Wirtschaft
Gold wird billiger.
Gold wird billiger.(Foto: REUTERS)

Investoren werden skeptischer: Gold verliert Glanz

Lange kannte der Goldpreis nur eine Richtung: nach oben. Doch diese Zeiten sind wohl vorbei – zumindest zunächst. Wieder einmal scheint Investorenlegende George Soros den Trend vorzugeben.

Auf dem Höhepunkt der Finanz- und Schuldenkrise rissen sich die Anleger noch um Gold – doch obwohl die Krise weiter schwelt, rückt das Rekordhoch von 1920 Dollar je Feinunze aus dem September 2011 dieser Tage in immer weiterer Ferne. Eine Feinunze des Edelmetalls kostet derzeit etwas weniger als 1600 Dollar, und viele Experten senken seit Wochen ihre Prognosen für die weitere Preisentwicklung.

Als Begründung geben sie die Erholung der US-Konjunktur und eine Beruhigung der Schuldenkrise in der Eurozone an. Das politische Patt in Rom und das Scheitern der Haushaltsverhandlungen in den USA ließ viele Goldinvestoren offenbar kalt.

Die jüngsten Ereignisse hätten allenfalls die Talfahrt etwas gebremst, erläutern Rohstoff-Händler. Den Trend geändert hätten sie bislang aber nicht, was an den Abflüssen aus dem New Yorker SPDR Gold Trust - dem größten börsennotierten ETF-Fonds der Welt - abzulesen ist. Er verzeichnete im Februar den größten Rückgang seit 2004. Der Goldpreis selbst ist in den vergangenen fünf Monaten gefallen – das ist der längste Abwärtstrend seit Anfang 1997. Allein im Februar sank der Preis um rund fünf Prozent.

Zentralbanken kaufen Gold

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Sollten langfristig orientierte ETF-Investoren tatsächlich ihre Bestände reduzieren, könnte dies für all jene ein Problem werden, die auf steigende Goldnotierungen im Stil der letzten zehn Jahre setzen, sagte Daniel Brebner, Analyst bei der Deutschen Bank in London. Immerhin zählt die US-Investorenlegende George Soros zu denen, die zuletzt ihre Anteile am SPDR-Fund senkten. Im vierten Quartal 2012 trennte er sich von mehr als der Hälfte seiner Anteile. Nachdem Soros 2011 die Goldpreisentwicklung als "die ultimative Blase" beschrieben hatte, kam das zwar nicht gerade überraschend. Hinter den börsennotierten Indexfonds (ETF) stehen nicht weniger als 2265 Tonnen Gold - mehr als Japan, Russland und die EZB zusammen eingebunkert haben. Sollte ein Großteil davon auf den Markt kommen, würde das den Preis kräftig drücken.

Doch mit einer solchen Entwicklung rechnen die meisten Analysten nicht. Die Goldkäufe der Zentralbanken dürften die potenziellen ETF-Verkäufe kompensieren, betonen beispielsweise die Experten der DZ Bank und der LBBW. Viele Notenbanken - vor allem aus den Schwellenländern - nutzten Gold zur Diversifizierung ihrer Währungsreserven. Die DZ Bank rechnet vor, dass die Zentralbanken 2012 mit 535 Tonnen Gold so viel wie seit 1964 nicht mehr gekauft haben.

Goldman senkt Prognose

Der größte "Feind" des Goldes - so geht aus den Kurzstudien der Experten hervor - ist der Zins, der zugleich seit Jahren des Goldes bester Freund war. Sollten die Notenbanken weltweit von ihrer Nullzinspolitik abrücken, würde Gold aus zwei Gründen verlieren: Zum einen wäre das Edelmetall als Inflationsschutz - höhere Zinsen bremsen vor dem Anstieg der Verbraucherpreise - nicht mehr so gefragt wie bisher. Zum anderen könnten die Anleger wieder höhere Renditen einheimsen - ohne dafür auf Risiko gehen zu müssen. Doch damit rechnet vorläufig kaum jemand.

Gerade das Anwerfen der Notenpresse vor allem in den USA hatte seit 2008 dem gelben Metall - es notierte Ende 2007 noch unter 900 Dollar - ein nicht geahntes Comeback als alternative Währung beschert. Doch die Abhängigkeit bröckelt inzwischen einseitig. So fällt der Goldpreis jedes Mal, wenn Zweifel an der US-Geldpolitik aufkommen. Doch umgekehrt geht die Rechnung kaum mehr auf. So macht das Scheitern der US-Haushaltsverhandlungen Ende Februar eine Verlangsamung des US-Wachstums wahrscheinlicher und damit ein vorzeitiges Ende der ultralockeren Geldpolitik der US-Notenbank unwahrscheinlicher. Goldinvestoren lockte das aber kaum mehr an.

Sollte sich die Erholung der US-Konjunktur aber intensiver fortsetzen als bisher veranschlagt und die Fed den Geldfluss drosseln, könnte der Goldpreis bis auf 1300 Dollar abstürzen, fürchtet die DZ Bank. Doch erwarten die Experten auf dem aktuellen Niveau allmählich eine Bodenbildung. Erst 2014 dürfte es mit dem Goldpreis wieder nach unten gehen, vermuten sie. Ihre Kollegen von Goldman Sachs senkten für das nächste Jahr denn schon mal ihre Prognose auf 1450 Dollar von bisher 1750 Dollar.

Quelle: n-tv.de

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