Wirtschaft
Manuela Better geht im Streit.
Manuela Better geht im Streit.(Foto: picture alliance / dpa)

Abwicklung statt Verkauf: HRE-Chefin wirft hin

Paukenschlag bei der Hypo Real Estate (HRE): Abrupt beendet Manuela Better ihre Arbeit an der Spitze. Grund für den Rücktritt der 53-Jährigen die Abwicklung der Depfa.

Beim Nachfolgeinstitut der HRE-Pleitebank schmeißt die Chefin im Streit mit dem Bund den Bettel hin. Die bisherige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Pfandbriefbank AG, Manuela Better, tritt nach der beschlossenen Abwicklung des Staatsfinanzieres Depfa zurück. Better, die auch Chefin der Hypo Real Estate Holding AG ist, sieht nach eigenem Bekunden keine Basis mehr für die Ausübung ihrer Mandate. Die Aufsichtsräte hätten mit Bedauern dem Wunsch nach Entbindung von ihren Pflichten entsprochen, teilte das Geldinstitut nach einer Aufsichtsratssitzung mit.

Auslöser des Rücktritts war die überraschende Entscheidung des Bunds, Depfa nicht wie ursprünglich geplant zu verkaufen. Stattdessen entschied das Bundesfinanzministerium, dass über eine Abwicklung des Staatsfinanzieres in der Bad Bank der HRE ein höherer Wert realisiert werden kann. Die vom Staat gerettete HRE hatte Gebote einer Reihe von Bietern erhalten und mit einigen davon Verhandlungen geführt. Es war bereits durchgesickert, dass eine Transaktion kurz bevorsteht und mit rund 300 Millionen Euro bewertet werden könnte.

Better warnte vor Kollateralschäden

Doch das Finanzministerium entschied sich "gegen den ausverhandelten Verkauf" und "für die von mir nicht präferierte Abwicklung der Depfa", wie Better sich nun beklagte. Der Bund beauftragte damit den Bankenrettungsfonds. Die Bad Bank der HRE hatte bereits große Teile der Portfolien der Hypo Real Estate abgewickelt, zu der auch die Depfa gehört.

Better hatte die Entscheidung des Bundes zwar akzeptiert. Zugleich warnte sie, potenzielle Investoren könnten abgeschreckt werden, sich überhaupt an einem weiteren, aufwendigen Bieterverfahren zu beteiligen. Für dieses Risiko wolle sie nun nicht die Verantwortung übernehmen, sagten Vertraute. Gleiches gelte für die Eigenabwicklung der Depfa durch den Bund, die Better als äußerst riskant für den Steuerzahler betrachte.

Herber Schlag für den Bund

Video

Der Rücktritt Betters ist ein Rückschlag auch für den Bund. Die verstaatlichte Bank befindet sich mitten im Prozess der Reprivatisierung. Die HRE hatte fast zehn Milliarden Euro an frischem Kapital von der Bundesregierung erhalten, als sie Mitte 2008 kurz vor dem Zusammenbruch stand. Zusammen mit Garantien hatten sich die Hilfen auf mehr als 100 Milliarden Euro belaufen.

In der Deutschen Pfandbriefbank (pbb) sind jene Geschäfte gebündelt, die fortgeführt werden. Ein Großteil der alten HRE wurde dagegen 2010 zur Abwicklung in eine Bad Bank überführt. Nach den bisherigen Plänen sollte der Privatisierungsprozess der pbb bis Ende des Jahres 2015 abgeschlossen werden. Ob dieser Zeitplan ohne oder mit einem neuen Chef zu halten ist, bleibt fraglich.

Die "Koordination der Arbeit im Vorstand" übernimmt nun "bis auf weiteres" Finanzvorstand Andreas Arndt, wie die Bank mitteilte. Der Aufsichtsrat dankte Manuela Better ausdrücklich für ihre erfolgreiche Arbeit.

Kreise: SPD drängte zur Abwicklung

Die 53-Jährige war im Februar 2009 mitten in der Finanzkrise als Mitglied des Vorstands bestellt worden und zuerst für das Risikomanagement verantwortlich. Im März 2010 wurde sie zur Vorstandsvorsitzenden ernannt. Anfangs erschien sie vielen als wenig profiliert, doch sie schaffte den Turnaround. Erst Anfang Juni berichtetet das Institut über ein erfolgreiches erstes Quartal. Die Bank sah sich nach den Worten Betters im Plan, ihre Prognose für 2014 zu erreichen. Der Aufsicht lobte Better dafür, mit der erfolgreichen Restrukturierung der HRE und deren Tochtergesellschaften einen wertvollen Beitrag zur Aufarbeitung der Finanzkrise in Deutschland geleistet zu haben. Betters Vertrag wäre eigentlich erst im Februar 2017 ausgelaufen.

"Die Bundesregierung hat jetzt ein Problem", sagte der Grünen-Finanzpolitiker Gerhard Schick. Es dürfe keine Zeit verloren werden. Der neue Vorstand müsse schnell wieder Vertrauen aufbauen, um den Verkaufsprozess für das Nachfolgeinstitut der in der Finanzkrise kollabierten HRE nicht zu gefährden.

Nach Angaben aus Koalitionskreisen hatte vor allem die SPD auf die Eigenabwicklung gedrängt, weil sie sich dadurch mehr Gewinne für den Steuerzahler erhofft. Auch Schick gehörte zu den Befürwortern dieser Lösung. Dass die am Ende übergangene Better nun das Handtuch wirft, bezeichnete er als nachvollziehbar. "Denn es ging um eine Meinungsverschiedenheit mit dem Eigentümer in einer sehr zentralen Frage."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen