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Mittwoch, 10. August 2016

Die ersten privaten Sparer sind dran : Genossenschaftsbank verlangt Strafzins

Strafzinsen sind nicht mehr ausschließlich ein Thema für Banken und Geschäftsleute. In Bayern bittet eine kleine Raiffeisenbank nun auch Privatkunden für ihr Gesparte zur Kasse. Wird das Schule machen?

"Sparer müssen keine Negativzinsen fürchten", hatte der Bundesverband deutscher Banken (BdB) private Sparer erst kürzlich beschwichtigt. Der Wettbewerb der Institute sei dafür zu hart, hieß es zur Begründung. Offenbar kommt es jetzt doch anders. Denn erstmals werden Befürchtungen, dass Banken ihre Strafzinsen für das Geld, das sie bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken, auf ihre Privatkunden abwälzen könnten, Realität.

Von September an verlangt eine kleine bayerische Genossenschaftsbank von ihren Privatkunden mit großen Geldsummen auf dem Konto einen Strafzins. Josef Paul, Vorstandsmitglied der Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee, bestätigte, dass das Institut für Einlagen von mehr als 100.000 Euro auf Giro- oder Tagesgeld-Konten ein "Verwahr-Entgelt" von 0,4 Prozent erheben werde. "Wir haben alle Großanleger gezielt angeschrieben und ihnen empfohlen, sich Gedanken zu machen", sagte Paul. "Wenn man keine Anreize schafft, etwas zu verändern, verändert sich auch nichts", begründete er den Schritt.

Viele Banken suchen nach Wegen, mit den niedrigen Zinsen fertig zu werden. Sie schaffen kostenlose Girokonten ab oder erhöhen die Gebühren für Kontoführung und Kreditkarten. Strafzinsen, wie es sie für Firmenkunden und institutionelle Anleger seit fast zwei Jahren gibt, galten bei Privatkunden aber bisher als Tabu.

Die Banken zahlen selbst 0,4 Prozent, wenn sie überschüssige Einlagen über Nacht bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Auch die DZ Bank, das Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken, verlangt von seinen angeschlossenen Instituten dafür Zinsen.

Nur die Skatbank, eine zum Genossenschaftssektor gehörende Direktbank aus dem thüringischen Altenburg, hatte für Beträge über eine halbe Million Euro schon 2014 Negativzinsen eingeführt. Die ebenfalls genossenschaftliche Alternativ-Bank GLS plant im Kampf gegen das Zinstief von den Kunden einen monatlichen "Solidarbeitrag" zu erheben.

Sparer wandern ab

Der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) erwartet jedoch nicht, dass das Beispiel aus Oberbayern Schule machen wird. "Der BVR glaubt nicht, dass wir in Deutschland im Privatkundengeschäft in der Breite Negativzinsen sehen werden - nicht zuletzt auf Grund der intensiven Wettbewerbssituation im deutschen Bankenmarkt." Auch in Gmund sei das klassische Breitengeschäft nicht betroffen.

Laut Raiffeisenbank-Vorstand Paul hat der Strafzins schon Wirkung gezeigt. "Ein Teil der Kunden, die wir informiert haben, hat sich für alternative Anlagen entschieden, andere haben ihr Geld zu anderen Banken verlagert." Eine Ausweitung auf weniger wohlhabende Kunden sei nicht geplant.

Die Raiffeisenbank Gmund mit sechs Filialen rund um den Tegernsee und einer Bilanzsumme von 145 Millionen Euro eine der kleineren Genossenschaftsbanken in Deutschland. Sie hat einen deutlichen Einlagenüberhang, kann also die Einlagen ihrer Kunden nur zum Teil in Form von Krediten weitergeben.

Der Genossenschaftsverband Bayern (GVB), dem die 269 Volks- und Raiffeisenbanken im Freistaat angehören, äußert Verständnis für sein Mitglied vom Tegernsee. "Der extreme geldpolitische Kurs der EZB verursacht bei allen Banken erhebliche Kosten", sagte ein Sprecher. Auf Dauer könnten die Banken das nicht selbst tragen, und sichten nach Auswegen. "Dazu kann es in letzter Konsequenz auch gehören, einen Auslagenersatz für Einlagen ins Auge zu fassen." Der GVB kenne aber keine Bank mit solchen Plänen.

Auch ein Sprecher des Sparkassen-Verbandes DSGV sagte, ihm sei unter den 408 Sparkassen keine bekannt, die eine Verwahrgebühr von Privatkunden verlange.

Quelle: n-tv.de

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