Sonntag, 27. September 2009
Trotz Staatshilfe: Heideldruck will entlassen
Öffentliche Kredite und Bürgschaften für Heideldruck summieren sich auf 850 Mio. Euro.
(Foto: ASSOCIATED PRESS)
Der angeschlagene Druckmaschinenbauer Heidelberger Druck hält an seinen geplanten Personalstreichungen trotz Staatshilfe fest. Trotz der finanziellen Unterstützung müsse das Unternehmen etwa jeden vierten der insgesamt 20 000 Arbeitsplätze abbauen, sagte Heideldruck-Chef Bernhard Schreier der "Welt am Sonntag". "Der Staat erwartet, dass wir den Geschäftsplan, den wir vorgelegt haben, einhalten", sagte Schreier. Der Konzern müsse "konsequent restrukturieren". Er verteidigte die geplanten Entlassungen: "Unsere Aufträge haben sich halbiert", sagte Schreier. "Deshalb müssen wir auf der Kostenseite massiv gegensteuern, um durch die Krise zu kommen und unsere Schulden wieder abzubauen."
Der Weltmarktführer hatte den Auftragsschwund im ersten Quartal seines Geschäftsjahres 2009/2010 zwar stoppen können. Der Konzern war aber bei seiner trüben Jahresprognose geblieben, weil weitere Umsatzeinbußen und Verluste erwartet werden.
Seine Finanzierung für die kommenden Jahre - und damit sein Überleben - hatte Heideldruck zuletzt nur dank staatlicher Hilfe sichern können. Über Kredite und Bürgschaften von Bund und Ländern deckt das Unternehmen nun den Großteil seines Geldbedarfs. Die Förderbank KfW gibt einen Kredit über 300 Mio. Euro, Bund und Länder bürgen für weitere 550 Mio. Euro. Die Banken stellen weitere 550 Mio. Euro zur Verfügung unter dem Vorbehalt, dass der Staat seine schützende Hand über Heidelberger Druck hält.
Die höheren Kosten für die neuen Darlehen sowie für die Bürgschaften lasten jedoch schwer auf dem Unternehmen. Derzeit beschäftigt das Unternehmen rund 18.350 Menschen. Es herrscht Kurzarbeit. An diesem Montag will die Gewerkschaft IG Metall mit einer Protestaktion in Heidelberg auf die Situation aufmerksam machen.
dpa
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