Wirtschaft

Wachstumsziel verfehlt: Handelskrösus China hustet

Die schwache Weltkonjunktur macht Exportweltmeister China zunehmend zu schaffen. Der Außenhandel liegt deutlich unter den Erwartungen, was das Wachstum weiter dämpft. Es gibt aber ein paar Lichtblicke.

Blick auf Pekinger Hochhäuser.
Blick auf Pekinger Hochhäuser.(Foto: REUTERS)

Die weltgrößte Handelsnation China hat ihr Wachstumsziel im vergangenen Jahr klar verfehlt. Aus- und Einfuhren erhöhten sich zusammen nur um 3,4 Prozent, geht aus den Daten der Zollbehörde hervor. Die Regierung in Peking hatte ein mehr als doppelt so kräftiges Wachstum von 7,5 Prozent angestrebt.

"Die negativen Faktoren, die den Handel 2014 erschwert haben, werden noch eine Weile anhalten", befürchtet der Sprecher der Zollbehörde, Zheng Yuesheng. Dazu zählte er die schwächelnde Weltkonjunktur, sinkende ausländische Investitionen in China und steigende Produktionskosten im Inland.

Die deutschen Exporteure sehen die schwächelnde Nachfrage in der Volksrepublik mit einer gewissen Sorge. Im abgelaufenen Jahr zogen die chinesischen Importe insgesamt um nur 0,4 Prozent an. "Der Markt hat sich im letzten Quartal ziemlich abgekühlt", sagte der Vertriebsvorstand des Autobauers BMW, Ian Robertson. China ist seit Jahren einer der am schnellsten wachsenden Regionen für deutsche Unternehmen. "Die Importe signalisieren eine anhaltende Schwäche des chinesischen Binnenmarktes", sagte NordLB-Analyst Frederik Kunze.

"China bleibt Weltspitze"

Er rechnet dennoch damit, dass "Made in Germany" gefragt bleibt. "Wir sehen allerdings insbesondere für qualitativ hochwertige Güter nach wie vor eine hohen Bedarf im Reich der Mitte", sagte der Experte. "Hiervon kann insbesondere die deutsche Exportwirtschaft profitieren."

Daimler-Chef Dieter Zetsche ist ähnlicher Meinung. "Ich sehe keine drastische Verlangsamung des Wachstums, sondern eine ziemlich stabile wirtschaftliche Entwicklung", sagte Zetsche. Daimler hat sich für 2015 vorgenommen, erstmals mehr als 300.000 Pkw in China zu verkaufen. Die stark gesunkenen Ölpreise dürften die dortigen Verbraucher entlasten und Spielraum für höheren Konsum schaffen.

Chinas Exporte legten im abgelaufenen Jahr mit 6,1 Prozent etwa doppelt so stark zu wie die deutschen. Im Dezember gab es mit 9,7 Prozent sogar einen unerwartet kräftig Zuwachs, weil die Lieferungen in die USA und in die Sonderwirtschaftszone Hongkong spürbar zulegten. "Chinas Exportsektor bleibt einer der weltweit am stärksten wachsenden", sagte Ökonom Julian Evans-Pritchard von Capital Economics. "Auch wenn die Weltwirtschaft fragil bleibt, erwarten wir doch ein Wachstum in Chinas Schlüsselmärkten wie den USA."

Das Bruttoinlandsprodukt dürfte 2014 lediglich um 7,5 Prozent gewachsen sein. Das wäre das kleinste Plus seit 24 Jahren. Eine erste Schätzung wird kommende Woche veröffentlicht.

Quelle: n-tv.de

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