Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

485 Euro für eine schöne Bescherung: Geschäfte erwarten Rekordumsatz

Der deutsche Einzelhandel wittert ein blühendes Weihnachtsgeschäft. Geringe Arbeitslosigkeit und steigende Löhne lassen das Geld locker sitzen, so die einhellige Meinung der Branchenexperten. Die Krise in Südeuropa sei weit weg. Schätzungsweise 485 Euro plant jeder Haushalt für Geschenke ein.

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Die deutschen Einzelhändler rechnen mit einem Rekordumsatz im Weihnachtsgeschäft. Die Arbeitslosenzahlen sind niedrig, die Löhne gestiegen. Ansonsten bietet sich das Fest aber auch alle Jahre wieder dazu an, trübe Gedanken einfach mal zu vertreiben.

Der Branchenverband HDE hört die Kassen bereits klingeln. Den Prognosen zufolge dürften die Einnahmen im November und Dezember erstmals die Marke von 80 Mrd. Euro übertreffen. Das wäre ein Plus von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch im Gesamtjahr 2012 sollen die nominalen Umsätze um 1,5 Prozent auf knapp 311 Mrd. Euro zulegen.

"Die Zahlen zeigen, dass die Branche trotz einiger Konjunktursorgen in robuster Verfassung ist", sagte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser. Als Wermutstropfen im Konsumverhalten isoliert der Verband die steigenden Energiekosten. Sie belasteten die Unternehmen direkt, gleichzeitig drückten sie die Kaufkraft der Kunden. "Die Energiepreise werden immer mehr zu einem echten Problem für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland", sagte Sanktjohanser.

Aber auch die GfK-Konsumforscher sagen einen guten Jahresendspurt voraus. Die Stimmung der deutschen Verbraucher ist derzeit so gut wie seit fünf Jahren nicht mehr, fanden sie bei ihrer monatlichen Umfrage heraus. Vor allem die geringe Arbeitslosigkeit und steigende Löhne beflügeln die Kauflaune.

Teures Fest soll Krise verdrängen

Ansonsten werden die Deutschen mit einem üppigen Weihnachtsfest auch eher düstere Gedanken an Eurokrise, Inflationsgefahren und pessimistische Konjunkturprognosen für ein paar Tage vergessen. Einer Studie zufolge planen de Familien sowohl für ihre Geschenke als auch für das Festessen und das Ausgehen deutlich mehr Geld ein als 2011. Pro Haushalt seien im Schnitt 485 Euro an Gesamtausgaben für Weihnachten vorgesehen, teilte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche in Frankfurt mit. Damit würden die Deutschen gegen den Trend in Europa im Schnitt sieben Prozent mehr für die Festtagsstimmung ausgeben als im Vorjahr.

Die Prognosen decken sich auch mit denen einer Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young. "Die Beschäftigung liegt auf einem Rekordniveau, und die Krise in Südeuropa ist für die meisten Menschen weit weg", erläutert Thomas Harms, Handelsexperte von Ernst & Young. Auch die konjunkturelle Schwäche in Deutschland sei für die meisten noch kaum spürbar. Ernst & Young prognostiziert, dass ein Verbraucher in Deutschland in diesem Jahr im Schnitt 230 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben wird. Das sind 17 Euro mehr als im Vorjahr. Damit ist der Rückgang von 2010 auf 2011 fast wieder ausgeglichen.

Von den Weihnachtsausgaben dürfte der Fachhandel diesmal besonders profitieren. "Die Konsumenten schätzen fachkundige Beratung und eine gute Auswahl, die sie vor Ort intensiv begutachten und testen können", erläutert Harms. In die Fachmärkte und Fachgeschäfte fließe im Schnitt mit 118 Euro gut die Hälfte des Weihnachtsbudgets. Das wären 18 Euro mehr als im Vorjahr. Kaufhäuser und Einkaufszentren insgesamt müssen laut dieser Studie mit einem leichten Rückgang von 50 auf 46 Euro rechnen. Beim Online-Handel hingegen geht es laut der Beratungsgesellschaft vor allem dank junger Kundschaft von 40 auf 44 Euro weiter aufwärts.

Studie: Luxusmarkt boomt weiter

Klingeln dürften die Kassen auch bei den Verkäufern von Luxusartikeln. Der weltweite Luxus-Markt boomt weiter. Ob kostspielige Lederschuhe, edles Parfüm oder sündhaft teure Uhren, vor allem die Reichen in Asien und den USA sind weiter in Kauflaune. Global werde der Umsatz der Branche 2012 um 10 Prozent auf 212 Mrd. Euro wachsen und damit das dritte Jahr in Folge nach der schweren Wirtschaftskrise zweistellig zulegen, schreibt die Beratungsfirma Bain & Company Studie. In Europa werde sich das Wachstum im Vergleich zu 2011 auch wegen der tristen Wirtschaftslage in vielen Ländern auf 5 Prozent halbieren. Langfristig bleibe Luxus weltweit ein Wachstumsmarkt.

Deutschland wird sich hier ein Stück vom Kuchen abschneiden können. Das Jahresend-Geschäft mit Touristen kommt langsam in Schwung. Im November beginnen verkaufsstarke Monate mit Käufern aus Russland, wie vor wenigen Wochen Global Blue mitteilte. Das Unternehmen wertet die Ausgaben von Reisenden aus, die sich die Mehrwertsteuer erstatten lassen. Von Januar bis September 2012 ließen russische Touristen bereits 251 Millionen Euro in den Geschäften, ein Plus von 46 Prozent. Spitzenreiter beim Shopping-Tourismus in Deutschland seien Chinesen vor Russen und Reisenden aus den arabischen Ländern. Viele reisten gezielt zum Einkaufen an.

Quelle: n-tv.de

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