Wirtschaft
Die finanzielle Lage Griechenlands verschlechtert sich weiter.
Die finanzielle Lage Griechenlands verschlechtert sich weiter.(Foto: dapd)

Viele Investoren ziehen nicht mit: Hellas-Hilfe hängt am seidenen Faden

Die Beteiligung der privaten Investoren an der Rettung Griechenlands erweist sich als lückenhaft. Die anvisierten 100 Milliarden Euro werden wohl nicht zusammenkommen. Der Chef des deutschen Bankenverbandes, Schmitz, spricht von einer "hochexplosiven Lage" in Griechenland. Das Land müsse wettbewerbsfähig werden.

Die privaten Gläubiger werden voraussichtlich nicht den erwarteten Beitrag zur Rettung Griechenlands aufbringen. Daher prüften die EU-Regierungen, wie sie die Lücke stopfen könnten, verlautete aus Bankenkreisen.

Das staatliche Hilfspaket für Griechenland hat ein Volumen von 130 Milliarden Euro. Ringen um Athen-Entlastung . Nun sehe es so aus, als ob weniger Gläubiger mitzögen als erhofft, sagten Banker.

Nach Ansicht des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) hilft auch ein vollständiger Forderungsverzicht der privaten Gläubiger Griechenland nicht aus der Schuldenklemme. Ein Schuldenerlass alleine führe nicht dazu, dass das Land am Jahresende keine neuen Schulden mehr habe, sagte BdB-Präsident Andreas Schmitz. Griechenland müsse vor allem wieder wettbewerbsfähig werden, werde dafür aber viele Jahre brauchen. 

Andreas Schmitz sieht die Lage Griechenlands pessimistisch.
Andreas Schmitz sieht die Lage Griechenlands pessimistisch.(Foto: picture alliance / dpa)

Schmitz sagte, Griechenland müsse den Sparkurs nicht nur propagieren, sondern auch umsetzen. Die Versuche europäischer Politiker zur Lösung der Staatsschuldenkrise im vergangenen Jahr kommentierte er mit den Worten: "Die Rettungsversuche wirkten teilweise wie Flugversuche von Pinguinen."

"Die Lage in Griechenland ist weiter hochexplosiv", sagte Schmitz. Er warnte, die Europäische Zentralbank (EZB) könne die Krise nicht lösen, sondern nur Nothilfe leisten: "Das kann nur die Politik."

Kranke Griechen brauchen Bares

Die Griechen bekommen selbst in Apotheken die Konsequenzen der finanziellen Probleme des Landes zu spüren. Seit einigen Tagen geben viele Apotheker Medikamente nur noch gegen Bargeld aus, wie griechische Medien berichten. Rezepte würden häufig nicht akzeptiert, weil die staatlichen Krankenkassen ihre Schulden bei den Apothekern seit Monaten nicht mehr bezahlt haben.

Nicht nur Kunden fürchten Risiken und Nebenwirkungen.
Nicht nur Kunden fürchten Risiken und Nebenwirkungen.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Patienten müssen das Geld selbst vorstrecken und mit der Quittung dann zur Krankenkasse gehen, um es zurückzubekommen. Wegen des Geldmangels bei den Kassen dauert das aber in der Regel Monate oder sogar bis zu einem Jahr.

"Wir bekommen schon ein Bild dessen, was uns bevorsteht, wenn wir endgültig pleitegehen", sagte Theodoros Ioannidis, Angestellter eines Pharmaunternehmens. Nach Ansicht der Apothekerin Ioanna Kimpezi ist ein Teufelskreis entstanden. Denn auch die Apotheker bekommen Medikamente nur noch gegen Sofortzahlung vom Großhandel. Der wiederum muss sofort zahlen, um die Arzneimittel von der Pharmaindustrie zu bekommen. "Uns bleibt keine andere Wahl, als Bargeld zu verlangen", meinte die Apothekerin.

Medikamente werde knapp

Der Bargeldzwang soll mindestens bis Freitag dauern. Dann wollen die Apotheker neu entscheiden, wie es im Streit um die Schulden der Krankenkassen weitergehen soll. Der Apothekerverband spricht von einer offenen Summe in Höhe von 330 Millionen Euro.

Mittlerweile werden in Griechenland einige Medikamente knapp. Dem Apothekerverband zufolge ist das bei der Hälfte der 500 meistgenutzten Medikamente der Fall. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Eine der Hauptursachen ist der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge, dass die griechische Regierung die festgelegten Preise für viele Medikamente gesenkt hat. Deshalb würden viele Großhändler die Medikamente ins Ausland verkaufen, da dort höhere Preise gezahlt werden.

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Quelle: n-tv.de

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