Wirtschaft
Schilderwald im Süden Londons: Makler werben angesichts der hohen Nachfrage mit ihren Diensten.
Schilderwald im Süden Londons: Makler werben angesichts der hohen Nachfrage mit ihren Diensten.(Foto: REUTERS)

Bautätigkeit ungebremst: Großbritannien droht die Immobilien-Blase

In Großbritannien ist die Häuser-Nachfrage ungebrochen. Selbst verschärfte Regeln bei der Kreditvergabe bremsen diese bislang kaum. Die Notenbank will nun entscheiden, ob der Markt abgekühlt werden müsse. Erste Banken haben bereits reagiert.

Ungeachtet der schärferen Auflagen bei der Vergabe von Hypothekendarlehen hält in Großbritannien die starke Nachfrage nach Häusern an. Auch die Bautätigkeit boomt auf der Insel. Nach Erhebungen des Hypothekenfinanzierers Nationwide Building Society stiegen die Häuserpreise im Mai im Vergleich zum Vormonat um 0,7 Prozent. Binnen Jahresfrist lagen die Preise um sogar um mehr als elf Prozent höher.

Die kräftig steigenden Häuserpreise haben die Sorge geweckt, dass Großbritannien in einer Preisblase steckt, die bei einer Rückkehr der Zinsen auf Normalniveau platzen könnte. Dies würde Kreditnehmern und Banken große Verluste bescheren. Die Finanzkrise in den USA hatte damit begonnen, dass die Häuserpreise über Jahre hinweg rasant gestiegen waren, bis ein plötzlicher Einbruch viele Kredite zum Platzen brachte, was das Bankensystem in eine Existenzkrise stürzte.

Rückgang der Kreditbewilligungen

Jüngste Daten der Bank of England zeigten, dass die Zahl der bewilligten Hypotheken im April den dritten Monat in Folge gesunken ist. Dies könnte ein Zeichen sein, dass die strikteren Vergabestandards zu greifen beginnen. Aber nach Ansicht von Nationwide-Chefökonom Robert Gardner ist es zu früh, um zu beurteilen, ob sich der Häusermarkt abkühlt. Er verwies außerdem auf die niedrigen Zinsen für neue Kredite und die gesunde Nachfrage nach Häusern.

Robert Wood, Großbritannien-Chefökonom der Berenberg Bank, führte den Rücksetzer bei den Hypothekenbewilligungen auf mögliche "Anfangsschwierigkeiten" mit den neuen Vergabestandards zurück, die im April in Kraft traten. Die Kreditnehmer werden strenger darauf geprüft, ob sie bei steigenden Zinsen noch die höheren Zins- und Tilgungsraten leisten können.

Experte: Neue Regeln bremsen nur kurz

"Die schärferen Hypothekenregeln haben den Bewilligungsprozess von neuen Hypotheken gestört, doch sie scheinen nur einen geringen Effekt auf die Nachfrage zu haben", sagte Wood. Dieser Druck von der Nachfrageseite wurde in dieser Woche von der neuen Markit-Umfrage unter Baufirmen untermauert. Der Einkaufsmanagerindex weist seit über einem Jahr auf ein Wachstum in der Bauindustrie hin.

Die Bank of England wird in diesem Monat entscheiden, ob sie Schritte zur Abkühlung eines Marktes setzt, der zu überhitzen droht. So kann die Notenbank etwa Grenzen festlegen, wie hoch sich potenzielle Hauskäufer verschulden dürfen.

Mit der Lloyds Banking Group hat ein Geldinstitut bereits erklärt, dass sie Käufern in London Kredite nur noch bis zum Vierfachen des Jahresgehalt gewähren wird, wenn diese mehr als 500.000 Pfund für den Hauskauf leihen wollen.

Ermutigung von der EU

Die EU-Kommission hatte in einem Bericht zur britischen Wirtschaft der Regierung in London empfohlen, den Bau von neuen Häusern anzukurbeln, um den Mangel an bestehenden Häusern zu beheben, der zum Preisanstieg beiträgt.

Außerdem fügte die Kommission hinzu, die Minister sollten erwägen, das "Help-to-Buy"-Programm zu stutzen. Dieses Programm ermöglicht Hauskäufern mit geringen Eigenkapital, große Hypotheken aufzunehmen. Für Premier David Cameron ist das "Help-to-Buy"-Programm aber ein wichtiger Teil seiner Wirtschaftspolitik.

Quelle: n-tv.de

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