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"Szenario ist beherrschbar": Grexit verliert an Schrecken

Die Verhandlungen zwischen Griechenland und der Troika laufen zäh - und keineswegs so gut, wie Athen dies zuletzt glauben machte. In Deutschland mehren sich nun die Stimmen, die einen Grexit völlig in Ordnung fänden.

Griechenland und seine Geldgeber verhandeln über ein neues Abkommen - Geld gibt es nur gegen Reformen. Syriza stellt die Geduld von IWF, EU und EZB auf eine harte Probe. Mittlerweile schließt etwa die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, einen Austritt der Griechen aus dem Euro nicht mehr aus. Mit dieser Meinung steht sie nicht allein.

Unionsfraktionsvize Michael Fuchs sieht einem möglichen Austritt gelassen entgegen. "Man muss die Dinge nüchtern sehen: Für die Eurozone ist das Grexit-Szenario beherrschbar", sagte der CDU-Mann der "Passauer Neuen Presse". Die EU habe mittlerweile "starke Finanzmarkt-Institutionen geschaffen, die das Ansteckungsrisiko gering halten".

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"Griechenland hat es selbst in der Hand, welche Entwicklung das Land nimmt", sagte Fuchs. Wenn die Regierung in Athen die vereinbarten Reformen nicht einhalte, könne die restliche Tranche nicht mehr ausgezahlt und auch kein weiteres Hilfsprogramm aufgelegt werden. "Das würde dann zum Grexit führen, dem Austritt Griechenlands aus dem Euro", warnte Fuchs die Regierung in Athen.

"Folgen beherrschbar"

Auch der CDU-Haushaltspolitiker Eckardt Rehberg sagte derselben Zeitung, er halte "die Folgen eines Grexits mittlerweile für beherrschbar". Die EU sei in einer anderen Situation als noch vor drei oder fünf Jahren. Der Euro-Rettungsschirm (ESM) sei voll funktionsfähig und die anderen Krisenländer der EU hätten sich stabilisiert. "Ein Grexit würde vor allem den Griechen schaden", mahnte Rehberg.

Er warf der linksgeführten griechischen Regierung "ein Spiel mit dem Feuer" vor. "Zu erwarten, dass sich ganz Europa nach den Wahlversprechen von Syriza richtet, halte ich für verwegen", kritisierte Rehberg.

Der Obmann der Unionsfraktion im Haushaltsausschuss, Norbert Brackmann, stellte derweil ein weiteres Hilfspaket für Griechenland in Aussicht. "Wir werden keine humanitäre Katastrophe in Griechenland zulassen", sagte der CDU-Politiker der "Bild"-Zeitung. "Deswegen werden wir in jeden Fall weiter zahlen müssen, unabhängig von einem dritten Hilfspaket."

CSU bringt Bundestag ins Spiel

Der Obmann der Unionsfraktion im Finanzausschuss, Hans Michelbach, brachte für die mögliche Auszahlung der ausstehenden letzten Tranche aus dem zweiten Hilfspaket eine Bundestagsabstimmung ins Gespräch. "Veränderungen der Vereinbarungen zur Auszahlung der letzten Tranche aus dem zweiten Hilfspaket sind wahrscheinlich. Deshalb sollte der Bundestag über die Auszahlung entscheiden", sagte der CSU-Mann der "Bild". Die Prüfung der Gäubiger-Troika müsse kontrolliert werden und die Verantwortung dafür müsse das gesamte Parlament haben.

Griechenland und die Gläubiger-Institutionen der EU und des IWF verhandeln seit mehreren Monaten mit Athen über die Konditionen, zu denen der pleitebedrohte Staat ausstehende Kredite in Höhe von 7,2 Milliarden Euro ausgezahlt bekommt.

Quelle: n-tv.de

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