Wirtschaft
VW-Chef Winterkorn und der neue alte Audi-Entwickler Hackenberg (l.) neben dem VW-Concept L1
VW-Chef Winterkorn und der neue alte Audi-Entwickler Hackenberg (l.) neben dem VW-Concept L1(Foto: picture alliance / dpa)

VW greift bei Tochter durch: Hackenberg soll Audi die Krone sichern

Audi fährt bei Absatz und Profitabilität bereits vor Daimler. Bis 2020 will die VW-Tochter auch an BMW vorbei. Damit das gelingt, bekommt der Oberklasse-Hersteller einen neuen Entwicklungschef "verordnet". Doch so neu ist der gar nicht.

Europas größter Autobauer Volkswagen will seine Premiumtochter Audi auf dem Weg vorbei an BMW an die Oberklassespitze stärker an die Hand nehmen. Die Wolfsburger Konzernspitze tauscht deshalb den Entwicklungschef aus. So kehrt VW-Chefentwickler Ulrich Hackenberg nach sechs Jahren zu Audi zurück. Er soll im Rennen um die begehrte Krone unter den Premiumautobauern die Schlagzahl der Marke mit den vier Ringen bei Neuentwicklungen erhöhen. Der bisherige Audi-Technikchef Wolfgang Dürheimer, der erst vor wenigen Monaten mit viel Vorschusslorbeeren nach Ingolstadt geholt worden war, solle in andere Funktion innerhalb des Konzerns wechseln, teilte VW mit.

Hinter den Kulissen gibt es schon länger Kritik, dass Audi seinem Anspruch "Vorsprung durch Technik" immer weniger gerecht wird. Während Konkurrent BMW mit dem neuen Elektroauto i3 die Blicke auf sich zieht, gilt Audi zunehmend als behäbig. Das stößt dem mächtigen VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech sauer auf, der einst selbst an der Spitze von Audi stand und der Marke ihr sportliches Image gab. Sollte Audi Fahrt verlieren, würde das auch die Pläne von Konzernchef Martin Winterkorn durchkreuzen, der Volkswagen in den nächsten Jahren an die Weltspitze der Automobilindustrie führen will. Audi steuert fast die Hälfte des operativen Konzerngewinns bei und will bis 2020 an BMW vorbeiziehen. Die VW-Tochter hat Daimler bei Absatz und Profitabilität bereits überholt.

Frühes Lob, schnelles Ende

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Von Hackenberg, der Anfang 2007 zusammen mit Winterkorn von Audi nach Wolfsburg kam, erhofft man sich, dass er das Tempo bei den Ingolstädtern beschleunigen kann. Er kennt viele Ingenieure noch aus seiner Zeit als Entwicklungschef von Audi und hat den Kontakt nach Bayern nie schleifen lassen. Einen Teil von Hackenbergs Aufgaben bei VW übernimmt Heinz-Jakob Neußer, zusätzlich zu seiner Rolle als Chef der Motorenentwicklung des Konzerns. Hackenberg soll die Steuerung des von ihm entwickelten Baukastensystems, das Volkswagen derzeit Zug um Zug bei neuen Modellen einführt, behalten. Zusätzlich koordiniert er künftig die technische Entwicklung aller Pkw-Marken in dem Weltkonzern.

Dürheimer war erst im Zuge des Führungsumbaus im VW-Konzern im vergangenen September zu Audi gewechselt. Der ehemalige Chef der Luxusmarken Bentley und Bugatti genießt einen Ruf als hervorragender Ingenieur. Deshalb wurde er von Medien anfangs fast als Heilsbringer für Audi gefeiert. Einige trauten ihm sogar zu, Konzernchef Winterkorn in einigen Jahren zu beerben. Allerdings gelang es ihm offenbar nicht, die Beschäftigten bei Audi hinter sich zu bringen. Insider bemängelten, Dürheimer habe es an Fingerspitzengefühl gefehlt. Das "Manager-Magazin" berichtete im Mai, die stolzen Audi-Entwickler fühlten sich in ihrer Ehre verletzt, wenn ihnen ein - ihrer Ansicht nach - Abgesandter aus Wolfsburg erzähle, wie man es entwicklungstechnisch wieder an die Spitze schaffe.

Vor Bentley und Bugatti war Dürheimer zehn Jahre lang Chefentwickler von Porsche, wo unter seiner Leitung der Geländewagen Cayenne und die viertürige Limousine Panamera entstanden. Porsche galt für Audi lange als Hauptwettbewerber. Dies dürfte mit eine Rolle gespielt haben, warum die Belegschaft mit Dürheimer nicht so schnell warm wurde - auch wenn der Stuttgarter Spotwagenbauer inzwischen als zwölfte Marke zur Konzernfamilie gehört. Seitdem orientiert sich Audi an BMW als Hauptkonkurrenten.

Hackenberg erfand das Baukastensystem 

Hackenberg ist ein enger Vertrauter von Konzernchef Winterkorn. In seiner Zeit in Ingolstadt entwickelte er ein Baukastensystem für größere Autos, deren Motoren längs zur Fahrtrichtung eingebaut werden ("modularer Längsbaukasten"). Das senkt die Kosten und spart Zeit. Diese Architektur gleicher Teile und Baugruppen nahm er später mit nach Wolfsburg, wo sie nun bei allen kleinen und mittleren Fahrzeugen eingeführt wird, deren Motoren quer zu Fahrtrichtung montiert sind ("modularer Querbaukasten"). Das Prinzip ist vergleichbar mit einem Legobaukasten. Wenn die Kundschaft nach einer neuen Spielart eines Fahrzeugs ruft - etwa einem kleinen Geländewagen oder einem Cabriolet auf Basis eines existierenden Modells - können sich die Entwickler aus vorentwickelten Teilen bedienen.

Der Fahrzeugboden, die Achsen oder Motor und Getriebe sind so ausgelegt, dass sie nicht nur für einen Autotyp passen, sondern gleich für mehrere Modelle und über die Grenzen der Marken hinweg verwendet werden können. Auch andere Autobauer bedienen sich inzwischen solcher Baukästen.

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Quelle: n-tv.de

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