Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Lohnt sich der Einstieg?: Gold ist wieder gefragt

Ein Gastbeitrag von Carsten Riehemann

Der Goldpreis ist seit Jahresanfang um fast 20 Prozent nach oben geschossen. Da die Anleger wieder Risiken wittern, dürfte sich das Edelmetall weiter verteuern.

Plötzlich ist Gold wieder als "sicherer Hafen" gefragt. Grund ist vor allem die gestiegene Risikoabneigung der Anleger. Die Finanzmärkte zeigen das ganz klar. Die Aktienkurse fahren seit knapp einem Jahr Achterbahn - mit tendenziell sinkenden Kursen. Anleger stoßen Aktien ab, weil ihnen die Risiken zu groß sind. Umgekehrt steigen die Anleihekurse - vor allem die von Emittenten, die als ausfallsicher gelten. Wenn die Rentenkurse steigen, fallen ihre Renditen. Bei deutschen Bundesanleihen rentieren mittlerweile alle Laufzeiten bis acht Jahre im negativen Bereich. Das Sicherheitsbedürfnis der Anleger ist also zurzeit so groß, dass sie sogar draufzahlen, damit sie nach ein paar Jahren ihr Geld zumindest nominal unverändert zurückerhalten. Daran ändern weder die jüngste Leitzinssenkung der EZB noch die kurzfristige Aufwärtsbewegung bei Aktien kaum etwas.

Jahrelang hatten die Finanzmärkte potenzielle Risiken verdrängt: Doch aus China kommen immer bedenklichere Nachrichten. Der Außenhandel hat im Februar einen Rekord-Rückgang erlitten. Die Festlandsbörsen in Shanghai und Shenzhen rauschen schon seit einem dreiviertel Jahr nach unten. Allein seit Jahresanfang sind die Kurse um 14 Prozent gefallen. Die chinesischen Kleinanleger trennen sich von ihren Aktien und kaufen Gold. Das World Gold Council rechnet damit, dass dieses Jahr in der Volksrepublik die private Nachfrage nach Gold die 985 Tonnen vom Vorjahr deutlich übertreffen wird. Auch in Indien kaufen die Menschen große Mengen des Edelmetalls

Zentralbanken kaufen

Carsten Riehemann ist Geschäftsführender Gesellschafter bei Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co. und seit Mitte der 90er Jahre als Vermögensverwalter und Vermögensberater für Unternehmer, Privatkunden und Stiftungen tätig.
Carsten Riehemann ist Geschäftsführender Gesellschafter bei Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co. und seit Mitte der 90er Jahre als Vermögensverwalter und Vermögensberater für Unternehmer, Privatkunden und Stiftungen tätig.

Die Notenbanken befinden sich bereits seit Jahren auf der Käuferseite. Vor allem die Zentralbanken Chinas und Russlands haben zuletzt ihre Bestände spürbar ausgebaut. Trotzdem liegt der Goldanteil bei den chinesischen Devisenreserven erst bei zwei Prozent, was im internationalen Vergleich sehr wenig ist. Von der People's Bank of China sind somit weitere Käufe zu erwarten.

Die großen "Gamechanger" sind jedoch die mit physischem Gold unterlegten Indexfonds (ETFs). Jahrelang litten sie vor allem in den USA unter Mittelabflüssen und mussten das Edelmetall verkaufen. Seit Anfang 2016 sind die ETF-Bestände aber wieder um 200 Tonnen gestiegen. Das entspricht in etwa der Menge, die die chinesische und die russische Zentralbank jeweils im gesamten Vorjahr gekauft haben. Das zeigt, die Amerikaner gehen ebenfalls auf Nummer sicher.

Denn auch in den USA gibt es Probleme mit der Konjunktur. Die Anleger sorgen sich zunehmend um das Wirtschaftswachstum, um rückläufige Unternehmensgewinne und fallende Aktienkurse. Vor diesem Hintergrund erwarten immer mehr Marktteilnehmer, dass die amerikanische Notenbank Fed vorerst die Leitzinsen nicht weiter erhöhen wird. Auch davon profitiert Gold. Bei niedrigen Zinsen fallen die Opportunitätskosten des zinslosen Edelmetalls immer weniger ins Gewicht. Im Gegenteil: Drehen die Zinsen in den negativen Bereich, werden aus Opportunitätskosten sogar Gewinne.

Mit dem Kauf von Gold setzen Anleger gewissermaßen darauf, dass sich die Konjunktur vor allem in China und den USA weiter eintrübt – und genau danach sieht es derzeit aus. Für einen Einstieg ist es also noch nicht zu spät. Außerdem bietet das Edelmetall Sicherheit vor geopolitischen Gefahren wie Brexit, Grexit, einem Auseinanderfallen Eurolands oder einem eskalierenden Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran.

Wenn Gold, dann Xetra- oder Anlagegold

Noch besser als der Goldpreis selbst sind zuletzt die Kurse von Minengesellschaften gelaufen. Damit besteht hier aber auch ein größeres Rückschlagpotenzial. Investitionen in das Edelmetall selbst sind da deutlich weniger spekulativ. Einfach und kostengünstig lässt sich zum Beispiel Xetra-Gold kaufen. Ein Anteil dieser mit Gold unterlegten Inhaberschuldverschreibung entspricht dem Wert von einem Gramm in Euro. Einen noch größeren Krisenschutz bietet Anlagegold, also Münzen und Barren. Sowohl Xetra-Gold als auch Anlagegold fallen nicht unter die Spekulationssteuer. Mögliche Gewinn lassen sich somit nach einer Haltefrist von einem Jahr steuerfrei vereinnahmen.

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Quelle: n-tv.de

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