Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Streiksdrohung in harter Runde: IG Metall will fünf Prozent mehr

In den kommenden Wochen beginnen Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie. Und beide Seiten nehmen ihre Rollen ein: Die Gewerkschaften fordern - die Arbeitgeber mahnen.

In der Metall- und Elektroindustrie kündigt sich für die in wenigen Wochen  beginnende Tarifrunde ein harter Konflikt an. Die  Lohnforderungen der IG-Metall-Bezirke bewegen sich in einer Spanne von 4,5 bis 5,0 Prozent. Die Bezirkschefs begründeten ihre Vorschläge damit, dass die Kaufkraft weiter gestärkt werden müsse und die Gewinne vieler Unternehmen auf hohem Niveau lägen. Die Arbeitgeberverbände der Branche mit ihren 3,8 Millionen Beschäftigten warnten dagegen vor Konjunkturrisiken und mahnten zum Maßhalten.

Die IG Metall schloss Warnstreiks im Frühjahr nicht aus. "Die Arbeitgeber haben keinen Grund zu jammern, auch wenn sie dies bereits nach Kräften tun", sagte der baden-württembergische IG-Metall-Chef Roman Zitzelsberger. Die Fünf-Prozent-Forderung seines Bezirks enthält zwei Prozent Erhöhung zur Umverteilung von Gewinnen auf die Beschäftigten. Niedersachsens IG-Metall-Chef Hartmut Meine sagte, die "unbestreitbaren Herausforderungen" für viele Unternehmen seien in die Diskussion über die Forderung eingeflossen. Für ein Umschalten auf Krisenmodus gebe es jedoch keinen Anlass.

In Nordrhein-Westfalen, wo weniger Konzerne und mehr Mittelständler sind, beschloss die Gewerkschaft einen Korridor von 4,5 bis 5,0 Prozent. Die wirtschaftliche Lage der Unternehmen sei unterschiedlich, die Forderung orientiere sich am Mittelfeld, erklärte der IG-Metall-Bezirksleiter NRW Knut Giesler.   

Im Arbeitgeberlager will man keine falschen Signale setzen

Die Arbeitgeber hielten dagegen, angesichts der weltweit unsicheren Konjunktur sei kein Raum für tarifliche Höhenflüge. Die Unternehmen dürften nicht überfordert werden. "Wir haben deutliche Warnungen aus den Reihen unserer Mitgliedsunternehmen vor einem erneut zu hohen Abschluss", erklärte der Verbandschef von Niedersachsen-Metall, Volker Schmidt.

Der in Baden-Württemberg erzielte Abschluss des vergangenen Jahres mit einer Erhöhung um 3,4 Prozent hatte im Arbeitgeberlager für Kontroversen gesorgt. "Das ist das völlig falsche Signal", erklärte auch der Präsident von Südwestmetall, Stefan Wolf. Die Forderung werde den strukturellen Kostenproblemen der Metallindustrie nicht gerecht. "Es ist jetzt die falsche Zeit für tarifpolitische Höhenflüge", betonte auch der Verbandschef der Industrie in Nordrhein-Westfalen, Arndt Kirchhoff.

Auch einige Volkswirte verwiesen auf Risiken für die Konjunktur. Gerade für die exportabhängigen Auto- und Maschinenbauer, bei denen die IG Metall stark vertreten ist, sei der Ausblick durchwachsen. "Wichtige Märkte wie China straucheln, ebenso andere Schwellenländer und Ölstaaten", sagte Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Er hält einen Abschluss von etwa 2,5 Prozent für gerechtfertigt. "Da bleibt den Arbeitnehmern auch real mehr Geld in der Tasche, denn die Inflationsrate dürfte in diesem Jahr wegen der niedrigen Ölpreise unter der Ein-Prozent-Marke liegen." Sein Kollege Marco Bargel von der Postbank sieht Spielraum für Lohnerhöhungen von bis zu drei Prozent. Hohe Lohnabschlüsse wie in den Vorjahren wären nicht gerechtfertigt.   

IG Metall will mit Entschlossenheit und Durchhaltevermögen punkten

Beide Seiten kündigten bereits eine harte Gangart an. "Wenn es notwendig ist, ist mit Warnstreiks ab 29. April um 0.00 Uhr zu rechnen", warnte IG-Metall-Bezirkschef Zitzelsberger. "Ich gehe von einer harten Tarifrunde aus." Die IG Metall will in dieser Tarifrunde auch bei Unternehmen, die nicht dem Tarifvertrag unterlegen, Druck machen mit Protestaktionen. Gesamtmetall-Chef Rainer Dulger hielt im Interview mit der "WirtschaftsWoche" dagegen: "Unterschätzen Sie nicht unsere Entschlossenheit und Fähigkeit, einen Streik auszuhalten."

Am Dienstag will der Vorstand der mitgliederstärksten deutschen Industriegewerkschaft über die Forderungen der Bezirke beraten und anschließend eine Empfehlung abgeben. Endgültig beschlossen werden soll die Forderung nach erneuten Beratungen in den Regionen am 29. Februar. Die Verhandlungen beginnen in Nordrhein-Westfalen am 14. März, in Baden-Württemberg am 16. März.   Die Forderung werde den strukturellen Kostenproblemen der Metallindustrie nicht gerecht

Quelle: n-tv.de

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