Wirtschaft

Bahn-Aufsichtsratssitzung fällt aus: Grube bläst Teilverkauf von Töchtern ab

Die Deutsche Bahn hat derzeit viele Baustellen - sie ist auf dem Weg zur Rekordverschuldung. Wegen des Gewinneinbruchs im Personen- und vor allem Schienengüterverkehr werden Minderheitsanteile an Konzerntöchtern vorerst nicht veräußert.

Rüdiger Grube hat derzeit nicht viel Gutes zu berichten.
Rüdiger Grube hat derzeit nicht viel Gutes zu berichten.(Foto: dpa)

Die Deutsche Bahn stößt beim geplanten Teilverkauf ihres internationalen Geschäfts auf Widerstand. "Wir haben uns entschlossen, dass wir das nicht übers Knie brechen", sagte Konzernchef Rüdiger Grube beim Neujahrsempfang des Unternehmens in Berlin. Die Sonder-Aufsichtsratssitzung am 8. Februar werde daher ausfallen. Dort sollte der Beschluss über einen Verkauf von Minderheitsanteilen an der Logistik-Tochter DB Schenker und des internationalen Personenverkehrs von Arriva gefasst werden. Beide zusammen stehen für mehr als die Hälfte des Bahn-Umsatzes.

"Wir gehen nicht in eine Aufsichtsratssitzung, wenn wir nicht wissen, was rauskommt", sagte Grube. In dem Gremium stehen vor allem Regierungsvertreter seinen Plänen skeptisch gegenüber. Ursprünglich hatte ein Beschluss schon im vergangenen Jahr fallen sollen. Doch wegen Skepsis im Verkehrsministerium sowie Widerstands in der SPD war auch dieser Zeitplan bereits aufgegeben worden. Der Bahn-Vorstand will aber an dem Vorhaben festhalten. Das Thema werde nun in einer der nächsten Aufsichtsratssitzungen behandelt.

Die Bahn braucht die Erlöse aus einem Teilverkauf, um die eigenen Investitionen bezahlen zu können. Wegen des Gewinneinbruchs im Personen- und vor allem Schienengüterverkehr kann sie dies aus eigener Kraft nicht mehr stemmen. Grube sprach von 20 Milliarden Euro, die man in den kommenden Jahren investieren wolle. "Um aber den deutlichen Anstieg unserer Verschuldung bis 2020 zu begrenzen und somit die finanzielle Stabilität unseres Konzerns abzusichern, haben wir unseren Eigentümern und Aufsichtsrat die Kapitalbeteiligung empfohlen", sagte Grube.

Bahn steuert auf Rekordverschuldung zu

Im Jahr 2015 hat Konzernkreisen zufolge die Bahn nach vielen Jahren erstmals wieder einen Verlust eingefahren. Die Verschuldung wird zudem in den nächsten Jahren ein Rekordniveau von über 20 Milliarden Euro erreichen.

Der Konzern steht von vielen Seiten unter Druck: Im Schienengüterverkehr verliert der einstige Monopolist ständig Marktanteile und fährt Verluste ein. Daher sollen mehrere Tausend Stellen abgebaut werden. Im Fernverkehr macht die wachsende Zahl von günstigen Fernbussen dem Unternehmen zu schaffen. Zudem fahren die Züge so unpünktlich wie lange nicht mehr.

Grube räumte ein, auch der Service und die technische Zuverlässigkeit ließen zu wünschen übrig. Hier soll das Jahr 2016 eine Wende bringen. Im zweiten Halbjahr werde es beispielsweise auch in der zweiten Klasse kostenloses WLAN geben.

Quelle: n-tv.de

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