Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Preis der Rettung: ING bringt Versicherungstochter aufs Parkett

Für die arg gebeutelte und vom Staat gerettete niederländische ING Groep rückt eine Ende der Schrumpfkur näher. Die Bank bringt ihre Versicherungstochter auf Druck der EU-Behörden an die Börse. Die Nachfrage ist groß.

Die niederländische Finanzgruppe ING Groep bringt ihre Versicherungssparte NN zu einem Preis von 20 Euro je Aktie an die Börse. Damit kann der Amsterdamer Konzern die Aktien zwar nur in der unteren Hälfte der Preisspanne von 18,50 und 22 Euro losschlagen. Zu diesem Preis haben sich aber mehr Investoren gefunden als ursprünglich gedacht.

In der NN Group NV hat ING die europäischen und japanischen Versicherungsaktivitäten gebündelt. Gemessen am Ausgabepreis hat das Geschäft einen Wert von sieben Milliarden Euro. Angeboten hatten die Niederländer zunächst 70 Millionen Aktien.

Das Emissionsvolumen hatte ING bereits am Montagabend um zehn Prozent erhöht. Nun steht mit den 20 Euro auch der Preis fest. Der Börsengang hat ein Volumen von rund 1,5 Milliarden Euro und ist somit einer der größten in Europa in diesem Jahr. Die NN-Aktien werden bereits am (heutigen) Mittwoch erstmals an der Börse gehandelt.

Versicherungen nicht beliebt bei Börsianern

Die Sterne standen nicht günstig für den IPO. Versicherungen stehen derzeit an der Börse nicht hoch im Kurs. Dennoch musste ING ihre Tochter aufs Parkett schicken - Europa zwang das Unternehmen dazu. Zugleich rückt damit ein Ende der Schrumpfkur näher, die ING im Zuge der zehn Milliarden Euro schweren Staatshilfe während der Finanzkrise auferlegt wurde. Als Ausgleich dafür hatte die EU-Kommission gefordert, dass ING mindestens die Hälfte der NN-Anteile verkaufen muss. ING gibt im Gegenzug für die Staatshilfen das Modell eines kombinierten Bank- und Versicherungskonzerns auf.

Versicherer leiden unter dem niedrigen Zinsniveau. Es wird immer schwerer, mit dem Geld der Versicherungskunden ausreichende Renditen zu erwirtschaften. Gleichzeitig wird die Regulierung strenger. Im Heimatmarkt Niederlande kollabiert der Lebensversicherungsmarkt derzeit, eine Klagewelle von Kunden tut sein Übriges.

Operativ verdiente die Sparte im vergangenen Jahr 905 Millionen Euro. Zuletzt stockte der Finanzkonzern die Kapitalbasis der Versicherungstochter mit 850 Millionen Euro auf. 2013 hatten die Niederländer, die in Deutschland mit der Direktbank ING-Diba vertreten sind, bereits die US-Versicherungssparte Voya Financial erfolgreich in den USA an die Börse gebracht. Zuletzt setzten ING aber hohe Kreditausfälle zu. Der bereinigte Überschuss fiel im ersten Quartal um 15 Prozent auf 988 Millionen Euro.

ING war einst eine der weltgrößten Finanzgruppen. Doch die Finanzkrise schüttelte den Konzern durch. Nach der Rettung begann die Schrumpfkur für den Konzern. Am Ende wird ING nur noch eine schlank aufgestellt Bank sein. Der Börsengang der Tochter dient dem weiteren Schuldenabbau.

Quelle: n-tv.de

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