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Aktie erklimmt nachbörslich neuen Höchststand: Google kann mit Gewinnsprung überraschen

Gute Nachricht aus dem Silicon Valley: Steigende Werbeeinnahmen füllen bei Google die Kassen - obwohl der einzelne Klick weniger einbringt. Zudem kann der Konzern seine Steuerlast erfolgreich drücken. Einziges Sorgenkind bleibt die Handy-Sparte.

Beim Internetkonzern Google sprudeln die Werbeeinnahmen. Unter dem Strich legte der Gewinn im dritten Quartal so kräftig zu wie wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr. Anleger jubelten über die neuesten Finanzzahlen, der Aktienkurs schoss am Donnerstag nach Börsenschluss um mehr als acht Prozent auf ein neues Rekordhoch bei 961,48 US-Dollar. Der Gewinn des Konzerns aus dem Silicon Valley stieg zwischen Juli und September um mehr als ein Drittel, der Umsatz legte auf Jahressicht um zwölf Prozent zu. Damit schaffte Google auch im Vergleich zum enttäuschenden Vorquartal die Wende.

Die Ergebnisse zeigen, wie gut Google darin ist, Klicks anzuziehen: Mehr Nutzer rufen die Suchseite des Unternehmens von mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets auf. Allerdings steht Google - ebenso wie andere Internetkonzerne - vor der Herausforderung, dass Anzeigen auf mobilen Geräten erheblich weniger lukrativ sind als solche auf PCs.

Neues Anzeigenmodell zahlt sich aus

Allerdings profitiert der Internetriese Führungskräfte zufolge von einem im Juli neu eingeführten Anzeigenmodell. Dieses dränge Werbekunden dazu, ihre Anzeigen gleichzeitig auf Telefonen und Computern zu schalten. "Früher ließen wir verschiedene Kampagnen für verschiedene Geräte laufen, aber jetzt stellen wir eine einheitliche Oberfläche zur Verfügung", sagt Nikesh Arora, der für das Geschäft zuständig ist. "Das ist gut, aber es gibt noch eine Menge Arbeit, die auf Seiten der Werber erfolgen muss."

Zwei Kennziffern im Werbegeschäft von Google - die Summe der bezahlten Klicks und die Kosten pro Klick - entwickeln sich weiter auseinander. Die Summe der bezahlten Klicks stieg um mehr als ein Viertel Prozent im Vergleich zum Vorjahr - das ist die höchste Wachstumsrate seit einem Jahr. Aber der durchschnittliche Preis, den Werbekunden Google für jeden Klick eines Nutzers bezahlen, sank um acht Prozent. Seit zwei Jahren sinken die Kosten je Klick nun schon.

Google hat aber im Branchenvergleich weiterhin die Nase vorn. Nach Schätzungen des Marktforschungsdienstes Emarketer beherrscht Google in diesem Jahr ein Drittel des weltweiten Marktes für Online-Werbung. Der nächstgrößere Rivale, Facebook, dürfte 2013 nur auf einen Marktanteil von fünf Prozent kommen, obwohl sein Anteil nach Schätzungen von Emarketer in den vergangenen zwei Jahren schneller gewachsen ist als der von Google.

Google strebt Geräteunabhängigkeit an

Google hat jüngst den Algorithmus seiner Suchmaschine geändert, um detailliertere Suchtreffer liefern zu können. Außerdem hat das Unternehmen neue Bildanzeigen gestartet - diese kombinieren oft Fotos mit Preisen und bieten Werbekunden so einen größeren Mehrwert als die Standard-Textanzeigen auf Google. "Wir rücken immer näher an unser Ziel, eine schöne, einfache und intuitive Erfahrung unabhängig vom Gerät" zu bieten, sagte Google-Vorstandschef Larry Page während einer Telefonkonferenz mit Analysten.

Googles Nettogewinn lag im Berichtsquartal bei rund drei Milliarden Dollar oder 8,75 Dollar je Aktie. Im Vorjahr lag er im selben Zeitraum bei 2,2 Milliarden Dollar oder 6,53 Dollar je Aktie. Bereinigt verdiente Google je Aktie 10,74 Dollar nach 8,87 Dollar im Vorjahr.

Geringere Steuerlast treibt Gewinn

Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr von 13,3 Milliarden auf 14,9 Milliarden Dollar. Googles Nettogewinn kletterte auch deshalb wesentlich kräftiger als der Umsatz, weil Google ein deutlich geringer besteuert wurde. Der Steuersatz, den das Unternehmen zahlten musste, fiel auf Jahressicht von 23 Prozent auf 15 Prozent. Googles Finanzchef Patrick Pichette erklärte Anlegern während des Konferenztelefonats, die Steuerlast sei wegen der Vermischung von Umsätzen aus den USA und Auslandstöchtern so viel niedriger, ohne weitere Einzelheiten zu nennen.

Doch bei aller Freude bereitet dem Konzern seine Handy-Sparte Motorola, die der Konzern im Mai 2012 gekauft hat, weiter die Finanzen. Der Mobiltelefon-Hersteller machte im dritten Quartal einen Umsatz von 1,2 Milliarden Dollar - gut ein Drittel weniger als im Vorjahr. Grund: Google hat die Zahl der Geräte im Angebot von Motorola zurückgestutzt.

Der operative Verlust von Motorola weitete sich im Berichtsquartal aus, obwohl das Unternehmen im August mit dem "Moto X2" ein neues Smartphone herausgebracht hatte. Motorolas Betriebsverlust lag bei 248 Millionen Dollar nach 192 Millionen Dollar im Vorjahr.

Die Mitarbeiterzahl lag mit Stand Ende September bei 46.421 Festangestellten. Im Bereich Motorola Mobile konnte ein Umsatz von 1,18 Milliarden Dollar erzielt werden. Vor einem Jahr waren es noch 1,78 Milliarden Dollar. Der Verlust der Sparte stieg auf 248 Millionen Dollar, vor einem Jahr waren es noch 192 Millionen.

Quelle: n-tv.de

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