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Von der Neuregelung sollen alle Mitarbeiter betroffen sein, die durch Insiderwissen der Bank persönliche Vorteile erlangen könnten.
Von der Neuregelung sollen alle Mitarbeiter betroffen sein, die durch Insiderwissen der Bank persönliche Vorteile erlangen könnten.(Foto: picture alliance / dpa)

Aktienhandel-Verbot fürs Image: Goldman Sachs legt Banker an die Leine

Investment-Banker von Goldman Sachs sollen künftig keine Aktien mehr privat handeln dürfen. Die Neuregelung zur Verbesserung des Ansehens kommt zur gleichen Zeit, in der eine frühere Prüferin der Fed ihren Ex-Kollegen zu viel Nachsicht mit den Banken vorwirft.

Die Goldman Sachs Group hat ihren Investment-Bankern den privaten Handel mit Aktien untersagt. Damit will die bei Unternehmensübernahmen führende Bank interne Interessenskonflikte vermeiden und ihr seit Beginn der Finanzkrise angeschlagenes Image aufwerten, wie ein mit den Vorgängen vertrauter der Bank gegenüber der US-Wirtschaftszeitschrift "Businessweek" sagte.

Die Angestellten der Bank erhielten bereits Ende vergangener Woche eine Mitteilung, laut welcher das neue Verbot umgehend zu befolgen sei. Neben individuellem Aktienhandel sei ihnen demnach auch nicht gestattet, über Beteiligungen an Hedgefonds an der Börse persönlich mitzumischen. Zuvor war es ihnen noch erlaubt, in einzelne Aktien zu investieren, solange sie dafür vorher eine Genehmigung ihres Arbeitgebers eingeholt hatten.

Die neuen Regeln traten am gleichen Tag in Kraft, an dem die Angaben einer früheren Prüferin der Federal Reserve Bank of New York, einer der regionalen Ableger der US-Notenbank, über den Umgang ihrer Ex-Kollegen mit Goldman Sachs im Radio zu hören waren. Die ehemalige Prüferin Carmen Segarra hatte ihren früheren Arbeitgeber "New York Fed" vergangenes Jahr verklagt, da die Bank sie angeblich im Jahr 2012 wegen eines negativen Befundes über Geschäftspraktiken von Goldman Sachs entlassen hatten. Segarra hatte sich geweigert von ihrer Einschätzung abzuweichen, dass die Investmentbank nichts gegen die bei ihren Mitarbeitern auftretenden Interessenskonflikte tue. Ihre Klage wurde im April abgelehnt, woraufhin Segarra in Berufung ging.

Senatorin fordert Untersuchung

In dem Programm "This American Life" waren im Radio Auszüge aus Gesprächen veröffentlicht worden, die Segarra angeblich heimlich aufgezeichnet hatte. Segarra beklagt, dass ihre Kollegen Goldman Sachs bei Prüfungen wiederholt "mit Samthandschuhen angefasst" hätten. "Was mir dabei auffiel, war eine Art Rücksicht gegenüber der Bank, eine Art Furcht", sagte Segarra.

Die Federal Reserve of New York ließ mitteilen, dass sie die Anschuldigungen ihrer früheren Mitarbeiterin "kategorisch" zurückweise. "Die New York Fed arbeitet sorgfältig daran, ihre Aufsichtsfunktion auf eine Art und Weise zu erfüllen, die die Sicherheit und Unversehrtheit der von ihr geprüften Finanzinstutionen gewährleistet", teilte sie über ihre Website mit.

Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren forderte nach den Veröffentlichungen Segarras eine Untersuchung des Kongresses, ob die New York Fed gegenüber den von ihr untersuchten Banken tatsächlich zu nachsichtig gewesen sei. Ein Gericht im US-Bundesstaat Delaware tadelte Goldman Sachs im Jahr 2012 aufgrund "unvollständigem und unsachgemäßem" Umgangs mit einem Interessenskonflikt bei einem Milliarden-Dollar-Geschäft des Pipeline-Betreibers Kinder Morgan Inc.

Die Firma hatte 2011 für rund 21,1 Milliarden Dollar (16,6 Milliarden Euro) die El Paso Corporation aufgekauft. Das Geschäft war das größte in dem Jahr von Goldman Sachs betreute. Der federführende Banker bei dem Deal, der frühere Goldman-Sachs-Partner Stephen D. Daniel, verschwieg dabei, dass er zu dem Zeitpunkt im Besitz von Kinder-Morgan-Aktien im Wert von 340.000 Dollar (rund 268.000 Euro) war.

Die neue Regelung ist Teil einer internen Strategie zur Vermeidung derartiger Interessenkonflikte, die nach dem Kinder-Morgan-Deal angestoßen wurde. Neben den Angestellten in der Investment-Sparte sollen von der Regelung auch weitere Mitarbeiter betroffen sein, sofern diese möglicherweise Zugang zu vertraulichen Informationen über Geschäfte der Bank und ihrer Kunden haben könnte.

Quelle: n-tv.de

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