Kannegiesser warnt vor StrukturkriseHarte Einschnitte in Industrie
Die deutsche Industrie steuert trotz erster positiver Konjunktursignale auf eine Phase harter Einschnitte zu. Nach Einschätzung von Gesamtmetall-Präsident rutschen viele Betriebe inzwischen von der Konjunkturkrise in eine Strukturkrise. Damit wachse der Druck auf die Unternehmen, mit "Anpassungen" bei Personalkosten und Beschäftigung zu reagieren.
Die deutsche Industrie steuert trotz erster positiver Konjunktursignale auf eine Phase harter Einschnitte zu. "Viele Betriebe rutschen inzwischen von der Konjunkturkrise in eine Strukturkrise", sagte Martin Kannegiesser, Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, dem "Handelsblatt". Damit wachse der Druck auf die Unternehmen, mit "Anpassungen" bei Personalkosten und Beschäftigung zu reagieren, warnte Kannegiesser.
Hintergrund ist, dass der bisher in der Krise praktizierte Weg der Beschäftigungssicherung für die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie offensichtlich zunehmend an die wirtschaftliche Substanz geht. Die Branche drohe in diesem Jahr erstmals in der Nachkriegszeit als Ganzes in die Verlustzone zu rutschen, schreibt das Blatt unter Berufung auf einen "Gewinnreport" des Verbands. Zum Vergleich: Im Jahr 2007 hatten noch lediglich acht Prozent der Metall- und Elektrounternehmen mit zusammen gut 3,5 Millionen Beschäftigten rote Zahlen geschrieben.
Als Ursache für den Ertragseinbruch macht der Report einen explosionsartigen Anstieg der Lohnstückkosten bei sinkenden Umsätzen aus. Laut Gesamtmetall lagen die Lohnstückkosten im Frühjahr 2009 um fast 30 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Während die Produktion branchenweit um mehr als ein Viertel zurückging, sank die Beschäftigtenzahl bisher nur um 2,5 Prozent.
Zur Metall- und Elektroindustrie zählen die Schlüsselbranchen der Exportwirtschaft, darunter Automobil, Maschinenbau und Elektrotechnik. Sie hatten nach dem Einbruch der Weltwirtschaft besonders stark auf Kurzarbeit gesetzt.