Wirtschaft

Fast eine Milliarde MieseIKB weiter tiefrot

01.07.2010, 10:15 Uhr

Die angeschlagene Mittelstandsbank IKB baut im abgelaufenen Geschäftsjahr ihre Verluste deutlich aus. Schuld daran sind hohe Wertberichtigungen auf eigene Verbindlichkeiten, die das Institut nicht durch bessere Erträge ausgleichen kann.

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(Foto: AP)

Hohe Wertkorrekturen auf eigene Verbindlichkeiten und ein deutlich rückläufiger Zinsüberschuss haben der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB im abgelaufenen Geschäftsjahr 2009/10 einen Verlust nahe der Milliardengrenze eingetragen. Die Bank, die Mitte 2007 als erste deutsche Bank in den Strudel der US-Immobilienkrise geraten war, wies per Ende März nach Steuern einen Fehlbetrag von 974 Mio. Euro aus.

Ein Jahr zuvor war ein Minus von 580 Mio. Euro verbucht worden. Allerdings schlug seinerzeit ein Steuerertrag von 422 Mio. Euro zu Buche, während für das abgelaufene Jahr in geringem Maße Steuern gezahlt wurden. Belastet wurde das Ergebnis von Bewertungsverlusten auf eigene Verbindlichkeiten in Höhe von 859 Mio. Euro. Bewertungsgewinne auf Anlagen konnten dies nur zum Teil ausgleichen, so dass das Fair-Value-Ergebnis mit minus 599 (Vorjahr: minus 162) Mio. Euro massiv schlechter ausfiel als im Vorjahr.

Weniger Risikovorsorge

Eine um eine Sechstel gesunkene Risikovorsorge, verringerte Verwaltungskosten und - anders als im Vorjahr - ein positives Ergebnis aus Finanzanlagen glichen das massive Minus zum Teil aus. Beim Zinsüberschuss verbuchte die IKB jedoch einen Rückgang um ein Viertel auf 179 Mio. Euro. Hier wirkten sich gestiegen Refinanzierungskosten ebenso aus wie der aus Brüssel verordnete Abbau der Bilanzsumme. Beim Provisionsüberschuss rutschte die IKB mit minus 52 Mio. EUR in die roten Zahlen.

Die IKB konnte vor drei Jahren nur mit einem 10 Mrd. Euro schweren Rettungspaket vor dem Kollaps bewahrt werden und wurde anschließend an das US-Beteiligungsunternehmen Lonestar verkauft. Die EU hat diese staatlichen Beihilfen mit der Auflage versehen, dass die Bank ihre Konzernbilanz bis September 2011 um 30 Mrd. auf 33 Mrd. Euro verkürzt. Nach aktuellem Stand geht die Bank davon aus, diese Vorgabe erfüllen zu können.

Beim Ausblick nichts Neues

Mit Blick in die Zukunft äußerte sich die IKB erneut äußerst vorsichtig. Durch die Finanz- und Wirtschaftskrise könne "die Geschäftsentwicklung der IKB weiter belastet werden", wiederholte das Institut nahezu wortgleich Aussagen vom Spätherbst vergangenen Jahres. Je nach Dauer und Intensität sei "eine hohe Ergebnisvolatilität" möglich.

Entscheidend für den Fortbestand der Bank sei die erfolgreiche Umsetzung des veränderten Geschäftsmodells und das Erreichen der Kapitalmarktfähigkeit im Jahr 2012. Bis dahin kann sich die Bank mit Hilfen von SoFFin-Garantien refinanzieren. Die Kapitalausstattung der Bank stellt sich gegenwärtig positiv dar. So lag die Kernkapitalquote Ende März bei 10,4 Prozent nach 8,1 Prozent im Vorjahr und damit deutlich über der gesetzlichen Mindestanforderung.

Die IKB war vor fast drei Jahren die erste Bank in Deutschland, die in den Strudel der US- Hypothekenkrise geriet. Sie musste im großen Stil gestützt werden.

Quelle: DJ