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Die Rückholaktion ist im Interesse aller Steuerzahler, nicht nur der griechischen.
Die Rückholaktion ist im Interesse aller Steuerzahler, nicht nur der griechischen.(Foto: picture alliance / dpa)

Illegale Kapitalströme: Griechenland zieht Milliarden an

Die Schuldenkrise im Süden Europas birgt bislang kaum beachtete Risiken und Nebenwirkungen: Unabhängigen Experten zufolge versickern in Griechenland seit Jahren riesige Beträge in dunklen Kanälen. Gleichzeitig zieht das Land großen Mengen an illegalem Kapital an. Jetzt will Athen griechische Privatvermögen in der Schweiz anzapfen.

Mehr Steuerehrlichkeit heißt mehr Steuergerechtigkeit - und stärkt die Einnahmenseite des Staates, weiß Athens Finanzminister Jannis Stournaras.
Mehr Steuerehrlichkeit heißt mehr Steuergerechtigkeit - und stärkt die Einnahmenseite des Staates, weiß Athens Finanzminister Jannis Stournaras.(Foto: REUTERS)

Das Sorgenkind der Eurozone ist Ausgangsort und Zielpunkt gewaltiger Mengen an Schwarzgeld: Aus Griechenland sind nach Berechnungen einer US-Nichtregierungsorganisation seit dem Jahr 2003 etwa 261 Mrd. Dollar (knapp 207 Mrd. Euro) an Schwarzgeld ins Ausland transferiert worden.

Es handle sich dabei um Gelder aus kriminellen Handlungen, Korruption und Steuerhinterziehung, sagte Raymond Baker, Chef der Organisation Global Financial Integrity (GFI) dem Magazin "Spiegel". Die Organisation untersucht internationale Schwarzgeldströme.

In Griechenland bleibt es allerdings nicht bei einer Kapitalflucht. Das Land zieht den GFI-Berechnungen zufolge auch riesige Summen aus dunklen Kanälen an: Nach Bakers Angaben flossen in den Jahren 2010 und 2011 illegale Gelder in Höhe von fast 200 Mrd. Euro nach Griechenland. Dabei soll es sich um Ersatz für Kredite handeln, die von dortigen Banken nicht mehr vergeben würden. "In einer Rezession wird es für Privatleute und Unternehmen schwieriger, an Kredite zu kommen, das zieht illegale Gelder an, mit denen diese Lücke geschlossen wird", führte er aus.

Zudem sei eine Finanzkrise wie die in Griechenland wie geschaffen, um Geld zu waschen, sagte Baker. Kriminelle Anleger kauften günstig Immobilien und hofften darauf, "dass die in zehn oder 15 Jahren mehr wert sind". Dabei hätten sie eine längere Perspektive als traditionelle Investoren.

Schwarzgeld in der Schweiz

Die neuen Zahlen zu Schwarzgeldtransfers von und nach Griechenland dürfte die Debatte um verschärfte Kapitalkontrollen neu anheizen. Unter Hochdruck arbeiten die Behörden verschiedener Länder derzeit daran, illegal im Ausland deponierte Vermögen sicherzustellen. Insbesondere Griechen, die ihr Geld in der Schweiz angelegt haben, könnten womöglich schon bald zur Kasse gebeten werden.

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Entsprechende Verhandlungen zwischen Athen und Bern stehen laut Informationen aus Kreisen des griechischen Finanzministeriums kurz vor dem Abschluss. Der griechische Vizeminister für Finanzen, Giorgos Mavraganis, habe bereits am Wochenende die letzten Verhandlungen in Bern aufgenommen, hieß es aus Athen. Mit der Unterzeichnung eines Abkommens werde bis Ende September gerechnet, hieß es.

Nach dem Muster von Abkommen mit anderen Staaten sollen den Inhabern der Geldeinlagen zwei Möglichkeiten gegeben werden. Sie können ihr Geld unter Beibehaltung der Anonymität mit bis zu 30 Prozent besteuern lassen oder sie melden es an und regeln die Steuern direkt mit den griechischen Behörden.

Die beiden Seiten hatten bereits 2011 entsprechende Gespräche geführt. Konkret war bislang jedoch nichts geschehen. Die Höhe der vermuteten Geldeinlagen von Griechen in der Schweiz ist den inoffiziellen Angaben aus Athener Regierungskreisen zufolge noch unklar. In der griechischen Presse gab es weit auseinandergehende Schätzungen, die von 2 bis zu 200 Mrd. Euro reichen. Den oben erwähnten GFI-Berechnungen zufolge könnte ein Teil des Geldes bereits wieder abseits der behördlich bekannten Zahlungswege wieder ins Land zurückgeflossen sein.   

Griechenland wird derzeit mit Milliardenhilfen unterstützt. Das seit März laufende zweite Hilfsprogramm hat ein Volumen von 130 Mrd. Euro. Eine neue Tranche von knapp 31,5 Mrd. Euro - ohne die Griechenland die Staatspleite droht - soll nach einer neuen Prüfung seiner Sparbemühungen ausgezahlt werden. In den Unzulänglichkeiten des griechischen Steuersystems und der zum Teil sehr schwach ausgeprägten Zahlungsmoral der Steuerzahler sehen Experten einen wichtigen Grund für die finanzielle Misere des Staatshaushalts. Der hoch verschuldete Staat lässt sich seit Jahren große Mengen an Einnahmen entgehen.

Osteuropäer zahlen pünktlicher

Im europäischen Vergleich kommt Griechenland bei der Zahlungsmoral seiner Bürger sehr schlecht weg: Die Verbraucher des Euro-Staates zahlen Marktforschern zufolge ihre Rechnungen oft nicht pünktlich. Im direkten Ländervergleich seien die Griechen die unzuverlässigsten Zahler, heißt es in der Studie "Europäische Zahlungsgewohnheiten" des Marktforschungsinstituts Ipsos im Auftrag des internationalen Finanzdienstleisters Eos.

Griechische Konsumenten bezahlen demnach nur 69,5 Prozent ihrer Rechnungen innerhalb der vereinbarten Zahlungsfrist. Bei den griechischen Unternehmen sieht es nicht besser aus. Mit 64,8 Prozent pünktlichen Zahlungen liegen sie ebenfalls auf dem letzten Platz unter zehn untersuchten europäischen Ländern.

Pünktliche Zahler seien vor allem die rumänischen Verbraucher, die 92,2 Prozent aller Forderungen fristgerecht begleichen. Damit liegen sie auf Platz eins vor den russischen (90,0 Prozent) und den deutschen (82,4 Prozent) Konsumenten. Generell sei die Zahlungsmoral in Osteuropa etwas besser als in Westeuropa.

Private Verbraucher zahlen diesen Angaben zufolge schneller als Unternehmen, sowohl im Osten wie auch im Westen. Einen wesentlichen Einfluss auf die Zahlungsmoral habe die allgemeine Wirtschaftslage, heißt es. Gründe für ausbleibende Zahlungen seien oft Überschuldung und fehlende Liquidität.

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Quelle: n-tv.de

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