Wirtschaft
Sollten uns darauf einstellen: Göring-Eckart hält drittes Athen-Hilfspaket für unausweichlich.
Sollten uns darauf einstellen: Göring-Eckart hält drittes Athen-Hilfspaket für unausweichlich.(Foto: picture alliance / dpa)

Göring-Eckardt: Grexit-Debatte naiv: Grüne rechnen mit drittem Hilfspaket

Noch sind nicht alle Tranchen des zweiten Hilfpakets an Athen überwiesen, da wird bereits über ein neues spekuliert. Dass darüber diskutiert werden muss, ist für die Grünen klar. Denn ein Grexit hätte nur schwer zu kalkulierende Folgen.

Als erste deutsche Politikerin spricht Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt offen über weitere Hilfen für Athen. "Wir sollten uns alle auf ein drittes Hilfspaket einstellen", sagte sie der "Welt am Sonntag". Sie sehe nicht, "dass Griechenland schon im Frühsommer auf eigenen Beinen steht."

Gleichzeitig warnte die Politikerin Athen vor einer Annäherung an Russland. "Die griechische Regierung ist gut beraten, für kurzfristige Vorteile nicht die Spaltung Europas zu riskieren", sagte sie. Am Mittwoch will Athens Regierungschef Alexis Tsipras nach Moskau reisen.

Irritiert zeigte sich Göring-Eckardt über die zahlreichen Nein-Stimmen aus der Unionsfraktion bei der Verlängerung des zweiten Hilfspakets Ende Februar und bot Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihre Unterstützung an. Falls ein drittes Hilfsprogramm tragfähig sei, würden die Grünen ihrer Verantwortung gerecht werden. "Für uns steht die Politik für Europa im Vordergrund und nicht die Oppositionsrolle", sagte die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag.

"Grexit würde Europa destabilisieren"

Sie könne verstehen, wenn Tsipras mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über günstigere Energiepreise rede. "Und ich kann auch verstehen, wenn sich beide fragen: Was folgt, wenn im Juni die Sanktionen auslaufen, die Europa in der Ukraine-Krise gegen Moskau verhängt hat? Für die griechische Landwirtschaft sind diese Exporte zentral. Was allerdings gar nicht geht, ist der Versuch, Griechenland zwischen Europa und Russland zu positionieren", sagte Göring-Eckardt. "Ich habe allerdings auch nicht den Eindruck, dass Athen eine Pendeldiplomatie betreiben will wie Nikosia 2013 in der Zypern-Krise."

Eindringlich warnte sie vor einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Ein solcher Schritt würde "Europa nach innen und nach außen destabilisieren", sagte sie. "Weitere Krisenstaaten würden womöglich auch darüber nachdenken, den Euro zu verlassen." Es gehe zudem um das gemeinsame Europa. "Ich halte es für naiv zu sagen, ökonomisch könnten wir einen Grexit verkraften", sagte Göring-Eckardt. "Europa müsste bei allem von vorne anfangen. Wir müssten die Verträge neu verhandeln."

Quelle: n-tv.de

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