Wirtschaft
Seit gut einem Jahrzehnt beschäftigte die Pleite des Konzerns des inzwischen verstorbenen Leo Kirch (l.) die Justiz.
Seit gut einem Jahrzehnt beschäftigte die Pleite des Konzerns des inzwischen verstorbenen Leo Kirch (l.) die Justiz.(Foto: picture alliance / dpa)

Kirch vs. Deutsche Bank: Gutachter ermittelt Schaden

Seit zehn Jahren streiten das Finanzinstitut und die Erben Kirchs um die Pleite des Medienimperiums. Die Verständigung auf einen Wirtschaftsexperten ist wahrscheinlich ein seltener Moment der Eintracht - und bedeutet, dass das Verfahren noch Monate dauert.

Im seit Jahren erbittert geführten Schadenersatzprozess um die Pleite des Kirch-Konzerns haben sich die Deutsche Bank und die Erben des Medienunternehmers auf einen Gutachter geeinigt. Innerhalb eines Jahres soll nun der Essener Wirtschaftsprüfer Lars Franken die Höhe des von der Deutschen Bank verursachten Schadens ermitteln, wie das Oberlandesgericht München entschied. Mit der Begutachtung wird er frühestens im November beginnen und hat dann acht Monate Zeit. Sollte das nicht reichen, kann er um eine Verlängerung bitten. Damit dürfte nicht vor der zweiten Jahreshälfte 2014 klar sein, wie viel Geld die Bank auf den Tisch legen muss. Die Kirch-Seite zahlt für den Gutachter als Vorschuss eine Viertel Million Euro.

Die Bank hatte zuvor dem von der Kirch-Seite vorgeschlagenen Sachverständigen zugestimmt, nachdem sie zuvor noch für einen eigenen Kandidaten plädiert hatte. Richter Guido Kotschy behielt sich vor, später weitere Gutachter hinzuzuziehen.

Beide Seiten streiten seit mehr als zehn Jahren

Der Kirch-Konzern war 2002 pleite gegangen. Das Oberlandesgericht sieht es als erwiesen an, dass Äußerungen des früheren Deutsche-Bank-Chefs Rolf Breuer das Ende des Imperiums besiegelten. Breuer hatte damals kurz vor der Pleite in einem Interview indirekt Zweifel an der Kreditwürdigkeit Kirchs geäußert.

Das Gericht verurteilte das Institut im vergangenen Dezember grundsätzlich zu Schadenersatz und schloss eine Revision vor dem BGH aus. Dagegen legte die Bank eine Nichtzulassungsbeschwerde beim BGH ein, über deren Annahme in diesem Jahr wohl nicht mehr entschieden wird. Ein Vergleich der Bank mit den Kirch-Erben war im vergangenen Jahr gescheitert. Die Deutsche Bank wollte Zahlungen an die Erben in Höhe von 775 Millionen Euro nicht akzeptieren. Das Münchner Gericht will unterdessen bereits die konkrete Schadenshöhe ermitteln. Die Kirch-Erben verlangen insgesamt zwei Milliarden Euro von der Deutschen Bank.

Der Streit zieht sich bereits seit mehr als Jahre. Mehrere Vergleichsversuche sind gescheitert. Breuer hat stets beteuert, er habe mit seinem Interview Anfang Februar 2002 keinen Druck auf Kirch aufbauen oder ihm schaden wollen. Auf die Frage nach den Zukunftschancen des hochverschuldeten Kirch-Konzerns hatte der Manager seinerzeit gesagt: "Was man alles lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder sogar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen."

Franken steht Mammutaufgabe bevor

Doch das Gericht ist nicht der einzige Austragungsort der Fehde:  Im April musste das Finanzinstitut erstmals in ihrer Geschichte eine außerordentliche Hauptversammlung halten. Die Kirch-Erben hatten sich gerichtlich durchgesetzt und die Beschlüsse erfolgreich angefochten. Inzwischen laufen bereits neue Anfechtungsklagen gegen die Beschlüsse der Hauptversammlungen, sowohl der außerordentlichen als auch der regulären.

Lars Franken von der Essener Wirtschaftsprüfungsgesellschaft IVC Independent Valuation & Consulting muss nun vor allem klären, wie hoch der Marktwert der von Kirch gehaltenen ProSiebenSat.1-Stammaktien war, die der Insolvenzverwalter nach der Pleite des Medienimperiums verkaufen musste. Zudem soll er klären, wie hoch der Abschlag gewesen sein dürfte, den Kirch angesichts seiner Lage bei dem Verkauf hinnehmen musste. Auf der Kirch-Seite schätzt man den Schaden auf fast 1,5 Milliarden Euro.

Leo Kirch war 2011 verstorben und hatte die Bank für den Zusammenbruch seines Konzerns verantwortlich gemacht.

Quelle: n-tv.de

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