Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Ex-BayernLB-Tochter: Hypo Alpe Adria verdoppelt Verlust

Wertberichtigungen und Abschreibungen drücken Österreichs Krisenbank Hypo Alpe Adria im ersten Halbjahr tief ins Minus. Gute Nachrichten gibt es dagegen für die Steuerzahler: Die nötogen Hilfen für das laufende Jahr fallen geringer aus.

Die notverstaatlichte österreichische Krisenbank Hypo Alpe Adria kommt nicht aus den roten Zahlen. Im ersten Halbjahr stand unter dem Strich ein Verlust von 1,67 Milliarden Euro, wie das Institut mitteilte. Das war fast doppelte so viel wie vor einem Jahr. Grund waren bevorstehende Wertberichtigungen durch den geplanten Verkauf der Osteuropatöchter und die Ausgliederung des Italien-Geschäfts.

Wegen der hohen Verluste kann die Hypo einmal mehr die Kapitalvorschriften der Aufseher nicht erfüllen. Auf weitere Staatshilfen ist das Institut nach eigenen Angaben diesmal jedoch nicht angewiesen - im Gegenteil: Die Hypo benötige rund 700 Millionen Euro weniger vom Steuerzahler als noch im Frühjahr geplant.

Abwicklung befreit vom Bank-Status

Grund dafür ist die Abwicklung der Krisenbank mit Hilfe einer staatlichen Abbaueinheit. Wenn diese im Herbst an den Start geht, ist die Hypo offiziell keine Bank mehr und muss sich damit auch nicht mehr an die Vorschriften der Bankaufseher halten. Die Kapitallücke von rund 280 Millionen Euro, die durch den Halbjahresverlust entsteht, muss das Institut damit nach eigenen Angaben auch nicht mehr schließen: Ende Juni lag die Kernkapitalquote im Gesamtkonzern bei 4,1 Prozent und damit unter der vorgeschriebenen Mindestquote von 5,5 Prozent.

Zudem profitiert die Bank von dem umstrittenen Schuldenschritt: Einige Investoren sowie die frühere Mutter BayernLB sollen dabei mit insgesamt knapp 1,7 Milliarden Euro für die Abwicklung des Geldhauses zur Kasse gebeten werden. Dieser Schritt werde im zweiten Halbjahr "deutlich positive Auswirkungen" auf die Bilanz der Bank haben und Verluste ausgleichen, erklärte das Institut. Daher benötige die Hypo auch keine weiteren Staatshilfen mehr. Einige der vom Schuldenschnitt Betroffenen haben jedoch bereits Klagen gegen das Sondergesetz angekündigt.

Steuerzahler etwas entlastet

Im Frühjahr hatte Österreich für das laufende Jahr noch eine Geldspritze von insgesamt 1,43 Milliarden Euro veranschlagt - 750 Millionen Euro davon sind bereits geflossen. Die übrigen knapp 700 Millionen Euro sollten die Hypo so lang über Wasser halten, bis die Abwicklung über die staatliche Abbaueinheit beginnt. Sie würden nun nicht mehr gebraucht, sagte ein Sprecher.

Österreich hatte die Hypo 2009 notverstaatlicht, weil die frühere Mutter BayernLB kein Geld mehr in die marode Tochter stecken wollte. Seither hat das Institut mehr als fünf Milliarden Euro an Staatshilfen erhalten - und muss sich nun im Gegenzug dafür von seinen Töchtern in Osteuropa trennen. Der Verkaufsprozess für die Töchter in Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro läuft bereits seit Monaten.

Im ersten Halbjahr verringerten sie ihren Verlust dank geringerer Vorsorgen für faule Kredite auf 4,3 Millionen Euro von knapp 97 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Aus derzeitiger Sicht könnte der neue Eigentümer "im Lauf des Herbst" feststehen, sagte der Sprecher.

Bank verschwindet

Insidern zufolge zeichneten sich dabei zuletzt zwei Favoriten ab - der Finanzinvestor Advent und ein bulgarisch-russisches Konsortium. Der erwartete Preis für die Töchter liegt jedoch unter dem Buchwert. Zudem erwartet die Bank Wertberichtigungen durch die Ausgliederung der italienischen Tochterbank. Für beide Schritte legte die Hypo im ersten Halbjahr gut 1,4 Milliarden Euro zurück - was letztlich zu den hohen Verlusten führte.

Läuft alles nach Plan, bleibt von der maroden Bank in einigen Jahrzehnten nichts mehr übrig. Nach dem Verkauf der Osteuropa-Töchter sollen die anderen Bankteile über die Abbaugesellschaft abgewickelt werden.

Quelle: n-tv.de

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