Wirtschaft

Comeback der Containerfrachter?HSH steckt den Kurs ab

26.05.2010, 11:28 Uhr

Die Schifffahrtsexperten der HSH Nordbank sehen einen Hoffnungsschimmer am Horizont. Ihrer Einschätzung nach zeichnet sich bei den Containerfrachtern eine Verbesserung der Lage ab. Noch immer liegen weltweit hunderte Schiffe leer und nutzlos vor Anker.

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Sichtbare Folgen der Wirtschaftsflaute: Leere Schiffe kosten Geld und Nerven. (Foto: picture alliance / dpa)

Die Containerschifffahrt arbeitet sich nach Einschätzung der HSH Nordbank aus der Krise heraus. Bis die Schiffe aber wieder Gewinne abwerfen und neben ihrem laufenden Betrieb auch ihre Finanzierungskosten bezahlen können, dürfte nach Ansicht des weltgrößten Schiffsfinanzierers noch einige Zeit vergehen. "Es gibt eine leichte Erholung in der Containerschifffahrt, aber es ist ein weiter Weg, bis wir auch wieder kapitaldienstdeckende Charterraten sehen werden", sagte Harald Kuznik, der die Schifffahrtssparte der Landesbank leitet. "Unsere Erwartung ist, dass die Containerschifffahrtsmärkte Ende 2011, Anfang 2012 wieder ausgewogen sein werden", fügte Kuznik hinzu.

Die Branche könnte sich allerdings auch etwas schneller erholen. Denn in diesem Jahr werde die Nachfrage nach Transportleistung um neun Prozent steigen, sagte der HSH-Experte. Die Welt-Containerflotte wächst dagegen nur um sechs Prozent. Derzeit liegen noch etwa sechs Prozent der Containerflotte ohne Beschäftigung an der Kette. Wegen verschobener Auslieferungen in den Werften falle die Erhöhung der Kapazitäten weniger dramatisch aus als befürchtet, erläuterte Kuznik. Von den ursprünglich für 2010 bestellten Schiffen dürften etwa 60 Prozent später ausgeliefert werden.

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Die 365 Meter lange und 51 Meter breite MSC "Daniela" nähert sich dem Containerterminal in Bremerhaven: Je stärker sich die Weltwirtschaft belebt, desto mehr Güter werden verschifft. (Foto: picture alliance / dpa)

Die Reeder hatten in vergangenen Jahren in der Aussicht auf steigenden globalen Warenaustausch massiv neue Schiffe bestellt und so Überkapazitäten geschaffen. In der Folge sanken die Frachtraten und damit die Gewinne der Reeder. Zudem brach die Nachfrage nach Transportleistung im Zuge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise massiv ein. Selbst Branchen-Insider mit jahrzehntelanger Erfahrung sprachen von nie dagewesenen Einbrüchen. Viele Reeder befinden sich deshalb in finanzieller Not. Mit ihnen leidet die gesamte Schifffahrtsbranche, unter anderem auch Schiffsbanken, Werften und nicht zuletzt die auf Schifffonds spezialisierten Emissionshäuser.

Nur minimales Neugeschäft

Die mit staatlicher Milliardenhilfe gestützte HSH Nordbank hält sich mit der Kreditvergabe zurück und konzentriert sich auf Kreditverlängerungen. "2010 werden wir nur minimales Neugeschäft machen, allerdings haben wir noch fünf Milliarden Euro an Kreditzusagen, die wir über die nächsten zwei bis drei Jahre abwickeln werden." Das Schiffsbuch von derzeit 34 Mrd. Euro - knapp acht Milliarden davon wurden in die eigene Bad Bank ausgelagert - werde in den nächsten Jahren schrumpfen. Kuznik betonte aber, dass es sich dabei nicht um schlechtere Darlehen handele, sondern dass die Bank diese Kunden nicht zu ihren Kerngeschäft zähle.

Durch die Zurückhaltung der HSH Nordbank und der ebenfalls vom Staat gestützten Commerzbank in der Schiffsfinanzierung eröffnen sich nach Meinung von Experten Möglichkeiten für die asiatische Konkurrenz. Chinesische Banken haben bereits angekündigt, dass sie sich das nicht entgehen lassen wollen.

Allerdings dürfte es noch dauern, bis Asien zum neuen Zentrum für Schiffsfinanzierungen wird. "Asiatische Banken verfügen noch nicht über ausreichend technisches Know-how und Marktkenntnisse", ist Kuznik überzeugt. Zudem fehlten ihnen noch die notwendigen Kundenbindungen. Als wichtige Konkurrenten, die sich stärker auf den Schifffahrtsmarkt engagieren wollen, gelten die Bank of China und Sumitomo Mitsui Financial aus Japan.

Quelle: rts