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Zwei Seiten, ein Geschäftsprinzip: Google und Baidu verzieren Suchergebnisse im Internet mit der passenden Werbung.
Zwei Seiten, ein Geschäftsprinzip: Google und Baidu verzieren Suchergebnisse im Internet mit der passenden Werbung.(Foto: REUTERS)

Internet-Werbung für Chinesen: Google-Rivale Baidu hebt ab

In China ist der Kampf um Marktanteile im Internet voll entbrannt: Der Google-Wettbewerber Baidu.com provoziert den Branchenriesen Google mit kräftigen Sprüngen bei Umsatz und Gewinn. Der US-Konzern will nicht länger nur zusehen. Zwei Jahre nach dem Rückzug aus dem Einflussgebiet der chinesischen Zensurbehörden plant der Suchmaschinenanbieter ein großangelegtes Comeback.

China nie komplett verlassen: Die Google-Niederlassung in Peking.
China nie komplett verlassen: Die Google-Niederlassung in Peking.(Foto: REUTERS)

Der chinesische Internet-Dienstleister und Google-Konkurrent Baidu hat seinen Gewinn und Umsatz im vierten Quartal kräftig gesteigert. Der Überschuss stieg im Vorjahresvergleich um 77 Prozent auf 326,3 Mio. Dollar, teilte das Unternehmen mit. Der Umsatz kletterte um mehr als 80 Prozent auf 710,9 Mio. Dollar. Beide Kennziffern lagen über den Erwartungen von Analysten. Die an der Nasdaq notierten Baidu-Aktien legten im nachbörslichen Handel um 2 Prozent zu.

Der Zwischenbericht des Suchmaschinenanbieters liefert Analysten wichtige Einblicke in den Wettbewerb zwischen Baidu und seinem wichtigsten Konkurrenten Google. Vor genau zwei Jahren hatte der US-Konzern nach einem Streit mit den staatlichen Zensurbehörden seinen Suchmaschinen-Dienst aus China zurückgezogen. Derzeit startet Google einen neuen Anlauf. Der chinesische Markt spielt aufgrund seiner Größe und seines Entwicklungspotenzials auch für Betreiber von Suchmaschinen eine entscheidende Rolle. Um nicht weiter hinter Baidu zurückzufallen, will es das Unternehmen nun doch noch mal mit neuen Angeboten auf dem größten Internet-Markt der Welt versuchen.

Der Suchmaschinenriese aus den USA stellt derzeit in China neue Programmierer, Anzeigenverkäufer und Produktmanager ein, wie Daniel Alegre, Googles Asien-Chef, erklärte. Dabei will Google vor allem auf sein schnell wachsendes mobiles Android-Betriebssystem sowie auf Werbung und Produktsuche setzen, sagte Alegre in einem Interview.

Unter dem Auge der Zensur

Zunächst soll der Android Market eingeführt werden, der tausende mobiler Anwendungen für Smartphones und Tablet-PCs führt, in China aber bislang nicht verfügbar ist. Auch setzt das Unternehmen auf Dienste, die nicht der staatlichen Zensur unterliegen. Ein Beispiel dafür ist Shihui, eine Webseite, die im September gestartet ist. Dort können Chinesen nach Rabatten in lokalen Geschäften suchen. Außerdem will Google sein Angebot ausbauen, mit denen Verbraucher Produkte bei Onlinehändlern finden können. Die chinesischen Behörden wollten die Pläne von Google nicht kommentieren.

Vor genau zwei Jahren hatte Google großes Aufsehen erregt, weil sich das Unternehmen nicht an die örtlichen Zensurgesetze halten wollte. Damals hatte Google angekündigt, sich eventuell ganz aus China zurückziehen zu wollen. Der Schritt bedeutete eine Abkehr von der damaligen Firmenpolitik, mit den chinesischen Behörden zusammenzuarbeiten. In den Augen vieler Chinesen hatte sich Google damals von dem Land abgewendet.

Seitdem hat das Unternehmen kein offizielles Suchmaschinenangebot in China. Nutzer von google.cn werden auf die Google-Seite in Hongkong umgeleitet, die aufgrund ihres Sonderstatus anderen Rechtsnormen unterliegt. Die Suchmaschine und andere Dienste wie Gmail sind aber für die meisten Chinesen kaum nutzbar, da das staatliche Filterprogramm zahlreiche Störungen verursacht.

Neuer Kuschelkurs mit China?

Mitbegründer Sergey Brin hatte damals erklärt, seine Firma verfolge eine Anti-Zensur-Politik. Damit hatte er sich gegen den damaligen CEO durchgesetzt, der für Kompromisse mit der chinesischen Regierung eingetreten war. Der gebürtige Russe Brin erklärte dem "Wall Street Journal" vor zwei Jahren, dass ihn das Vorgehen der Zensurbehörden an den "Totalitarismus" der Sowjetunion erinnere. "Einige Aspekte ihrer Politik, besonders die Zensur", sagte er, "finde ich persönlich sehr beunruhigend".

Offiziell hatte sich Google aber nie aus China zurückgezogen. Etwa 500 Angestellte verblieben im Land, darunter 300 Programmierer. Jetzt aber denkt die Firma angesichts des Wachstums von Android in China und des boomenden Onlinehandels wieder pragmatischer. Alegre sagte, dass die Google-Führung "erkannt hat, dass China große Geschäftsmöglichkeiten bietet". Mit Stand September hatte China 500 Millionen Internetnutzer.

Kampf um Marktanteile

Trotz der Kontrollbemühungen der Regierung wandelt sich die Internetlandschaft im Land dramatisch. Auf Microblogging-Diensten wie dem Twitter-ähnlichen Weibo.com werden Informationen und kritische Meinungen über die Regierungspolitik ausgetauscht. Dort will Google nicht mehr länger außen vor sein.

Aktuell macht China weniger als 2 Prozent von Googles weltweitem Umsatz aus, der nach Analysen der Citigroup im vergangenen Jahr bei 40 Mrd. US-Dollar gelegen haben dürfte. Der Anteil auf dem Suchmaschinenmarkt liegt bei 17,2 Prozent, 2009 waren es noch 36 Prozent. Google gerät durch den örtlichen Anbieter Baidu immer mehr unter Druck.

Die Beziehungen zwischen dem Unternehmen aus Kalifornien und der chinesischen Regierung sind weiter angespannt. Google verdächtigt die Führung , hinter Hackerangriffen auf die Gmail-Konten von US-Beamten und Menschenrechts-Aktivisten zu stecken. Umgekehrt beschuldigt Peking das Unternehmen, sich in die inneren Angelegenheiten Chinas einzumischen. Trotzdem haben die Behörden die Lizenz für Google im vergangenen Jahr verlängert.

Viele ehemalige Angestellte von Google China bedauern, dass der Anbieter dort nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. So auch der ehemalige Chef Kai-Fu Li: "Was wir mit Google China erreichen wollten, ist jetzt Weibo gelungen".

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Quelle: n-tv.de

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