40-Millionen-Angebot aus ÜberseeGoldman Sachs will Karstadt
Eine Woche vor Ablauf der Frist für Angebote zur Übernahme des insolventen Karstadt-Konzerns bahnt sich hinter den Kulissen eine überraschende Lösung an. Offenbar will das Immobilien-Konsortium Highstreet, hinter dem die US-Investmentbank Goldman Sachs steht, Karstadt als Konzern erhalten. Mit Verdi soll der Deal schon klar sein.
Das Vermieter-Konsortium Highstreet will einem Zeitungsbericht zufolge in das Rennen um die insolvente Warenhauskette Karstadt einsteigen. Das Konsortium, an dem die US-Investmentbank Goldman Sachs die Anteilsmehrheit hält, wolle die 120 Karstadt-Häuser vollständig übernehmen und als Konzern erhalten, berichtete die "Bild am Sonntag" unter Berufung auf Verhandlungskreise. Der Eigentümer von rund zwei Drittel der 120 Karstadt-Häuser wolle dem Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg noch diese Woche ein entsprechendes Angebot machen und gehe als Favorit in die Schlussrunde. Als Kaufpreis seien 40 Millionen Euro im Gespräch.
Details mit Verdi schon geklärt
In Geheimverhandlungen habe sich das Konsortium bereits mit der Gewerkschaft Verdi auf die Details einer Übernahme geeinigt, berichtet die Zeitung weiter. Demnach seien keine Entlassungen in größerem Umfang geplant. Allerdings solle die Wochenarbeitszeit der Karstadt-Mitarbeiter von derzeit 37,5 auf 39,5 Stunden ohne Lohnausgleich erhöht werden. Die Arbeitnehmer würden den Plänen zufolge am Unternehmen beteiligt und künftig rund 15 Prozent am Karstadt-Konzern halten. Highstreet wolle außerdem einen Sanierungsbeitrag leisten und die Mieten reduzieren.
Verdi wies das allerdings als "nicht korrekt" zurück. Zwar habe man im Zuge des Insolvenzverfahrens immer wieder mit Highstreet gesprochen, sagte Verdi-Sprecherin Cornelia Haß. Alsl Eigentümer von zahlreichen Karstadt-Immobilien handele es sich um einen "großen Gläubiger". Konkrete Gespräche oder gar "Geheimverhandlungen" über Details einer Übernahme und die Zukunft für die Beschäftigten habe es aber nicht gegeben. "Es gibt keinen wie immer gearteten Abschluss, der irgendwelche Details vorsieht." Gleichwohl würde die Gewerkschaft ein Übernahme-Angebot von Highstreet "nicht für die schlechteste Lösung für die Beschäftigten" halten, ergänzte Haß
Der Gläubigerausschuss von Karstadt muss am nächsten Freitag entscheiden, wer den Zuschlag erhält, sonst kann der Insolvenzplan nicht in Kraft treten. Bislang haben der deutsch-schwedische Finanzinvestor Triton und der Investor Nicolas Berggruen für die insolvente Warenhauskette geboten. Triton hatte angesichts stockender Verhandlungen mit Verdi jedoch in dieser Woche mit einem Rückzug seiner Offerte gedroht. Triton fordert von der Belegschaft weiterreichende finanzielle Zugeständnisse, über 4000 Stellen in defizitären Abteilungen stehen zur Disposition. Berggruen hat dagegen erklärt, keine weiteren Zugeständnisse von den 25.000 Karstadt-Mitarbeitern zu erwarten. Verdi meldete jedoch Zweifel an der Seriosität seiner Offerte an.
Auch Metro noch im Rennen
Der "Bild am Sonntag" zufolge ist auch der Handelsriese Metro (Media Markt, Saturn, Galeria Kaufhof) weiterhin an Karstadt interessiert. Vorstandschef Eckhard Cordes habe in einem Brief an Insolvenzverwalter Görg erneut Interesse an der Übernahme einer größeren Anzahl von Karstadt-Häusern signalisiert, "um diese Standorte in einem Gesamtkonzept mit unserer Kaufhof-Warenhaus-Kette zusammenzuführen".