Wirtschaft
(Foto: dpa)

Verlustjahr mit Folgen: Hochtief streicht Dividende

Anleger des deutschen Bauriesen Hochtief schauen nach Verlusten im dreistelligen Millionenbereich in die Röhre. Die Dividende für das abgelaufene Jahr wird gestrichen. Im laufenden Jahr setzt der Konzern ganz auf die Energiewende. Mit dem Bau von Stromtrassen oder Windparks will Hochtief wieder kräftig Geld verdienen.

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Die Energiewende soll dem Baukonzern Hochtief bei der Rückkehr in die Gewinnzone helfen. Nach hohen Verlusten im vergangenen Jahr setzt Konzernchef Frank Stieler nun auf Planung und Bau von Windparks und neuen Stromleitungen, die in der Bundesrepublik benötigt werden, um aus der Atomkraft auszusteigen.

Im vergangenen Jahr hatten hohe Abschreibungen bei der australischen Tochter Leighton und lukrative Abfindungspakete für ausscheidende Vorstände den Essener Konzern in die Verlustzone gedrückt. Das sind auch keine guten Nachrichten für den spanischen Mehrheitseigner ACS: Erstmals seit mindestens fünf Jahren erhalten die Hochtief-Aktionäre keine Dividende.

Hoffnungsträger Energie

Hochtief-Chef Frank Stieler sieht den Konzern beim Ausbau der Energie- und Verkehrsinfrastruktur in den Startlöchern: "So wollen wir in den kommenden fünf Jahren bei der Leistung im Energiesektor um 40 Prozent und im Bereich der Verkehrsinfrastruktur um 30 Prozent wachsen", versprach er. Stieler hatte jüngst ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Finanzinvestor Ventizz aus der Taufe gehoben, das Windparks in der Nordsee realisieren soll.

Stieler will auch vom dringend benötigten Bau neuer Stromleitungen profitieren, mit denen der auf hoher See gewonnene Strom auch zu den Verbrauchern in Süddeutschland geleitet werden soll - er hat dazu ein Bündnis mit der auf den Leitungsbau spezialisierten ACS-Tochter Cobra geschmiedet. Hochtief verfolge zudem Pläne, auch in den US-Markt für regenerative Energien einzusteigen.

Das Jahr 2011 schloss Hochtief mit einem Verlust vor Steuern (Ebt) von 127 Mio. Euro ab - nach einem Gewinn von 756,6 Mio. Euro im Jahr 2010. Unter dem Strich stand ein Minus von 160,3 Mio. Euro. Analsten hatten im Schnitt mit einem Verlust vor Steuern von 132 Mio. Euro gerechnet. 2011 hatte Stieler einen weiteren Rückschlag verkraften müssen. Der Verkauf der Hochtief-Flughäfen gelang nicht, das Projekt liegt auf Eis. Eine Veräußerung sei aber weiter das Ziel, hieß es im Geschäftsbericht.

Aufträge lasten aus

Hochtief geht 2012 nun mit gut gefüllten Orderbüchern an: Der Auftragseingang lag Ende 2011 bei 25,37 Mrd. Euro, der Auftragsbestand bei 48,67 (Vorjahr: 47,49) Mrd. Euro. Hochtief ist damit rein rechnerisch für mehr als 22 Monate ausgelastet. Für 2012 erwarte Hochtief weiter ein Ergebnis vor Steuern und einen Konzerngewinn leicht unterhalb des Rekordjahres 2010, bekräftigte Stieler. Für das kommende Jahr schränkte der Konzern seine Gewinnprognosen aber ein: Hochtief rechne mit einer "Verbesserung des Ergebnisniveaus". Bislang hatte Konzernchef Stieler mehr als eine Mrd. Euro beim Ergebnis vor Steuern und einen Konzerngewinn von rund 450 Mio. Euro rein aus dem operativen Geschäft in Aussicht gestellt.

In der Branche herrscht für 2012 angesichts der unsicheren konjunkturellen Entwicklung und der Schuldenkrise in einigen Euro-Ländern nicht nur Optimismus. Der österreichische Konkurrent Strabag hatte sich für 2012 betont vorsichtig gegeben - er schließt angesichts konjunktureller Unsicherheiten ein Betriebsergebnis unter dem des Vorjahres nicht aus. Grund für die mageren Aussichten ist unter anderem das Auslaufen von staatlichen Bauförderungen - etwa in Polen. Die stärker auf das Dienstleistungsgeschäft fokussierte Bilfinger Berger  erwartet hingegen weitere Zuwächse im laufenden Jahr.

Quelle: n-tv.de

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