Wirtschaft
(Foto: AP)

Steigt der Preis?: Hier sind Öl-Profite möglich

Ein Gastbeitrag von Carsten Riehemann

Spätestens in der zweiten Hälfte 2016 dürften die Ölpreise wieder steigen. Risikotolerante Anleger greifen jetzt bei den Fördergesellschaften zu – oder sie kaufen Rohstoffwährungen.

Die Nachfrage nach Erdöl ist im vergangenen Jahr weltweit um 1,8 Millionen Barrel oder rund zwei Prozent pro Tag gestiegen - und damit so stark wie seit 2010 nicht mehr. Der Preiskollaps hängt also nicht mit einem zu niedrigen Verbrauch zusammen, sondern dem massiven Überangebot. Die Produktion der Opec-Staaten dürfte in diesem Jahr sogar noch weiter zunehmen. Denn nach dem Ende der Sanktionen will das Kartell-Mitglied Iran rund 500.000 Fass pro Tag mehr auf den Weltmarkt pumpen als bisher. Allerdings steht dem ein größerer Produktions-Rückgang der Nicht-Opec-Staaten gegenüber.

Vor allem in den USA ist eine geringere Förderung absehbar. Grund ist, dass selbst die effizientesten amerikanischen Fracking-Unternehmen bei Preisen von rund 30 US-Dollar pro Barrel mindestens zehn Dollar pro Fass draufzahlen. Für die Firmen lässt sich das auf Dauer kaum durchhalten. In den USA ist die Zahl der Bohrstellen im Januar bereits auf 637 gefallen – das sind fast 1000 weniger als ein Jahr zuvor. Rund dreieinhalb Dutzend Ölförderer haben schon Insolvenz angemeldet. Dass die Fördermenge in den Vereinigten Staaten bislang jedoch nur vergleichsweise wenig zurückgegangen ist, hat im Wesentlichen zwei Ursachen: Erstens wurden im Golf von Mexiko und in Alaska neue extrem ertragreiche Projekte in Betrieb genommen. Zweitens beuten die Fracking-Unternehmen ihre Lagerstätten dank neuer Technologien deutlich besser aus als früher.

Carsten Riehemann ist Geschäftsführender Gesellschafter bei Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co. und  seit Mitte der 90er Jahre als Vermögensverwalter und Vermögensberater für Unternehmer, Privatkunden und Stiftungen tätig.
Carsten Riehemann ist Geschäftsführender Gesellschafter bei Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co. und seit Mitte der 90er Jahre als Vermögensverwalter und Vermögensberater für Unternehmer, Privatkunden und Stiftungen tätig.

Dennoch ist unter dem Strich mit einem noch größeren Rückgang der amerikanischen Ölförderung zu rechnen. Denn viele US-Unternehmen haben in der Vergangenheit ihre Produktion preislich abgesichert. Diese Hedging-Geschäfte laufen jedoch überwiegend Mitte des Jahres aus. Gleichzeitig sind zahlreiche Schieferöl-Unternehmen in einem hohen Maß fremdfinanziert. Viele der Kreditlinien wurden zwar jüngst verlängert. Aufgrund der miserablen Ertragslage der Fracking-Unternehmen und angesichts steigender Zinsen dürften sich die Finanzierungsbedingungen aber schon bald spürbar verschlechtern. Die Aufgabe von rund 40 amerikanischen Ölförder-Gesellschaften dürfte somit erst der Auftakt zu einer größeren Pleitewelle sein.

Während im Golf von Mexiko und in Alaska die Produktion also auf Hochtourten läuft, ist sie bei den Fracking-Unternehmen schon um rund fünf Prozent gefallen. Dieser Trend dürfte sich in den kommenden Monaten verstärkt fortsetzen. Der Ölpreise müsste um mindestens zehn Dollar pro Fass oder 30 Prozent steigen, damit ein Massensterben unter den amerikanischen Ölförderern ausbleibt.

Gegenbewegung absehbar

Noch steckt viel spekulatives Geld im Markt, das auf weitere Preisrückgänge wettet. Sobald der Ölpreis jedoch dreht, müssen sich diese Shortseller eindecken, was eine fundamental bedingte Gegenbewegung beschleunigt. Ausgelöst werden könnte diese kurzfristig zum Beispiel durch einen eskalierenden Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran.

Auf längere Sicht sind es aber vor allem die stark rückläufigen Investitionen der Ölbranche, die für ein sinkendes Angebot und damit für wieder steigende Preise sprechen. So hat Halliburton, der nach Schlumberger zweitgrößte Ölservice-Dienstleister der Welt, im vergangenen Jahr 42 Prozent weniger umgesetzt als 2014.

Dennoch ist Anlegern von Ölinvestments über Zertifikate oder Futures derzeit abzuraten. Hier entstehen erhebliche Rollverluste, die sich auch bei einem höheren Preis kaum kompensieren lassen. Wesentlich aussichtsreicher sind die Aktien von solide aufgestellten Ölgesellschaften. Philipps 66 (WKN A1JWQU) betreibt ein gutes Dutzend Erdölraffinerien und weltweit rund 20.000 Tankstellen. Dieses sogenannte Downstream-Geschäft leidet sowieso nicht unter dem niedrigen Ölpreis. Das gilt zwar nicht für BP (WKN 850517) und Statoil (WKN 675213). Diese würden dafür aber von steigenden Notierungen überproportional profitieren. Mit Statoil setzen Anleger zugleich auf eine Erholung der norwegischen Krone.

Ein steigender Ölpreis käme auch anderen Rohstoffwährungen wie dem kanadischen Dollar oder dem russischen Rubel zugute. Entsprechende Währungsanleihen werfen zurzeit bis zu zehn Prozent Zinsen ab, sind aber auch ausgesprochen spekulativ.

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Quelle: n-tv.de

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