Wirtschaft
Japans politische Spitze beim Ortstermin in Fukushima im vergangenen Herbst: Premierminister Shinzo Abe (2.v.r.) trägt den roten Helm.
Japans politische Spitze beim Ortstermin in Fukushima im vergangenen Herbst: Premierminister Shinzo Abe (2.v.r.) trägt den roten Helm.(Foto: REUTERS)

Steuergelder für AKW-Betreiber: Hokkaido Electric braucht Geld

Energiewende auf Japanisch: Die Folgen des großen Bebens bringen nicht nur den Konzern hinter den havarierten Fukushima-AKW in Schieflage. Nach Tepco muss nun der zweite große Versorger um Staatshilfe bitten.

Hokkaido Electric ist der Versorger auf der dünn besiedelten Nordinsel: Die Kernkraftwerke des Konzerns stehen am Meer, da wo es Kühlwasser gibt - und leider auch Tsunamis.
Hokkaido Electric ist der Versorger auf der dünn besiedelten Nordinsel: Die Kernkraftwerke des Konzerns stehen am Meer, da wo es Kühlwasser gibt - und leider auch Tsunamis.(Foto: REUTERS)

Die große Dreifach-Katastrophe von 2011 beherrscht noch immer die Lage am japanischen Energiemarkt. Der erzwungene Atomausstieg infolge des Reaktorunglücks von Fukushima treibt nun einen zweiten AKW-Betreiber an den Rand des Zusammenbruchs. Nach dem Betreiber der Katastrophen-Reaktoren Tepco muss sich nun auch Hokkaido Electric Power um staatliche Finanzhilfen bemühen.

Ein offizieller Antrag sei aber noch nicht gestellt worden, erklärte ein Unternehmenssprecher. Dennoch halten Beobachter es für sicher, dass der Regionalversorger Aussicht auf Unterstützung aus einem staatlichen Rettungspaket erhalten wird.

Unbestätigten Berichten zufolge will Hokkaido Electric der staatlichen japanischen Entwicklungsbank Aktien für umgerechnet rund 350 Millionen Euro verkaufen. Der Regionalversorger werde voraussichtlich das dritte Jahr in Folge Verluste einfahren, hieß es. Damit werde es für das Unternehmen äußerst schwierig, weitere Kredite zu bekommen.

Unfreiwilliger Atomausstieg

Der Branchenführer Tepco war bereits 2012 infolge der Havarie in Fukushima in ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Das große Tohoku-Erdbeben von 2011 mit dem nachfolgenden Tsunami und der anschließenden Kernschmelze in mehreren Reaktoren am Standort Fukushima hatten den Konzern mit hohen Sachschäden und unabsehbaren Folgekosten konfrontiert. Noch immer gilt rund um den Standort des Kraftwerks eine 20-Kilometer-Sperrzone.

Drei Jahre nach dem Beben ist die Lage an den beschädigten Reaktorblöcken zwar unter Kontrolle. Allerdings müssen die stark strahlenden Brennstäbe noch immer mit Unmengen an Kühlwasser von außen versorgt werden. Der vorgesehene Kühlkreislauf wurde bei dem Unglück komplett zerstört.

Vorübergehend ohne Atomstrom

Der börsennotierte Konzern Tepco wurde mit Steuergeldern gestützt und vor dem Zusammenbruch bewahrt. Zugleich ordneten die Behörden die Überprüfung sämtlicher Kernkraftwerke des rohstoffarmen Inselstaates an, was mehrere AKW-Betreiber in finanziellen Schwierigkeiten brachte.

In Japan sind derzeit noch alle 48 Nuklear-Reaktoren stillgelegt, um die Sicherheitssysteme anzupassen und gegebenenfalls zu erweitern. Wann die Reaktoren wieder ans Netz gehen sollen, ist offen. Atom-Konzerne müssen deshalb mehr Geld für alternative Energieerzeugung ausgeben. Die meisten Gesellschaften haben deshalb bereits ihre Strompreise angehoben.

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Quelle: n-tv.de

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