Wirtschaft
Niemand wird jünger: Google-Chef Larry Page investiert einen - kleinen - Teil der Erträge in die Gesundheitsforschung.
Niemand wird jünger: Google-Chef Larry Page investiert einen - kleinen - Teil der Erträge in die Gesundheitsforschung.(Foto: REUTERS)

Technikriesen gründen Gesundheitsfirma: Google und Apple wollen den Tod besiegen

Im Silicon Valley entsteht ein Unternehmen, das das Älterwerden aufhalten oder zumindest angenehmer machen will. Eigentlich würde eine solche Ankündigung nur ein müdes Lächeln hervorrufen - wenn hinter der Firma nicht Google stecken würde.

Video

Der US-Internetkonzern Google schafft sich ein neues Standbein in der Gesundheitsbranche. Eine neue Google-Tochter namens Calico werde sich "den Herausforderungen des Alterns und der damit verbundenen Erkrankungen" widmen, teilte Google mit. Chef des Unternehmens werde der Apple-Manager Arthur D. Levinson, der auch bei der Biotechnologiefirma Genentech tätig ist.

"Krankheiten und das Altern betreffen alle Familien", erklärte Google-Chef Larry Page in der Mitteilung. "Mit langfristigen Überlegungen zur Gesundheit und Biotechnologie können wir Millionen von Leben verbessern." Apple-Chef Tim Cook ergänzte, er erwarte "ungeduldig" erste Ergebnisse aus der Tätigkeit des neuen Unternehmens.

Die neue Firma stützt sich dabei auf Kompetenzen, die Google-Programmierer bei der Arbeit an der bekannten Suchmaschine entwickelt haben. Im Kern geht es um die Erfassung, Ordnung und Sortierung großer Datenmengen wie sie zum Beispiel in der medizinischen Forschung, in der Gentechnik oder bei groß angelegten Langzeitstudien anfallen. Laut einem Bericht der Zeitschrift "Time" soll Calico in erster Linie Daten zu typischen Alterserkrankungen weiterverarbeiten.

In einem Interview des Magazins bemühte sich Page, möglicherweise überraschte Aktionäre zu beruhigen: Die Investitionen in das neue Unternehmen seien "sehr gering im Vergleich zum Kerngeschäft", sagte er. Die "Time"-Journalisten selbst bewerteten den Vorstoß dagegen als Sensation: Sie machten das gemeinsame Projekt von Google und Apple zur Titelgeschichte der aktuellen Ausgabe.

Bei manchem Leser dürfte die Aufmachung Verwunderung hervorrufen. "Kann Google den Tod lösen?", fragt die Zeitschrift und gibt selbst die Antwort: "Das wäre verrückt - wenn es sich nicht um Google handeln würde". Das Magazin beschreibt den kalifornischen Internetkonzern als eines der "erfolgreichsten, allgegenwärtigsten und in zunehmenden Maße wunderlichen Unternehmen auf diesem Planeten". Dass Google nun auch das Leben verlängern will, passe da ins Bild.

"Seltsam oder spekulativ"

Die Unsterblichkeit fungiert dabei eher als hoch gesteckte Vision und nicht als konkretes Geschäftsmodell. Wie genau die Calico-Mitarbeiter vorgehen sollen, ist noch unklar. Im Prinzip soll Calico die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen verbessern und sich dabei besonders mit dem Älterwerden und den damit einhergehenden Krankheiten beschäftigen. Die Forscher sollen über den Tellerrand schauen und das scheinbar Unmögliche wagen, lautet der Auftrag. Viel konkreter wird es nicht.

Das sei etwas völlig anderes als das, was Google heutzutage mache, räumte Google-Chef Page ein. Es gebe aber "ein unglaubliches Potenzial für Technologie im allgemeineren Sinne, das Leben der Menschen zu verbessern. Also seid nicht überrascht, wenn wir in Projekte investieren, die seltsam oder spekulativ anmuten verglichen mit unserem bestehenden Internetgeschäft."

Sein Geld verdient Google vor allem mit Werbung im Internet, etwa bei der namensgebenden Suchmaschine. Wollen Firmen neben der Trefferliste erscheinen, müssen sie zahlen. Mittlerweile verkauft der Konzern auch sehr erfolgreich Werbeanzeigen auf fremden Websites.

Milliarden Dollar Schwungmasse

Daneben hat Google seine Fühler in allerlei Richtungen ausgestreckt, oft mit großem Erfolg: Das Unternehmen stellt mit "Android" das führende Smartphone-Betriebssystem, entwickelt mit "Chrome" einen weit verbreiteten Internetbrowser, betreibt mit "Gmail" einen der bekanntesten E-Mail-Dienste und hat mit "Google Maps" und "Google Earth" einen Standard für digitale Kartendarstellung im Internet geschaffen.

Mit den Einnahmen - zuletzt lagen mehr als 54 Milliarden Dollar (40 Mrd. Euro) in der Kasse - hat Google eine Spielwiese für Freidenker geschaffen. Der Konzern steckt Geld in Ideen, die sich nicht unbedingt auf kurze Sicht rechnen müssen. So ist Google ein Pionier bei selbstfahrenden Autos und will mit Funk-Ballons das Internet in abgelegene Regionen der Erde bringen. "Moon Shots" heißen diese Vorhaben im Englischen, im Deutschen würde man wohl "Leuchtturm-Projekte" sagen.

Grünes Licht von Apple

So ein "Moon Shot" ist die Gesundheitsfirma Calico. Chef wird mit Art Levinson einer der gegenwärtig bekanntesten Biotechnologie-Manager der USA. Die weitreichenden Visionen von Larry Page hätten ihn inspiriert, begründet Levinson sein Engagement. Sogar Apple-Chef Tim Cook, sonst nicht gerade ein Google-Freund, gab diesem Projekt seinen Segen. Das war nötig, weil Levinson zugleich Verwaltungsratschef bei dem iPhone-Konzern ist. Doch Cook unterstützt das Doppel-Engagement.

"Ich bin sicher, dass wir Millionen Leben verbessern können", sagt Google-Chef Page. Mit schnellen Ergebnissen rechnet er allerdings nicht. Der Zeithorizont sind zehn bis zwanzig Jahre. Das erfordert einiges an Durchhaltevermögen. Kein anderes Unternehmen im Silicon Valley hätte ein solches Unterfangen starten können, merkte das "Time"-Magazin dazu an: "Die kleineren Läden haben das Geld nicht, den größeren fehlt das Rückgrat."

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen