Wirtschaft
"Probleme werden durch einen 'Grexit' nicht gelöst.
"Probleme werden durch einen 'Grexit' nicht gelöst.(Foto: dpa)

Deutsche Wirtschaft gelassen: "Grexit" schockt kaum noch

Verlässt Griechenland die Eurozone? Auch in der deutschen Wirtschaft gibt es entsprechende Planspiele. Die wichtigen Wirtschaftsverbände halten einen "Grexit" für verkraftbar. Der Kreditversicherer Euler Hermes rechnet mit Lieferproblemen.

Die deutsche Wirtschaft fordert eine rasche Entscheidung über die Zukunft Griechenlands, auch wenn dies ein Ausscheiden aus dem Euro ("Grexit") bedeuten würde. Bayer-Chef Marijn Dekkers sowie der Versicherungsverband GDV mahnten, jetzt müssten die Unwägbarkeiten endlich beendet werden. Der Außenhandelsverband BGA und der Industrieverband BDI halten die Folgen eines "Grexit" für verkraftbar. Am Ende entscheide darüber aber die griechische Regierung, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer.

Video

Der Kreditversicherer Euler Hermes rechnet bei einer Staatspleite Griechenlands und der Einführung von Kapitalverkehrskontrollen mit Lieferschwierigkeiten in vielen Branchen. Die Warenproduktion in Griechenland sei stark abhängig von Importen, sagte Euler-Hermes-Chefvolkswirt Ludovic Subran. "Und dort würde es zu Lieferstörungen kommen."

Die am meisten betroffenen Branchen wären Computer-Produkte und Elektrogeräte sowie Metalle und Chemikalien. Aber auch Geschäfte mit Maschinenteilen, Motoren, Textilien und Pharmazeutika würden beeinträchtigt werden. GDV-Präsident Alexander Erdland sagte: "Wir wünschen uns eine für beide Seiten tragfähige Lösung, um Griechenland im Euro zu halten." Das dürfe aber kein Selbstzweck sein. Entscheide sich die Regierung in Athen gegen einen Reformkurs, "dann ist das auch eine Entscheidung gegen den Euro". Dann müssten daraus Konsequenzen gezogen werden.

"Grexit löst Probleme nicht"

DIHK-Präsident Schweitzer warnte: "Es geht um den politischen Zusammenhalt Europas". Die Probleme des Landes würden durch einen "Grexit" nicht gelöst. Letztlich gelte aber: "Über den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone entscheidet die Bereitschaft der griechischen Regierung, die notwendigen Veränderungen vorzunehmen."

BDI-Präsident Ulrich Grillo bereits am Donnerstag gesagt, sollte es zu einem Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro kommen, werde die hiesige Wirtschaft auch das verkraften. Bayer-Chef Dekkers warf in der "Bild"-Zeitung die Frage auf, ob das Land wirklich gerettet wäre, wenn es im Euro bliebe.

Die Staats- und Regierungschefs der Eurozone wollen am Montag versuchen, doch noch eine Lösung des Streits um Reformen im Gegenzug für weitere Hilfen an Griechenland zu finden. Mit den Reformen wollen die Geldgeber die griechische Wirtschaft wettbewerbsfähiger machen. Athen lehnt aber viele Sparmaßnahmen kategorisch ab.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen