Wirtschaft
Hochtief hat seinen spanischen Großaktionär ACS im Rücken.
Hochtief hat seinen spanischen Großaktionär ACS im Rücken.(Foto: imago/EQ Images)
Freitag, 13. Oktober 2017

Herausforderung von Atlantia: Hochtief will bei Abertis mitmischen

Tanz um das goldene Kalb: Der spanische Mautstraßen-Betreiber Abertis weckt nun auch Begehrlichkeiten bei Hochtief. In der kommenden Woche soll es ein milliardenschweres Angebot geben. Auch der italienische Konzern Atlantia bietet bereits.

Der größte deutsche Baukonzern Hochtief will Insidern zufolge in der kommenden Woche ins Rennen um den spanischen Mautstraßen-Betreiber Abertis einsteigen. Hochtief plane mit seinem spanischen Großaktionär ACS im Rücken Mitte kommender Woche ein milliardenschweres Gebot, das etwa je zur Hälfte aus neuen Hochtief-Aktien und Bargeld bestehen solle, sagten mehrere Insider Reuters.

Hochtief fordert mit der Offerte den italienischen Infrastrukturkonzern Atlantia heraus, der bereits mit einem rund 17 Milliarden Euro schweren Übernahmeangebot um Abertis buhlt. Sprecher von ACS und Hochtief wollten sich nicht äußern.

Der Hochtief-Aufsichtsrat will Insidern zufolge am Mittwoch zusammentreten, um über die Offerte für Abertis zu entscheiden. Bei Hochtief sei zur Finanzierung des Angebots eine milliardenschwere Kapitalerhöhung geplant. Der ACS-Konzern werde bei der Kapitalerhöhung wohl nicht mitziehen, sein Anteil von derzeit knapp 72 Prozent werde dann verwässert.

Abertis betreibt mautpflichtige Straßen und Autobahnen in Spanien und ist auch in Chile und Brasilien aktiv. Insgesamt umfasst das Straßen-Netz mehr als 8600 Kilometer in 14 Ländern. Das Unternehmen expandierte in den vergangenen Jahren stark außerhalb Spaniens und ist hoch profitabel - das weckt Begehrlichkeiten: Der von der Benetton-Familie kontrollierte Atlantia-Konzern hat ein Übernahmeangebot vorgelegt, das sich ebenfalls aus Barmitteln und Aktien zusammensetzt. Atlantia will mit dem Zukauf das weltgrößte Mautstraßen-Unternehmen schmieden.

Die Italiener kamen mit ihrer Offerte einen wichtigen Schritt voran: Die EU-Kommission hegt keine Wettbewerbsbedenken gegen die Pläne und billigte sie. Atlantia kann das Angebot auch noch einmal erhöhen, um Hochtief abzuwehren. Wichtigster Anteilseigner bei Abertis ist die spanische Criteria Caixa.

ACS-Offerte schon länger in Arbeit

ACS arbeitet Insidern zufolge seit Monaten zusammen mit den Berater-Banken Lazard und JP Morgan ebenfalls an einer Offerte für Abertis. Bereits im September hatte sich abgezeichnet, dass ein Angebot in Arbeit ist. Das Unternehmen habe zur Finanzierung Gespräche sowohl mit Finanzinvestoren als auch Infrastrukturfonds geführt. Es sei davon auszugehen, dass Hochtief die Offerte nun vorlegen werde.

ACS ist prominent im Hochtief-Aufsichtsrat vertreten. Für das Abertis-Angebot sei eine Mischform aus Barmitteln und Hochtief-Aktien aus der Kapitalerhöhung geplant. Investoren könnten sich der Offerte zudem noch später anschließen.

Der von Real-Madrid-Präsident Florentino Perez geführte ACS-Konzern kontrolliert über Hochtief den australischen Bau-Riesen Cimic. Hochtief-Chef ist der Perez-Vertraute Marcelino Fernandez Verdes. ACS hatte Hochtief nach einem erbitterten Übernahme-Kampf geschluckt. Auch für die Essener könnte die Abertis-Übernahme Sinn machen: Sie planen, entwickeln und bauen Mautstraßen zusammen mit der öffentlichen Hand. Mit Abertis könnten sie ihre Wertschöpfungskette erweitern, hieß es in Finanzkreisen.

Quelle: n-tv.de

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