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Die Welt verbessern mit Espandrillos: Gute Taten sollen Rendite bringen

Von Carola Ferstl, Davos

Auf dem Weltwirtschaftsforum streiten Weltverbesserer auf Unternehmenslenker um den richtigen Kurs für die Zukunft. Einig sind sie sich nicht, aber Ideen zur Rettung des Planeten und seiner Bewohner gibt es reichlich.

In einer Suppenküche in Buenos Aires werden "Tom's"-Shuhe an Arme verteilt.
In einer Suppenküche in Buenos Aires werden "Tom's"-Shuhe an Arme verteilt.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

"Muss nur mal schnell die Welt retten..." so ähnlich wie der flotte Tim Benzko, Sänger dieses Ohrwurms kommt der Kalifornier Blake Mycoskie daher. Aus seinem Mund klingt die Idee des Social Business wie ein Strandspaziergang im Sonnenuntergang: Auf einer Argentinienreise half er, gebrauchte Schuhe zu sammeln, um sie dann bedürftigen Kindern zu geben, die damit den Weg zu Schule antreten können. Dieses Erweckungserlebnis brachte ihn auf die Idee, lokal herstellte Espandrillos für teures Geld in Kalifornien zu verkaufen. Und für jedes verkaufte Paar spendet er ein Paar für Kinder in Not.

Nach acht Jahren hat er so mit seiner Firma Tom's Shoes sage und schreibe 10 Millionen Schuhe Kindern geschenkt und nebenbei mit Artikeln in der Vogue und diversen anderen Magazinen die Bekanntheit seiner Marke ganz ohne Marketingbudget soweit gesteigert, dass er nun weltweit expandiert. Nächsten Sommer werden wir die ersten Fashionistas in Deutschland sicher auch in quietschbunten Tom's durch Berlin und München flanieren sehen.

Was wird aus dem Kapitalismus?

n-tv Moderatorin Carola Ferstl.
n-tv Moderatorin Carola Ferstl.(Foto: Privat)

Der Vater der Social-Business-Bewegung und inspirierender Vordenker Muhamad Yunus, sitzt derweil auf dem Podium des Pinchuk Philanthropic Roundtables und diskutiert über die Zukunft des Kapitalismus per se. Der Nobelpreisträger und Banker aus Bangladesh wird nicht müde in diesen Tagen in Davos, in seinen Reden das Gute mit dem Ertrag zu verbinden. Nur so könnten nachhaltige Geschäftsmodelle entstehen, die die Probleme in der Welt bekämpfen. Er selber hat das in seinen Partnerschaften mit Großunternehmen bewiesen. Mit Danone verkauft er vitaminangereicherten Yoghurt in Bangladesh und bekämpft die Mangelernährung, mit Adidas produziert er Schuhe, die sich jeder leisten kann, für die Menschen, die sich über die nackten Fußsohlen mit Krankheiten infizieren. Blake von Tom's kennt er natürlich auch schon, gemeinsam will man über neue Möglichkeiten des Social Business bei Mikrokrediten nachdenken.

Etwas anders sieht es naturgemäß der zweite Big-Shot auf dem Podium der Big-Spender, Bill Gates. Das Entwickeln von Geschäftsideen überlässt er nach seiner Microsoft Zeit anderen. Er hat mit seiner Stiftung in den vergangenen 20 Jahren 27,6 Milliarden Dollar an karitative Stellen gespendet oder zugesagt. Er sieht die Reichen dieser Welt in der Pflicht, etwas von ihrem Geld abzugeben, die anderen Philanthropen in der ersten Reihe des Saales, nicken ihm zu. Gates gibt sich optimistisch. Nach seiner Meinung wird es im Jahr 2035 fast keine armen Länder mehr auf der Welt geben.

Geld verdienen mit guten Taten

Gemeinsam mit Tony Blair als Moderator, der sich selbst gern mal auf die Schippe nimmt und dem braungebrannten Richard Branson, der irgendwie immer mehr Ähnlichkeit mit Reinhold Messner bekommt, diskutiert die Runde noch engagiert weiter, während nebenan die virtuellen Bleistifte gespitzt werden und zum Geldverdienen geblasen wird.

Denn seit einiger Zeit muss man nicht mehr Bill Gates oder ein selbstloser Gutmensch sein, um im Weltverbesserer-Geschäft mitzumischen. Ganz normale Investoren, Banken und Vermögensverwalter entdecken das sogenannte Impact Investing als neue Anlageklasse, mit dem sich unverholen Rendite machen lässt. Auf bis zu 500 Milliarden Dollar soll der Markt in diesem Jahrzehnt anwachsen. Dagegen sieht selbst Microsoft Gründer Gates klein aus. Das Label Impact investment bekommt alles, was irgendwie zur Verbesserung der Lebensbedingungen beiträgt. Ob Luft, Wasser oder Energieversorgung, Ausbildung oder Ernährung. Nachhaltig und umweltschonend muss es sein. Ist das die Zukunft des Kapitalismus? Nach den Auswüchsen der vergangenen Jahre eine schöne Idee. Eine Arbeitsanleitung für Impact Inevetment hat das WEF gerade in einer groß angelegten Studie herausgebracht.

Auf dem Philanthropic Roundtable des reichen Ukrainers Viktor Pinchuk wird aber plötzlich schmerzlich klar, dass neben allen kapitalistischen Ideen zur Bekämpfung von Armut und Ungleichheit zwei wichtige Faktoren nicht fehlen dürfen: Freiheit und Demokratie. Die stehen in der Ukraine im Moment auf dem Spiel. Und sekundenschnell könnten Geldströme von Spendern und Investoren, Weltverbesseren und Unternehmern einfrieren und jahrelange Aufbauarbeit zunichte machen. 

Bleibt zu hoffen, dass der Aufruf Pinchuks an alle Teilnehmer zu einer Schweigeminute für die Opfer in Kiew einen positiven Impact haben wird.

Quelle: n-tv.de

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