Wirtschaft
Lagarde spricht sich deutlich für zwei Jahre mehr Zeit aus.
Lagarde spricht sich deutlich für zwei Jahre mehr Zeit aus.(Foto: picture alliance / dpa)

IWF signalisiert Verständnis: Hellas braucht mehr Zeit

Das schuldengeplagte Griechenland bekommt möglicherweise doch den geforderten Zeitaufschub für die Umsetzung seiner Reform- und Sparauflagen. Manchmal sei es besser, "etwas mehr Zeit zu haben", stellt IWF-Direktorin Lagarde fest. Zwei Jahre scheinen ihr für die Konsolidierung der Wirtschaft durchaus angemessen.

Bilderserie

IWF-Chefin Christine Lagarde hat sich überraschend für einen deutlichen Zeitaufschub für Griechenland ausgesprochen. "Es ist manchmal besser, etwas mehr Zeit zu haben", sagte die Chefin des Internationalen Währungsfonds im Vorfeld der Jahrestagung von IWF und der Weltbank an diesem Wochenende in der japanischen Hauptstadt Tokio. "Ein Aufschub von zwei Jahren ist (für Griechenland) notwendig, um das Konsolidierungsprogramm zu bewältigen."

Lagarde hatte sich zuvor schon mehrmals aufgeschlossen gegenüber einem zeitlichen Aufschub für Athen gezeigt, so deutlich für zwei Jahre mehr Zeit trat sie bisher aber noch nicht ein. Der griechische Regierungschef Antonis Samaras wirbt bei seinen Geldgebern seit längerem um einen zweijährigen Aufschub für die Erfüllung der drastischen Sparauflagen. Zuletzt hatte er mit dramatischen Worten an die Euro-Partner appelliert und Vergleiche mit den letzten Tagen der Weimarer Republik gezogen. 

IWF versucht Differenzen abzubauen

Video

In Tokio warb Lagarde derweil um Vertrauen in die Bemühungen ihrer Organisation. Die in das Land entsandten IWF-Mitarbeiter versuchten unermüdlich, die Differenzen zwischen den internationalen Geldgebern und dem verschuldeten Euroland aufzulösen, sagte Lagarde. Die Diskussionspunkte seien der Defizitabbau, Strukturreformen, der Finanzsektor und die Verschuldung. Der IWF wolle dem Land helfen, wieder auf die Beine zu kommen, meinte die Französin.

Weiterhin ist offen, ob Griechenland die nächste Hilfszahlung erhält. Bedingung für die in Aussicht gestellte Hilfstranche ist, dass Athen die Sparauflagen erfüllt. Der "Troika"-Bericht von EU-Kommission, IWF und Europäischer Zentralbank (EZB) steht aber immer noch aus. Die Prüfung der griechischen Spar- und Reformfortschritte durch die internationale Gläubiger-Troika dauert länger als erwartet. Ohne einen positiven Bericht der Troika muss das krisengeschüttelte Land um die Überweisung weiterer Hilfszahlungen bangen. Stellen die internationalen Geldgeber jedoch die Unterstützung ein, steht das Land vor der Staatspleite.

Eine politische Entscheidung, ob Griechenland mehr Zeit bekommt oder nicht, ist nicht vor der zweiten Oktober-Hälfte, und dem EU-Gipfel am 18. und 19. Oktober zu erwarten.

Schäuble: "Keine Fehlanreize setzen"

In der deutschen Regierung werden alle Zugeständnisse an Griechenland kritisch gesehen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wollte sich nicht festlegen, ob sie wie IWF-Chefin Lagarde eine Streckung der Sparplans für Griechenland befürwortet. Sie wolle nicht jede einzelne Äußerung kommentieren, sagte Merkel. "Ich warte jetzt auf den Troika-Bericht, und dann werden wir unsere Meinung bilden."

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hingegen wandte sich am Rande der Jahrestagung von IWF und Weltbank explizit gegen die Forderung, Problemstaaten wie Griechenland mehr Zeit zu geben ihre Reformauflagen zu erfüllen. Er warnte vor falschen Anreizen für einen solchen Fall. "Unser Argument ist nicht mehr oder weniger Großzügigkeit, unser Argument ist, wir dürfen keine Fehlanreize geben, die dazu führen, dass die Reformen umgangen werden", sagte Schäuble

Die Probleme Griechenlands müssten "auch in Griechenland gelöst" werden, betonte er. An der Umsetzung der verabredeten Reformen führe kein Weg vorbei. "Wenn Griechenland es will und die entsprechenden Maßnahmen umsetzt, dann wird niemand Griechenland aus dem Euro drängen", betonte Schäuble.

Mehr Einsatz gefordert

Lagarde ermahnte die reichen Mitgliedsstaaten des IWF derweil noch einmal bei der Bekämpfung der Schuldenprobleme entschlossener zu handeln. "Wir erwarten Taten und wir erwarten mutiges und kooperatives Handeln von Seiten unserer Mitglieder", sagte Lagarde. Ob man nun nach Europa, in die USA oder auch andere Regionen blicke, vielerorts herrsche Unsicherheit, was Investoren von der Schaffung neuer Arbeitsplätze abhalte. "Wir brauchen Taten, um den Schleier der Unsicherheit zu verdrängen", fügte Lagarde hinzu.

Bilderserie

Überschattet wird die Jahrestagung von IWF und Weltbank vom Streit zwischen China und Japan um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer. Der chinesische Notenbankchef und der Finanzminister boykottieren das Treffen wegen der Spannungen. Lagarde hofft nach eigener Aussage, dass der Territorialstreit schnell gelöst wird. Die Kooperation zwischen den Staaten in Asien sei wichtig für die gesamte Weltwirtschaft. "Alle ökonomischen Partner in dieser Region sind sehr wichtig für die globale Ökonomie", sagte Lagarde. "Wir hoffen, dass die Differenzen, egal, wie weit sie zurückreichen, harmonisch und umgehend gelöst werden können."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen