Wirtschaft
Gehen die Daumen der Analysten rauf oder runter bei den anstehenden Quartalszahlen?
Gehen die Daumen der Analysten rauf oder runter bei den anstehenden Quartalszahlen?(Foto: picture alliance / dpa)

Börsenstars müssen liefern: Hohe Messlatte für Facebook & Co

Von Benjamin Feingold

Für Twitter ist die anstehende Veröffentlichung der Quartalszahlen die erste große Feuertaufe nach dem Börsengang. Aber auch andere Social-Media-Aktien wie Facebook und LinkedIn müssen sich messen lassen – der Druck auf die Börsen-Highflyer nimmt zu.

Am Mittwoch ist es soweit: Dann wird Facebook starke Zahlen vorlegen müssen, um die Rally der vergangenen Monate zu rechtfertigen. Rund 150 Prozent ist die Aktie seit dem Sommer gestiegen, scheiterte aber zuletzt mehrfach am Widerstand bei knapp unter 60 US-Dollar. Der Konzern muss daher starke Ergebnisse für das vergangene Quartal vorlegen. Ansonsten könnte die Aktie deutlich unter Druck kommen. Die Analysten prognostizieren für das vierte Quartal zwar ein Umsatzplus von knapp 50 Prozent auf 2,34 Milliarden Euro. Das Plus läge damit allerdings unter dem Wert des dritten Quartals von 60 Prozent. Der Gewinn je Aktie soll im vierten Quartal auf 0,27 Dollar klettern. Im Vorjahreszeitraum waren es erst 0,17 Dollar.

Nicht mehr Hip?

Das soziale Netzwerk geht einen schmalen Grat: Es muss mehr Werbung bei seinen Usern platzieren, und dabei gleichzeitig verhindern, dass die User deswegen den Dienst weniger nutzen. Laut einer Studie der Researchfirma iStrategyLabs  ist die Zahl der Jugendlichen in den USA im Alter zwischen 13 und 17 Jahren, die Facebook nutzen, gegenüber Januar 2011 um 25,3 Prozent gesunken. Bei den 18- bis 24-Jährigen liegt das Minus bei 7,5 Prozent. In den anderen Altersklassen ist die Userzahl hingegen kräftig gestiegen.

Auf der Analystenkonferenz dürfte das Thema, ob Facebook bei Jugendlichen nicht mehr so cool wie früher ist, ganz oben auf der Agenda stehen. Die Finanzprofis werden zudem darauf achten, ob die Userzahlen insgesamt weiter kräftig steigen. Denn das erleichtert es Facebook, höhere Werbepreise durchzusetzen. Vom zweiten auf das dritte Quartal war die Nutzerzahl von 1,15 Milliarden auf 1,19 Milliarden geklettert. 874 Millionen davon waren mobile Nutzer. Und weil ihr Anteil an den Userzahlen ständig steigt, dürfte auch der Anteil der Werbung aus dem mobilen Bereich weiter wachsen. Im dritten Quartal war er auf 49 Prozent der gesamten Werbeerlöse geklettert.

Twitter muss wachsen – aber bitte schnell

Im Rampenlicht wird auch Twitter stehen. Trotz der jüngsten Korrektur liegt die Aktie mit 62 Dollar meilenweit über dem Ausgabepreis von 26 Dollar. Der Börsenwert beträgt damit 35,2 Milliarden Dollar – das ist das 30fache des erwarteten 2014er-Umsatzes. Und das für ein Unternehmen, das noch nie einen Dollar Gewinn erwirtschaftet hat und laut den Schätzungen der Analysten auch im laufenden Jahr nicht erwirtschaften wird. Investoren setzen dennoch auf das Papier, weil der Kurznachrichtendienst deutlich schneller wächst als Facebook und das enorme Tempo auch beibehalten soll. Denn ihrer Meinung nach dürfte sich Twitter künftig ein deutlich größeres Stück vom Internetwerbekuchen abschneiden.

Laut Analystenschätzungen soll der Kurznachrichtendienst im vierten Quartal 2013 den Umsatz auf 217,2 Millionen Dollar verdoppelt haben. Der Konzern wird am 5. Februar erstmals nach dem Börsengang vom 6. November die Ergebnisse präsentieren. Das Unternehmen hat bereits angekündigt, dass es während der Analysenkonferenz über Twitter Fragen von Investoren und Analysten annehmen wird. Der bereinigte Verlust je Aktie soll bei 0,02 Dollar liegen. Ohne Bereinigung soll allerdings ein Verlust von rund 250 Millionen Dollar anfallen. Der Konzern ist stärker als Facebook im mobilen Bereich vertreten, erzielt er doch 70 Prozent seiner Werbeeinnahmen aus dem mobilen Geschäft. Twitter will vor allem das Auslandsgeschäft ausbauen, hat der Konzern im Ausland doch zuletzt 77 Prozent seiner User, aber nur 26 Prozent seiner Erlöse.

LinkedIn kann nicht mehr Schritt halten

Wie Enttäuschungen aussehen können, hat Facebook im Jahr nach der Neuemission gezeigt und auch LinkedIn blieb zuletzt davon nicht verschont. Seit September fiel die Aktie um mehr als zehn Prozent von ihrem 52-Wochenhoch bei knapp 260 Dollar. Einen Tag nach Twitter werden daher die Ergebnisse von LinkedIn genau begutachtet. Bereits bei der Vorlage der Neun-Monats-Zahlen für das vierte Quartal hat LinkedIn Umsätze von lediglich 415 bis 420 Millionen Dollar prognostiziert und damit Investoren schockiert. Jetzt erwarten die Finanzprofis für das vierte Quartal Erlöse von 437,9 Millionen Dollar. Das wäre ein Plus von 44 Prozent, was allerdings gegenüber dem dritten Quartal eine Wachstumsverlangsamung wäre, als der Zuwachs noch bei 56 Prozent gelegen hat.

Dennoch liegen die Schätzungen der Analysten noch deutlich über den Prognosen des Managements von LinkedIn, weil der Konzern in den vergangenen zehn Quartalen nach dem Börsengang die Erwartungen der Analysten immer wieder übertroffen hatte. Allerdings lag der Umsatz im dritten Quartal um lediglich zwei Prozent über den Schätzungen der Analysten - die geringste Spanne seit dem Börsendebüt. LinkedIn hat inzwischen mit 259 Millionen Mitgliedern eine Größe erreicht, die ein hohes prozentuales Wachstum erschwert. Das von allen drei Social Media-Aktien vorgelegte Börsentempo ist sehr hoch und die anstehenden Ergebnisse müssen zeigen, ob sich diese rasante Entwicklung auch in den Unternehmenszahlen widerspiegeln. Die Messlatte hängt hoch.

Quelle: n-tv.de

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