Wirtschaft

Millionen für Nonnenmacher: HSH will Abfindung zurück

Vier Mio. Euro Abfindung für den früheren HSH-Nordbank-Chef Nonnenmacher sorgen für öffentliche Empörung. Unter Druck willigt der Banker jetzt ein, das Geld zurückzuzahlen - aber nur, wenn er rechtskräftig verurteilt wird. Und damit rechnet Nonnenmacher nicht.

Dirk Jens Nonnenmacher macht sich keine Sorgen um seine Abfindung.
Dirk Jens Nonnenmacher macht sich keine Sorgen um seine Abfindung.(Foto: dapd)

Die HSH Nordbank will von ihrem früheren Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher vier Mio. Euro Abfindung zurück, falls er in seinem Kieler Verfahren rechtskräftig verurteilt wird. Der Aufhebungsvertrag zwischen Nonnenmacher und der Bank vom 15. Dezember 2010 wurde von beiden Seiten entsprechend geändert. Der Aufsichtsrat habe zugestimmt, teilte die Bank in Hamburg und Kiel mit. Dabei geht es um das Ermittlungsverfahren der Kieler Staatsanwaltschaft wegen falscher Verdächtigung oder Untreue im Zusammenhang mit der Entlassung des ehemaligen HSH-Vorstandsmitglieds Frank Roth.

Mit der Vereinbarung sei es der Bank gelungen, ihre Interessen in vollem Umfang nachhaltig zu wahren, sagte Aufsichtsratschef Hilmar Kopper. Rechtsexperten halten eine strafrechtliche Verurteilung Nonnenmachers jedoch für ungewiss. Auch Nonnenmacher selbst rechnet nicht damit, dass er seine Abfindung zurückzahlen muss. Nach gründlichem Studium der Ermittlungsakte der Kieler Staatsanwaltschaft sei er überzeugt, dass Nonnenmacher auch im Fall Roth stets pflichtgemäß und im Einklang mit geltendem Recht gehandelt habe, teilte sein Anwalt Prof. Heinz Wagner mit. Der frühere Bankchef habe einer Änderung des Aufhebungsvertrags zugestimmt, weil auf der Bank ein erheblicher politischer Druck laste. Dieser Druck hätte die Bank möglicherweise zwingen können, trotz Aussichtslosigkeit eine Klage gegen Nonnenmacher anzustrengen. "Prof. Dr. Nonnenmacher vertraut auf die Unabhängigkeit der Justiz und geht davon aus, dass das Ermittlungsverfahren alsbald eingestellt wird und damit die leidige Angelegenheit erledigt ist", teilte der Anwalt mit.

Roth war im Frühjahr 2009 entlassen worden, weil er angeblich interne Informationen an Medien weitergegeben haben sollte. Ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft gegen ihn wurde jedoch mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt. Später musste die Bank Roth vollständig rehabilitieren und eine hohe Abfindung leisten. Nun ermittelt die Kieler Justiz gegen den früheren Justiziar Wolfgang Gößmann und gegen Nonnenmacher, die von der Intrige gegen Roth gewusst haben könnten. Gößmann hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen, ebenso wie die mittlerweile insolvente Sicherheitsfirma Prevent, die ebenfalls in den Fall verstrickt ist.

Kritik an "Dr. No"

Gegen Nonnenmacher ermitteln nicht nur die Staatsanwälte in Kiel. Ihre Hamburger Kollegen haben Anklage gegen den gesamten früheren HSH-Nordbank-Vorstand erhoben, darunter auch Nonnenmacher. Dabei geht es um die zweifelhaften Geschäfte mit dem Codenamen "Omega", die der Bank hohe Verluste eingetragen haben. Die Anklage ist vom zuständigen Landgericht noch nicht angenommen worden. Dieses Verfahren hat jedoch mit der Abfindung nichts zu tun. Die Vorwürfe waren bereits im Dezember 2010 bekannt, als der Aufhebungsvertrag abgeschlossen wurde.

Der Manager, der 2007 in den HSH-Vorstand kam und Ende 2008 in den Chefsessel wechselte, hatte stets beteuert, in keine der Affären der Bank verwickelt zu sein. Doch vor allem aus den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein, die 85 Prozent an der kriselnden Bank halten, riss die Kritik nie ab.

Der intern "Dr. No" genannte Manager mit dem nach hinten gegelten Haar wurde daraufhin durch den langjährigen Investmentbanker Paul Lerbinger abgelöst, der inzwischen allerdings ebenfalls nicht mehr für die Krisenbank arbeitet. Lerbinger wurde nach weniger als zwei Jahren vor die Tür gesetzt. Seither führt Constantin von Oesterreich das Institut, er war zuvor Finanzchef der Bank.

Die HSH Nordbank hatte sich in der Finanzkrise mit Kredit- und Wertpapiergeschäften verspekuliert und musste vom Staat mit Milliardenhilfen vor dem Aus gerettet werden. Wegen der Staatshilfe musste die HSH auf Geheiß der EU zu einer Regionalbank schrumpfen, die Flugzeugfinanzierung und das globale Immobiliengeschäft aufgeben und die Schiffsfinanzierung zurückfahren. Wegen der Krise der Schifffahrt wird inzwischen darüber diskutiert, den staatlichen Garantierahmen wieder auf zehn Milliarden Euro aufzuspannen. Er war nach ersten Erfolgen bei der Sanierung der Bank unlängst auf sieben Milliarden verringert worden.

Quelle: n-tv.de

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