Wirtschaft
In etlichen Branchen stehen Tarifverhandlungen an - begleitet wohl auch von Streiks.
In etlichen Branchen stehen Tarifverhandlungen an - begleitet wohl auch von Streiks.(Foto: picture alliance / dpa)

Tarifrunde 2014: Hier wird verhandelt

Mit dem Ende von Tarifverträge ist es an Arbeitgebern und Arbeitnehmern neue Abschlüsse auszuhandeln. Die Gewerkschaften fordern teils satte Aufschläge. Warnstreiks begleiten die Verhandlungen.

Die Tarifrunde 2014 hat begonnen. In den ersten Branchen haben die Gewerkschaften fristgemäß die Tarifverträge gekündigt - und bereits erste Forderungen formuliert. Etliche Vereinbarungen enden zudem in den kommenden Monaten. Höhepunkte der aktuellen Runde dürften die Gespräche für den Öffentlichen Dienst, die Bahn und die Telekom werden.

Chemische Industrie

Die rund 550.000 Beschäftigten in der Chemie-Industrie erhalten 3,7 Prozent mehr Geld. Die Laufzeit des Kompromisses beträgt insgesamt 14 Monate Die IG BCE hatte eine Tariferhöhung von 5,5 Prozent für 12 Monate gefordert. Zudem sollte das Tarifabkommen "Zukunft durch Ausbildung" fortgeschrieben und die Übernahme nach der Ausbildung verbessert werden.

Druckindustrie

Die Beschäftigten erhalten nach vier Nullmonaten seit Mai drei Prozent mehr Lohn. Im kommenden April steigt die Bezahlung um ein Prozent. Der Abschluss hat eine Laufzeit von insgesamt 27 Monate bis März 2016. Verdi hatte für die gut 153.100 Beschäftigten 5,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt bei einer Laufzeit von 12 Monaten gefordert.

Deutsche Telekom

Die Tarifeinigung sieht nach zwei Nullmonaten eine Anhebung um 2,9 Prozent vor. Für Beschäftigte in den höheren Entgeltgruppen beträgt das Plus 2,5 Prozent. Im kommenden Februar steigt die Bezahlung um weitere 2,1 Prozent für alle. Die Laufzeit geht bis zum 31. Januar 2016. Die Gewerkschaft Verdi hatte eine Lohnanhebung um 5,5 Prozent für 12 Monate gefordert  Zudem sollten die unteren Einkommen überproportional engehoben und betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden.

Nahrung-Genuss-Gaststätten

Die Gewerkschaft NGG hat sich noch keine Tarifforderung beschlossen. Sie empfiehlt aber eine Anhebung der Bezahlung der mehreren Hunderttausend Beschäftigten um 5 bis 6 Prozent. Zudem soll eine Lohnuntergrenze von 8,50 Euro eingezogen werden. Für die Azubis will die Gewerkschaft eine Übernahmegarantie durchsetzen. In Bayern halten die gut 131.600 Beschäftigten ab September 3,0 Prozent mehr. Im August hatte es bereits eine Pauschale in Höhe von 35 Euro gegeben.

Öffentlicher Dienst

Die rund 2,1 Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen erhalten rückwirkend ab März drei Prozent mehr Geld - mindestens jedoch 90 Euro. Im März 2015 kommen weitere 2,4 Prozent hinzu. Auch die Ausbildungsvergütungen sollen erhöht werden: Im ersten Schritt um 40 und im zweiten Schritt um 20 Euro. Verdi hatte eine Entgelterhöhung um 100 Euro plus 3,5 Prozent gefordert. Das Ergebnis soll auf die Beamten übertragen werden. Die Laufzeit beträgt 24 Monate.

Für die Beschäftigten der Länder ist zu Jahresbeginn die zweite Stufe der Tariferhöhung in Kraft getreten. Zum Januar stiegen die Löhne und Gehälter um weitere 2,95 Prozent. In einer ersten Stufe waren die Entgelte um 2,65 Prozent angehoben worden. Der dortige Tarifvertrag läuft zum Jahresende aus - betroffen sind rund 816.000 Beschäftigte.

Bauhauptgewerbe

Die Beschäftigten der Branche erhalten ab Juni 3,1 und ab Juni 2015 2,6 Prozent mehr. Zudem wurde für die ostdeutschen Mitarbeiter ein Angleichungsschritt an die Westlöhne in Höhe von 0,7 Prozentpunkten vereinbart. Die IG Bau hatte für die 667.000 Arbeitnehmer sieben Prozent mehr Einkommen gefordert. Zudem sollten unter anderem die Pauschalen für Fahrtkosten und Übernachtungen angehoben werden.

Bankgewerbe

Ab Juli erhalten die bundesweit 244.000 Beschäftigten 2,4 Prozent mehr Geld. Nach zwölf Monaten steigen die Bezüge um weitere 2,1 Prozent. Zudem zahlen die Arbeitgeber im Januar einmalig 150 Euro. Verdi hatte einen Sockelbetrag von 100 Euro plus weitere 3,5 Prozent gefordert.

Eisen- und Stahlindustrie

In den Regionen Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Ost erhalten die knapp 100.000 Arbeitnehmer ab Juli 2,3 Prozent mehr. Hinzu kommen zum Juli 2015 weitere 1,7 Prozent.

Deutsche Bahn

Der Tarifvertrag endet im Juli. Dann verhandeln die EVG und das Staatsunternehmen über die Bezahlung von 134.000 Eisenbahnern. Die Gespräche mit der Lokführergewerkschaft GDL laufen.

Metall- und Elektroindustrie

Für die mehr als 3,4 Millionen Metaller läuft der Tarifvertrag Ende Dezember aus.

Voraussetzung für Tarifverhandlungen ist in der Regel die Kündigung des laufenden Vertrages oder dessen Ende. In den ersten Runden erörtern Arbeitgeber und Arbeitnehmer dann ihre Vorstellungen. Nicht selten verzichten dabei die Arbeitgeber zu Beginn auf ein Angebot.

Für gewöhnlich besteht bis einen Monat nach Ende des gekündigten oder auslaufenden Vertrags eine Friedenpflicht, in der Warnstreiks oder Streiks unzulässig sind. Können sich beide Seiten nicht einigen, besteht die Möglichkeit eines Schichtungsverfahrens. Während dessen besteht erneut Friedenspflicht.

Erklärt eine Seite die Verhandlungen für gescheitert oder halten die Arbeitnehmervertreter ein Schlichtungsergebnis für unannehmbar, kann nach einer Urabstimmung  - eventuell unbefristet - gestreikt werden. Ziel ist es, so neue Verhandlungen zu erzwingen.

Quelle: n-tv.de

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