Wirtschaft
Drängt doch wieder alles zum Golde?
Drängt doch wieder alles zum Golde?(Foto: REUTERS)

Privatanleger mit richtigem Riecher: Goldpreis zieht wieder an

Der Goldmarkt polarisiert: Während die großen institutionellen Anleger seit Monaten geradezu aus ihren Investments flüchten, nutzen Privatanleger und Konsumenten weltweit die Preisdelle, um sich ordentlich mit dem glanzvollen Metall einzudecken. Und plötzlich sieht auch der Chart wieder gut aus.

Kaum künden die jüngsten Daten von einem Annus horribilis für den Goldmarkt, scheint sich der Trend langsam aber sicher wieder umzukehren. Obwohl weiterhin das drohende Ende des billigen Fed-Geldes über dem Markt hängt, notiert der Goldpreis zum Wochenschluss in der Nähe seines Zweimonatshochs bei 1376,70 Dollar pro Feinunze. "Jetzt wird es charttechnisch spannend", heißt es dazu auf dem Parkett. Analysten sehen im Bereich von 1380 bis 1400 Dollar erhebliche charttechnische Widerstände, die erstmal einmal nachhaltig überwunden werden müssen. Immerhin hat der Goldpreis das "Paniktief" von April bei 1350 Dollar hinter sich gelassen.

Ist das das Ende der Verluststrecke, die in diesem Jahr 56 Milliarden Euro an Wert vernichtet hat? Vor allem die Verkäufe im ETF-Sektor und an den Terminmärkten hatten den Goldpreis unter Druck gesetzt. Hier ist aber wieder eine signifikante Erholung zu beobachten, die Mittelabflüsse lassen spürbar nach, die Short-Positionen werden geschlossen.

Der jüngste Preisauftrieb wird zudem durch die privaten Goldkäufer gestützt. Besonders in Asien verzeichneten die Schmuckmärkte in den vergangenen Monaten neue Rekorde, die Käufer wurden von Preisabschlägen von bis zu 30 Prozent angelockt. Weltweit zog die Nachfrage im ersten Halbjahr um 32 Prozent auf 2040 Tonnen an. Das World Gold Council hat hochgerechnet, dass die Verkäufe von Schmuck, Münzen und Barren aufs Jahr gerechnet allein in China und Indien bei jeweils 1000 Tonnen liegen könnten. Der bisherige chinesische Rekord liegt bei rund 779 Tonnen im Jahr 2011, in Indien waren es 1007 Tonnen im Jahr 2010. Dass die indische Nachfrage in den vergangenen Wochen aufgrund einer neuen komplizierten Außenhandelsregelung eingebrochen ist, könnte sich zu einem zeitlich beschränkten Ereignis entwickeln. Der indische Schmuckverband setzt auf eine Änderung der Vorgaben und hofft darauf, dass das Geschäft ab der kommenden Woche wieder in Schwung kommt.

Angesichts dieser Kauffreude erlauben sich auch die institutionellen Anleger wieder etwas mehr Optimismus. Die Bank of America rechnet für das vierte Quartal nun mit einem durchschnittlichen Goldpreis von 1495 Dollar je Feinunze, JP Morgan setzt auf einen Goldpreisanstieg in jedem einzelnen Quartal bis Ende nächsten Jahres. Auf der Seite der Skeptiker stehen weiterhin die Société Générale und Goldman Sachs. SocGen erwarten für 2013 einen Durchschnittspreis von 1150 Dollar, Goldman Sachs gehen für die nächsten zwölf Monate von 1175 Dollar aus. Ob nun die Pessimisten oder die Optimisten Recht behalten – so spannend war es im "sicheren Hafen" schon lange nicht mehr.

Quelle: n-tv.de

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