Wirtschaft
Und um wie viel wachsen wir nächstes Jahr?
Und um wie viel wachsen wir nächstes Jahr?(Foto: picture alliance / dpa)

Ökonomen-Barometer: Gutes neues Jahr

Von Sonja Funke

Mit verhaltener Zuversicht blicken führende Volkswirte auf die Konjunkturentwicklung im neuen Jahr. Es dominieren zwei gegenläufige Effekte. Die Wunschmarke der EZB dürfte die Inflation wieder nicht erreichen.

Es wird alles besser im neuen Jahr. Zumindest ein bisschen. Diese Hoffnung eint die führenden deutschen Volkswirte im Ökonomen-Barometer von Euro am Sonntag und dem Nachrichtensender n-tv. 

Die Zeichen für die kommenden zwölf Monate stehen auf Erholung.
Die Zeichen für die kommenden zwölf Monate stehen auf Erholung.

Die Prognose für die kommenden zwölf Monate liegt weiterhin leicht über dem aktuellen Stand, was eine leicht positive Entwicklung für das kommende Jahr erwarten lässt. Damit halten sich die Aussichten für die Konjunkturentwicklung im Dezember weiter auf hohem Niveau. Die Prognose liegt mit minus 0,3 Prozent nahezu unverändert zum Vormonat bei 63,1 Punkten (November: 63,4).

Etwas schlechter verhält es sich mit Einschätzung der aktuellen Lage: Der Wert sank im Dezember leicht. Nach 62,2 Punkten liegt der Barometerstand zum Jahresende bei 61,6 Punkten. Ein Minus von 0,6 Punkten.

Robuste Konjunktur

Für 2016 erwarten die befragten Ökonomen hierzulande eine Wachstumsrate von 1,5 Prozent. Für das laufende Jahr hatten sie ein Plus von 1,0 Prozent vorhergesagt. Laut des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) werden aktuell 1,8 Prozent für das laufende Jahr und 1,9 Prozent für das kommende Jahr erwartet. 

Die Zuversicht der befragten Volkswirte für das neue Jahr deckt sich mit den jüngsten Daten des Ifo-Instituts. Trotz eines leichten Dämpfers im Dezember bleibt die Stimmung in der deutschen Wirtschaft weiter hervorragend. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank zwar von 109,0 Punkten im November auf 108,7 Punkte, da die befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage nicht mehr ganz so gut wie im Vormonat beurteilten.

Der Optimismus mit Blick auf das kommende halbe Jahr blieb aber unverändert groß. Die Erwartungen der Industriefirmen hätten sich merklich verbessert, die Unternehmen ihre Produktionspläne nach oben korrigiert. "Ein besseres Ergebnis hätte man sich zu Weihnachten kaum wünschen können", sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

Auf die von Euro am Sonntag und n-tv gestellte Frage, ob sich die jeweilige Einschätzung der konjunkturellen Lage im letzten Monat verändert habe, antwortete Wilfried Fuhrmann, Inhaber des Lehrstuhls für Makro-ökonomische Theorie und Politik an der Universität Potsdam: "Es dominieren zwei gegenläufige Effekte: sinkende Nachfrage der Schwellenländer wie den BRIC-Staaten bei steigender geopolitischer Instabilität gegenüber steigender Binnennachfrage durch die Flüchtlingsfinanzierung."

Inflation unter zwei Prozent

Die Mehrheit der befragen Volkswirte sagt, die Investitionsquote in Deutschland sei zu niedrig.
Die Mehrheit der befragen Volkswirte sagt, die Investitionsquote in Deutschland sei zu niedrig.

Nachdem die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im November auf den niedrigsten Stand seit mehr als 24 Jahren gefallen war, erwarten die Volkswirte im Durchschnitt des Jahres 2016 eine Arbeitslosenzahl von 2,6 Millionen. Für 2015 hatten sie im Vorjahr noch 2,8 Millionen Arbeitslose vorhergesagt; damit haben sie den Jahresschnitt bisher treffend prognostiziert. Im November hatte die Zahl der Arbeitslosen bei nur noch 2,63 Millionen gelegen.

Die Inflationsrate wird nach Erwartung der Volkswirte auch im folgenden Jahr deutlich unter der Zwei-Prozent-Marke bleiben. Die EZB zielt mit ihrer Geldpolitik darauf ab, gerade unterhalb dieser Marke zu bleiben. Weniger als jeder 20. Ökonom erwartet, dass dies für Europa gelingt. Im Schnitt erwarten die Volkswirte für Deutschland eine Inflationsrate von knapp 1,01 Prozent und für Europa von 0,99 Prozent.

Mit deutlicher Mehrheit von 79 PRozent teilen die von Euro am Sonntag und n-tv befragten Experten indes die Einschätzung des DIW-Präsidenten Marcel Fratzscher, Deutschland gefährde mit mangelnden Investitionen langfristig seinen Wohlstand und seine Attraktivität als Wirtschaftsstandort. DIW-Chef Fratzscher hatte die Investitionslücke auf 100 Milliarden Euro beziffert und mehrere gravierende Schwächen des Standorts Deutschland genannt.

Forderung nach Reformen

"Über das Ausmaß der Lücke kann man diskutieren", sagt Dirk Schlotböller Chefvolkswirt der Deutschen Industrie- und Handelskammer. Doch der Befund bleibe: "Wir brauchen bessere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen für private Investitionen: Dazu gehören Bürokratieabbau, eine finanzierungsneutrale Besteuerung, Fachkräftesicherung sowie eine verlässliche Energiepolitik." 

Auch Thomas Gitzel, Chefökonom der VP-Bank, stimmt Fratzscher voll zu. Deutschland habe sich in den vergangenen Jahren in eine "Art von Winterschlaf" begeben. "Es wird Zeit, dass wir wieder aufwachen und der nachfolgenden Generation die richtigen Strukturen übergeben", sagte er.

Quelle: n-tv.de

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