Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Arcelor-Streit ist "diskrete" Chefsache: Hollande trifft Lakshmi Mittal

Der französische Industrieminister Montebourg zeigt nach monatelangem vergeblichem Kampf um das marode Stahlwerk der Mittal-Gruppe in Lothringen Nerven. Der indische Eigentümer Mittal respektiere Frankreich nicht, "wir wollen ihn nicht mehr". Das Konzernmanagement ist entsetzt. Frankreichs Präsident muss die Situation retten - ganz diskret.

In das Ringen um eine Zukunft des maroden Stahlwerks von Arcelor Mittal im lothringischen Florange hat sich nun auch Frankreichs Präsident François Hollande eingeschaltet. Er empfing den Konzernchef Lakshmi Mittal im Elysée-Palast, dabei forderte Hollande "weitere Gespräche" über die Zukunft des Werkes. Vor dem Treffen hatte die Regierung mit einer Verstaatlichung des Standortes Florange gedroht.

Mittal verließ nach Angaben aus dem Elysée-Palast den Sitz des Präsidenten genauso wie er gekommen war: In aller Diskretion durch einen Seiteneingang. Die Präsidentschaft veröffentlichte eine kurze Erklärung, wonach Hollande während des Treffens "weitere Gespräche zwischen dem Staat und dem Unternehmen" zur Lösung der Krise  forderte.

Die Fronten zwischen dem Unternehmen und der Regierung waren zuletzt verhärtet: Paris hatte in der vergangenen Woche eine vorübergehende Verstaatlichung des Standorts Florange ins Spiel gebracht. Industrieminister Arnaud Montebourg erklärte am Montag gar, Frankreich wolle Mittal nicht länger im Land haben.

Aktie reagiert kaum

Arcelor Mittal hatte Anfang Oktober angekündigt, seine Hochöfen in Florange zu schließen. Der Konzern gab aber der Regierung zwei Monate Zeit, einen Käufer zu finden. Diese gab in der vergangenen Woche bekannt, zwei Angebote vorliegen zu haben - allerdings wollen die Interessenten demnach das gesamte Werk und nicht nur die Hochöfen kaufen. Arcelor Mittal will jedoch an anderen Teilen des Werks festhalten. Die Frist für die Regierung, einen Käufer für die Hochöfen zu finden, läuft in wenigen Tagen ab.

Auf europäischer Ebene spreche "nichts" gegen eine Beteiligung des Staates, solange dieser die europäischen Wettbewerbsregeln einhalte, erklärte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier. Mittal hat 20.000 Angestellte in Frankreich.

Angesichts der Zuspitzung des Tonfalls im Streit mit dem französischen Staat rückte auch die Arcelor-Aktie in den Fokus der Anleger. Eine mögliche Verstaatlichung der Werke sorge für Abgabedruck bei dem Papier, hieß es. Die Aktie gab zunächst leicht nach, erholte sich dann im weiteren Handelsverlauf aber wieder. Der indische Milliardär hatte den einheimischen Stahlhersteller Arcelor 2006 übernommen.

Quelle: n-tv.de

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