauf von Titeln dieser Länder mit den Laufzeiten zwischen einem und zwei Jahren mitgeteilt hat, würden Privatanleger wieder in die Papiere der Wackelkandidaten der Eurozone investieren. Mit der vorübergehenden Lösung des Haushaltsttreits in den USA habe sich die Stimmung weiter verbesserte.

Härtere Umschuldungsklauseln

Die Auktionen waren von erheblicher Brisanz und wurden mit Spannung verfolgt. Seit Jahresbeginn gelten für frisch begebene Anleihen der Eurozone neue Regeln, die "CACs" (Collective Auction Clauses). Sie machen möglich, dass eine Mehrheit der Gläubiger der Minderheit Restrukturierung der Schulden aufzwingen kann.

In Spanien betraf das die Titel mit einer Laufzeit von zwei Jahren. Die anderen beiden Emissionen waren dagegen Aufstockungen, für die die CACs noch keine Gültigkeit haben.

Zwar haben in diesem Jahr bereits die Niederlande und Deutschland neue Titel mit den CAC-Auflagen emittiert. Doch für die Länder der Kernzone sind diese Regeln nicht besonders aufregend, da hier eine Umschuldung kaum infrage steht.

Anleger lassen sich nicht schrecken

Anders im Fall Spanien. Hier wurde befürchtet, dass die die CACs manchen Investor abschrecken könnten, denn bei einem Schuldenschnitt könnte er von der Mehrheit überstimmt werden.  Mit dem guten Ergebnis ist diese Sorge offenbar erst einmal in den Hintergrund getreten. Das Gesamtvolumen lag um rund 800  Mio. Euro über dem oberen Rand des Geplanten, 5,8 Mrd. Euro.

Zwar lässt sich die Auktion der zweijährigen Papiere nicht unmittelbar vergleichen, da es sich um eine neue Serie handelt. Doch bei der letzten Emission solcher Papiere am 4. Oktober wurde eine Höchstrendite von 3,39 Prozent verzeichnet, deutlich mehr als die heutigen 2,59 Prozent. Die Höchstrendite bei den Titeln mit einer Laufzeit bis 2026 fiel auf 5,57 Prozent von 6,22 Prozent. Auch die Nachfrage übertraf die der vorherigen Auktionen.

Am Sekundärmarkt wurde die Auktion positiv aufgenommen, die Renditen der spanischen zehnjährigen Titel fielen um 11 Punkte auf 4,99 Prozent. Das gute Ergebnis schlug auch an den anderen Märkten ein. Der Euro kletterte in einer blitzartigen Bewegung auf rund 1,3100 Dollar von 1,3060. Die Aktienmärkte reagierten ebenfalls positiv.

Konsequenz: kürzere Laufzeiten

Im Vorfeld war Spanien der Herausforderung durch die CACs bereits auf eigene Weise begegnet: das Land wird künftig keine Schatzwechsel mit der Laufzeit 18 Monaten begeben, stattdessen werden neunmonatige Papiere versteigert.

Dahinter steckt offenbar das Kalkül, den CACs ausweichen zu wollen, gelten diese doch nur für Titel mit einer Laufzeit von länger als zwölf Monaten. Zwar begründet Spanien den Schwenk von 18 auf neun Monate mit einer angeblich höheren Nachfrage. Doch am Markt wird das anders gesehen. Die HSBC etwa sieht klar die CACs als Grund für das Ausweichen auf die kürzere Laufzeit.

Die CACs waren von den Staaten der Eurozone im Februar 2012 für das Folgejahr beschlossen worden. Bei der griechischen Umschuldung im Frühjahr waren für die Anleihen des Landes nachträglich CACs eingeführt worden. Ein solches Vorgehen wollte die Politik künftig vermeiden, nun gelten  von Beginn an die CACs, der Investor weiß Bescheid.

Die Nationalbank sieht am Markt Zweifel, ob Spanien seinen Finanzbedarf wird decken können. Die Bank erinnert daran, dass die spanische Regierung das Haushaltsdefizit 2012 mehrfach nach oben korrigieren musste, Stück um Stück sei der Finanzbedarf angeschwollen. Ähnliche Befürchtungen gebe es für dieses Jahr. Allein solche Ängste können für Zurückhaltung bei Emissionen sorgen.

Auch Italien zahlt weniger für Schulden

Italien profitierte ebenfalls von der wieder besseren Stimmung gegenüber den schwächeren Ländern der Eurozone. Das Land musste für neue Schulden so wenig bezahlen wie seit drei Jahren nicht mehr. Die politischen Sorgen wegen der Wahlen im Februar traten in den Hintergrund. Das italienische Schatzamt hat wie geplant 12-monatige Schatzwechsel im Volumen von 8,5 Mrd. Euro versteigert. Begünstigt wurde die Auktion durch die Tilgung von Schatzwechseln im Volumen von 11,5 Mrd. Euro am 14. Januar.

"Der italienische Anleihenmarkt wird trotz der politischen Risiken von der EZB getrieben", sagt Nicholas Spiro von Spiro Sovereign Strategy. Giuseppe Maraffino von Barclays rechnet mit einer weiter positiven Entwicklung und der Jagd nach Rendite, die die Anleihen stützen dürfte.

Die fallenden Renditen kommen zur rechten Zeit, da Italien am Freitag dreijährige Papiere im Volumen zwischen 2,75 und 3,5 Mrd. Euro sowie zinsvariable Anleihen um Umfang zwischen 1 und 1,5 Mrd. Euro begeben wird.

Quelle: n-tv.de

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