Wirtschaft

BayernLB distanziert sichGoldman-Boss kämpferisch

22.04.2010, 16:01 Uhr

Lloyd Blankfein steht unter Druck: Nach den schweren Betrufgsvorwürfen gegen sein Haus muss der Chef von Goldman Sachs rund um den Erdball verunsicherte Großkunden beruhigen. BayernLB-Chef Häusler kündigt ein Goldman-Beratungsmandat.

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Mit edler Einfalt und stiller Größe hat es noch nie jemand an die Spitze einer US-Bank geschafft: Lloyd Blankfein, hier bei einer früheren Anhörung vor dem US-Congress. (Foto: REUTERS)

Lloyd Blankfein, Vorstandschef der US-Großbank Goldman Sachs, hat die Betrugsvorwürfe gegen seine Bank einem Zeitungsbericht zufolge in Gesprächen mit Kunden scharf kritisiert. "Er war sehr aggressiv", berichtete die "Financial Times" unter Berufung auf eine nicht näher genannte Quelle aus dem Kundenkreis der Bank. "Er hat das Gefühl, dass die Regierung ihn erledigen will, dass sie angegriffen werden und das Ganze komplett politisch motiviert ist", zitiert das Blatt den Kunden. Blankfein meine, die Klage der Börsenaufsicht SEC "schadet Amerika".

Auf andere habe er kämpferisch gewirkt und den Eindruck erweckt, als wolle er den Fall vor Gericht ausfechten, berichtete das Blatt weiter. Ziel der Gespräche sei es gewesen, bei den Geschäftspartnern um Vertrauen zu werben. Goldman war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Die SEC wirft der früheren Investmentbank vor, Investoren bei der Vermarktung eines verbrieften Hypothekenkredits (CDO) getäuscht zu haben. Auch die britische Finanzaufsicht FSA nimmt die Bank deswegen unter die Lupe.

BayernLB zieht Konsequenzen

Unterdessen geht mit der BayernLB die erste deutsche Bank öffentlich auf Distanz zu Goldman Sachs. Vorstandschef Gerd Häusler kündigte unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen das US-Geldsinstitut ein Beratungsmandat. Goldman hatte die BayernLB zuletzt bei der Rettung durch die Zufuhr frischen Eigenkapitals vom Freistaat Bayern und bei der Abschirmung der Risiken aus ihrem Portfolio forderungsbesicherter Papiere (ABS) beraten.

Alle anderen Verbindungen mit Goldman Sachs seien von der Kündigung unberührt, betonte Deutschlands zweitgrößte Landesbank. Dabei gehe es vor allem um "bankübliche Handelsaktivitäten". Andere Landesbanken wollten sich nicht dazu äußern, ob auch sie Konsequenzen aus der Klage gegen Goldman ziehen wollen.

Quelle: wne/rts