Wirtschaft
Kermit läutet am Montag den Handelsbeginn ein.
Kermit läutet am Montag den Handelsbeginn ein.(Foto: REUTERS)

Inside Wall Street: Grün und blau

Von Lars Halter, New York

Farbenlehre an der US-Börse: Am St. Patrick's Day eröffnet Kermit der Frosch den Handel. Immerhin sind anschließend die Vorzeichen grün. Doch nach dem Feiern folgt nicht selten der Kater. Doch auch wer richtig blau ist, kann auf Hilfe hoffen.

An der Wall Street sieht man gerne grün. Und in dieser Woche gibt es besonders viel davon. Pünktlich zum grün-grün-grünen St. Patrick's Day, an dem die Iren ganz New York mit Kleeblättern schmücken, läutete Kermit die Eröffnungsglocke an der NYSE und gab den Startschuss für den ersten "grünen" Tag nach einer Woche voller Verluste. Viele begossen das am Abend in einer irischen Bar und waren am nächsten Tag - nun ja, blau.

"Blau sein" ist für die amerikanische Wirtschaft ein teurer Spaß. Zwar gibt es keine zuverlässigen Studien darüber, wie viele Amerikaner am Tag nach St. Patrick´s wegen Kopfschmerzen und anderer Alkohol bedingten Schwierigkeiten nicht zur Arbeit erschienen sind. Doch sind sich Experten einig: Über ein ganzes Jahr gerechnet entfallen in den USA Millionen von Arbeitsstunden wegen durchzechter Nächte.

Nicht nur für die Wirtschaft sind die Folgekosten von Partynächten hoch. Laut dem "American Journal of Preventive Medicine" kostet exzessives Trinken jedes Jahr 80.000 Menschenleben - hinzu kommen 223 Milliarden Dollar an Kosten. Ein großer Teil entfällt auf die Notfallversorgung und die medizinische Kurzzeitpflege von Alkoholleichen - aber auch Gerichtskosten, Polizeieinsätze sowie der Sachschaden bei Unfällen wurden eingerechnet.

Spezial-Kuren für den klaren Kopf

Angesichts dieser Zahlen ist es nicht überraschend, dass sich in den USA eine veritable Anti-Kater-Industrie entwickelt hat. Die hält zahlreiche Mittel bereit, dank derer sich auch nach durchzechter Nacht am nächsten Tag wieder arbeiten lässt: Ob einfache Tabletten von Alka-Seltzer oder spezielle Tinkturen mit Namen wie "Blowfish" - sie alle versprechen schnelle Hilfe und generieren bereits rund 800 Millionen Dollar Umsatz im Jahr. Hinzu kommt ein guter Teil der Milliardenumsätze, die bereits mit herkömmlichen Schmerztabletten und mit Energydrinks eingefahren werden - auch die zählen unter erfahrenen Partytrinkern zu den festen Zutaten eines wirksamen Katerfrühstücks.

Relativ neu indes ist eine aufwendige (und teure) Kater-Kur, bei der sich Patienten intravenös Salze und Vitamine geben lassen, um den angeschlagenen Körper schnell wieder in Form zu bringen. In Miami und Chicago gehören solche Kuren zu den meistgefragten Dienstleistungen in spezialisierten Praxen. Jack Dybis, einer der Gründer des IVme-Spa in Chicago stellt fest: "Die Sache lohnt sich, wenn man am nächsten Morgen ein wichtiges Business-Meeting hat." 139 Dollar sind für die Behandlung fällig. Kein allzu hoher Betrag für jemanden, dessen klarer Kopf unter Umständen über die weitere Karriere entscheidet.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen